Einheitskasse-Befürworter: «40% Ja-Stimmen wären ehrenvoller gewesen»

Aktualisiert

Einheitskasse-Befürworter«40% Ja-Stimmen wären ehrenvoller gewesen»

Das Pro-Komitee hätte gerne ein deutlicheres Signal für ein öffentliche Krankenkasse gesetzt. Die Enttäuschung über das klare Nein hält sich aber in Grenzen.

von
R. Kayser
Gedämpfte Stimmung bei diesen Mitarbeitenden der Pro-Kampagne. Gerne hätte man ein deutlicheres Zeichen für eine öffentliche Krankenkasse gesetzt.

Gedämpfte Stimmung bei diesen Mitarbeitenden der Pro-Kampagne. Gerne hätte man ein deutlicheres Zeichen für eine öffentliche Krankenkasse gesetzt.

Initianten und Sympathisanten der öffentlichen Krankenkasse - ein Grüppchen von etwa dreissig Leuten - treffen sich am Sonntagmittag im Restaurant Kapitel in Bern, um gemeinsam die Abstimmungsresultate zu verfolgen. Die Stimmung der eintreffenden Genossen ist gut, man gibt sich verhalten optimistisch. «Wir sind überzeugt, ein gutes Resultat zu erzielen», sagt Kampagnenleiter Stefan Krattiger (SP). Auch einen Sieg hält er nicht für ausgeschlossen, bleibt aber realistisch: «Das wird sehr schwierig.»

Spätestens mit der ersten Hochrechnung um 13 Uhr wird diese Hoffnung zerschlagen: Lediglich 36 Prozent der Schweizer Stimmbürger sind für eine öffentliche Krankenkasse. Das Pro-Lager ist enttäuscht. Sie hätten sich schon mindestens 40 Prozent Ja-Stimmen gewünscht, meint Krattiger.

«Man ist auf dem richtigen Weg»

Dennoch werte man das Abstimmungsresultat durchaus als Erfolg, sagt SP-Mediensprecher Michael Sorg: «Das ist eine klare Steigerung zum Resultat der letztem Abstimmung von 2007.» Damals waren lediglich 27 Prozent des Stimmvolkes für die Einführung einer Einheitskasse. Auch, dass in der Westschweiz vier Kantone der Vorlage zugestimmt hätten, sei sehr positiv, sagt Sorg.

Trotz Achtungserfolg: Die Stimmung im Kapitel ist seit der Bekanntgabe der Resultate merklich gedämpft. Die Enttäuschung ist vielen ins Gesicht geschrieben. «Wir hätten gerne ein deutlicheres Signal gesetzt», sagt eine Mitarbeiterin der Pro-Kampagne. «40 Prozent Ja-Stimmen wären eine ehrenvollere Niederlage gewesen», meint auch eine andere. Dennoch ist man sich unter den anwesenden Genossen einig: Das verbesserte Resultat zeige, dass man auf dem richtigen Weg sei.

Erneute Volksinitiative nicht ausgeschlossen

Die Idee der öffentlichen Krankenkasse ist mit dieser Niederlage für die Sozialdemokraten nämlich keineswegs vom Tisch. Der ebenfalls anwesende SP-Fraktionschef Andy-Tschümperlin bestätigt: «Eine erneute Volksinitiative ist nicht ausgeschlossen.» Erst müsse man aber abwarten, ob die Abstimmungssieger ihre versprochenen Reformen durchsetzen würden.

Am späteren Nachmittag wird das Endresultat noch auf 38.1 Prozent Ja-Stimmen korrigiert. Grund für einen Mini-Jubel unter den anwesenden Einheitskassen-Befürwortern. Viel hätte nicht mehr gefehlt und man hätte die 40-Prozent-Marke geknackt.

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