Ukraine-Krieg: 4 Monate in russischer Gefangenschaft – so sieht ein ukrainischer Kämpfer heute aus

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Ukraine-Krieg4 Monate in russischer Gefangenschaft – so sieht ein ukrainischer Kämpfer heute aus

Der ukrainische Kommandeur Mykhailo Dianow war von Mai bis September Kriegsgefangener in Russland. Das erste Bild nach seiner Freilassung schockiert.

von
Karin Leuthold
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Dieses aktuelle Bild von Mykhailo Dianow schockiert: Der ukrainische Oberfeldwebel der 36. Brigade war im Mai in russische Gefangenschaft genommen worden. Am 22. September wurde er freigelassen.

Dieses aktuelle Bild von Mykhailo Dianow schockiert: Der ukrainische Oberfeldwebel der 36. Brigade war im Mai in russische Gefangenschaft genommen worden. Am 22. September wurde er freigelassen.

Bild: Jelena Lawruschka, Schwester von Mykhailo Dianow
Auch dieses Bild zeigt Mykhailo Dianow: Am 10. Mai hatten die Kämpfer, die lange in dem von russischen Truppen belagerten Asowstahl-Werk in der Hafenstadt Mariupol ausgeharrt hatten, Bilder veröffentlicht. Wann die Fotos aufgenommen wurden, ist nicht bekannt.

Auch dieses Bild zeigt Mykhailo Dianow: Am 10. Mai hatten die Kämpfer, die lange in dem von russischen Truppen belagerten Asowstahl-Werk in der Hafenstadt Mariupol ausgeharrt hatten, Bilder veröffentlicht. Wann die Fotos aufgenommen wurden, ist nicht bekannt.

via REUTERS
Am 11. Mai wurden die Menschen aus dem Asowstahl-Werk nach Russland gebracht.

Am 11. Mai wurden die Menschen aus dem Asowstahl-Werk nach Russland gebracht.

AFP

Darum gehts

  • Mykhailo Dianow ist ein ehemaliger ukrainischer Kommandeur, der monatelang im Asowstahl-Werk in Mariupol ausgeharrt hatte.

  • Im Mai wurde er als Kriegsgefangener nach Russland gebracht.

  • Am 22. September kam Dianow im Rahmen eines Gefangenenaustausches frei – seine körperliche Veränderung ist erschütternd.

Am Dienstag wurden 215 ukrainische Kämpfer nach vier Monaten in russischer Gefangenschaft freigelassen. Unter ihnen befinden sich mehrere Dutzend Soldaten und fünf Kommandeure, die monatelang in dem von russischen Truppen belagerten Asowstahl-Werk in der Hafenstadt Mariupol ausgeharrt hatten. Einer der fünf hochrangigen freigelassenen Kriegsgefangenen ist der ukrainische Oberfeldwebel der 36. Brigade, Mykhailo Dianow.

Am Donnerstag veröffentlichte Jelena Lawruschka, Schwester des ehemaligen Kämpfers, ein aktuelles Bild von Dianow. Die Aufnahme zeigt den Mann mit nacktem Oberkörper. Das Bild erschüttert: Der Mann ist abgemagert, an seinem rechten Arm erkennt man die Folgen einer schweren Verletzung. Auf Twitter kursiert zum Vergleich ein Bild von Mai, während Mykhailo Dianow noch in Asowstal festsass (siehe Bild 2 der Bildstrecke). Sein Armbruch war damals mit einem Fixateur behandelt worden. 

Im belagerten Asowstahl-Werk hatten sich die Männer über längere Zeit eine Dose Thunfisch pro Tag unter vier Leuten geteilt, wie die Frau eines Kämpfers gegenüber 20-Minuten-Reporterin Ann Guenter schilderte.

Im Asowstahl-Werk teilten sie sich eine Dose Thunfisch unter vier Leuten

Nach Angaben von Präsident Wolodimir Selenski seien die Befreiten nun ins Ausland gebracht worden. «Wir haben uns darauf geeinigt, dass die fünf freigelassenen Asow-Kommandeure bis zum Ende des Krieges unter komfortablen Bedingungen in der Türkei bleiben und ihre Familien sehen können», sagte der ukrainische Regierungschef nach Angaben des Portals «War Ukraine».

Dianow soll nicht der Einzige sein, der nach seiner Entlassung aus russischer Gefangenschaft Folterspuren aufweise, sagte der ukrainische Geheimdienstchef Kyrylo Budanow. Es gebe Gefangene, deren körperlicher Zustand «mehr oder weniger normal ist, abgesehen von chronischer Unterernährung durch die schlechten Haftbedingungen», erklärte er gegenüber ukrainischen Medien. Weitere Einzelheiten zur körperlichen Foltermethode wollte Budanow nicht nennen.

Gefangene brauchen psychologische Behandlung

Laut dem ukrainischen Innenminister Denys Monastyrsky benötigen alle eingetauschten Ukrainer eine psychologische Behandlung. Bei dem Austausch wurden neben Ukrainern auch zehn Menschen anderer Nationalitäten freigelassen. Sie waren in verschiedenen Einrichtungen in den von russischen Truppen besetzten ukrainischen Gebieten sowie in Russland gefangen gehalten worden. 

Nach Russland wurden im Zuge des Austauschs 55 Militärs zurückgeschickt. Zudem wurde der ukrainische Multimillionär Viktor Medwedtschuk nach Russland gebracht. Er gilt als enger Vertrauter von Kreml-Chef Wladimir Putin und wurde als dessen Mann in der Ukraine betitelt. 

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Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Beratungsangebot (Deutsch, Ukrainisch, Russisch), von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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