Aktualisiert 28.07.2014 10:32

El Salvador

40 Jahre Haft wegen Fehlgeburt

In El Salvador muss eine Frau jahrzehntelang hinter Gitter, weil ihr ungeborenes Kind im Mutterleib starb. Sie ist Opfer des erbarmungslosen Abtreibungsgesetzes im Land.

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Mitglieder der Frauenrechtsorganisation Bürgerinnenvereinigung zur Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs kämpfen für die Begnadigung der 17 verurteilten Frauen.

Mitglieder der Frauenrechtsorganisation Bürgerinnenvereinigung zur Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs kämpfen für die Begnadigung der 17 verurteilten Frauen.

Vergangene Woche wurden in El Salvador 17 Frauen wegen angeblicher Abtreibungen zu Haftstrafen zwischen 25 und 40 Jahren verurteilt. Das mittelamerikanische Land hat eines der strengsten Gesetze der Welt gegen Abtreibungen. Ein Schwangerschaftsabbruch steht selbst dann unter Strafe, wenn die Gesundheit oder das Leben der werdenden Mutter gefährdet sein sollte.

Das wohl schlimmste Urteil fiel auf die 31-jährige Maria Teresa. Die Frau hatte im November 2011 ihr ungeborenes Kind verloren. Der Fötus war im Mutterleib gestorben und ihr Körper stiess ihn ab. Doch die Ärztin, die die Frau wegen schweren Blutungen im Frauenspital behandelte, sah das anders und zeigte Maria Teresa wegen des Verdachts auf Abtreibung an.

Vor Gericht hiess es, die «Aggression der Mutter» habe das Kind getötet. Und weil dies nach der 22. Schwangerschaftswoche passiert war, handle es sich nicht mehr um eine simple Abtreibung, sondern um Kindsmord. Maria Teresa muss für 40 Jahre hinter Gitter.

Petition für Begnadigung gestartet

Die Frauenrechtsorganisation Agrupación Ciudadana por la Despenalización del Aborto («Bürgerinnenvereinigung zur Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs») hat laut «Mercurio Digital» jetzt eine Petition beim Parlament eingereicht, um die Begnadigung der 17 Frauen zu erreichen.

Doch allzu grosse Hoffnungen sollten sich die Aktivistinnen nicht machen. Im kommenden Frühjahr steht die Neuwahl des Parlaments an - und kein Politiker wird sich mit einem heiklen Thema wie Abtreibung die Finger verbrennen.

In El Salvador ist seit 1998 jeder Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich verboten. Selbst in dem spektakulären Fall der lebensbedrohlich erkrankten Beatriz, deren Schicksal im Jahr 2013 die Weltöffentlichkeit bewegte, konnte erst mit erheblicher Verzögerung und auf Anordnung des Interamerikanischen Gerichtshofes für Menschenrechte ein Kaiserschnitt durchgeführt werden, der das Leben der Mutter rettete.

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