40 Prozent lernen Französisch «weil sie müssen»
Aktualisiert

40 Prozent lernen Französisch «weil sie müssen»

Englisch ist die bevorzugte Fremdsprache der Zürcher Schüler und Schülerinnen. Auch in der sechsten Klasse ist die Motivation dafür noch hoch.

Auch in der sechsten Klasse ist die Motivation dafür noch hoch. 40 Prozent der Sechstklässler lernen hingegen Französisch nur «weil sie müssen».

Französisch habe es - vor allem bei Kindern mit schweizerdeutscher Muttersprache - neben dem beliebten Englisch schwer, sagte Georg Stöckli vom Pädagogischen Institut der Universität Zürich. Stöckli ist Leiter der Studie «Motivation im Fremdsprachenunterricht».

Die Lust Englisch zu lernen, ist auch in der 6. Klasse noch sehr hoch: Nur knapp 20 Prozent der Schüler und Schülerinnen sind unmotiviert. Hingegen wird das Französisch zunehmend unbeliebter: In der 5. Klasse lernen 29 Prozent der Jugendlichen Französisch, «weil sie müssen», in der 6. Klasse sind es bereits 40 Prozent.

Statt «wir müssen ein zweite Landessprache lernen», müsste die Einstellung sein «wir dürfen eine weitere wichtige Fremdsprache lernen», sagte Stöckli am Freitag vor den Medien. Kinder anderer Muttersprache hätten nämlich ebenso Freude, Französisch wie Englisch zu lernen.

Aufenthalt im Sprachgebiet

Anderssprachige sind generell motivierter für Fremdsprachen: 65 Prozent der Kinder mit anderer Muttersprache wünschen Unterricht in Französisch und Englisch. Von den Schülerinnen und Schülern mit deutscher Muttersprache befürworten 55 Prozent den Unterricht in beiden Fremdsprachen.

Die Motivation sei umso grösser, je mehr die Verständigung im Vordergrund stehe und explizites Lernziel sei. Laut der Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli sind die heutigen, neuen Methoden viel motivierender Fremdsprachen zu lernen.

Nichts sei aber so motivierend wie ein Aufenthalt im Sprachgebiet. Der Kanton Zürich sei mit dem Kanton Waadt daran, eine Austauschprojekt im grösseren Stil aufzubauen. Durch das Sparfieber ist das Projekt aber gebremst worden.

Motivation im Fremdsprachenunterricht

Das Pädagogische Institut der Universität Zürich erarbeitete die Studie im Auftrag der Bildungsdirektion. Unter der Leitung von Georg Stöckli wurden im November und Dezember des vergangenen Jahres 20 Klassen des 5. und 6. Schuljahres befragt.

Rund 80 Prozent der Schüler und Schülerinnen hatten beim Schulprojekt 21 teilgenommen. Damit wurden Rahmenbedingungen für den frühen Englischunterricht in der Volksschule erprobt.

Am vergangenen Montag haben im Kanton Zürich 16 Gemeinden regulär mit Englisch in der 2. Klasse begonnen. Bis zum Schuljahr 2006/07 soll in allen Gemeinden des Kantons Frühenglisch eingeführt sein.

Zwei Fremdsprachen in der Primarschule

Ende März hatte die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) beschlossen, dass künftig Primarschüler und Primarschülerinnen zwei Fremdsprachen lernen. Eine der beiden muss dabei eine zweite Landessprache sein.

Die Einführung einer zweiten Fremdsprache in der Primarschule ist umstritten: So werden etwa im Kanton Zürich Unterschriften für ein Volksbegehren für Frühenglisch erst ab der dritten Primarklasse und Französisch erst ab der Oberstufe gesammelt.

(sda)

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