Bangladesch: 40 Tote nach Todesurteil gegen Kriegsverbrecher
Aktualisiert

Bangladesch40 Tote nach Todesurteil gegen Kriegsverbrecher

Erneut verurteilte ein Gericht in Dhaka einen Chef der islamischen Partei zum Tode. Tausende bejubelten den Richterspruch – doch zahlreiche Menschen starben bei Zusammenstössen mit der Polizei.

Ein Sondertribunal in Bangladesch hat den Chef der islamischen Partei Jamaat-e-Islami wegen Kriegsverbrechen zum Tode verurteilt. Delwar Hossain Sayedee sei für Massentötungen, Vergewaltigungen und andere Gräueltaten während des Unabhängigkeitskriegs im Jahr 1971 verantwortlich und in acht von 20 Fällen für schuldig befunden worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Das Urteil wurde am Donnerstag verkündet. Staatsanwalt Syed Haider Ali sagte, die Angehörigen der Opfer hätten Gerechtigkeit erfahren.

Die Anwälte Sayedees boykottierten die Urteilsverkündung. Sayedee wies die Anschuldigungen als politisch motiviert zurück. Seine Partei Jamaat-e-Islami hatte bereits vor dem Urteil zu einem landesweiten Generalstreik aufgerufen, um die Freilassung ihres Anführers zu fordern. Nach der Verkündung protestierten Sayedees Anhänger auf den Strassen des Landes, es kam zu Zusammenstössen mit der Polizei. Mehrere Häuser von Regierungsanhängern wurden in Brand gesteckt. Unter den insgesamt 42 Toten befinden sich sechs Polizisten.

Angst vor weiteren Ausschreitungen: höchste Alarmstufe ausgerufen

Die Regierung rief die höchste Alarmstufe für die Sicherheitskräfte aus, da für Freitag weitere Proteste erwartet wurden. 10'000 paramilitärische Grenzschützer wurden mobilisiert, um die Einsatzkräfte zu verstärken.

Der mittlerweile 73 Jahre alte Sayedee wird für Massentötungen, Vergewaltigungen und andere Gräueltaten während des Unabhängigkeitskriegs im Jahr 1971 verantwortlich gemacht. Das Gericht befand ihn in acht von 20 Fällen für schuldig. Sayedee wies die Anschuldigungen als politisch motiviert zurück.

Das Kriegsverbrechertribunal hatte bereits im Januar den früheren Jamaat-e-Islami-Chef Abul Kalam Azad wegen Verwicklung in diese Verbrechen in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Anfang Februar erhielt der stellvertretende Generalsekretär der Partei, Abdul Quader Mollah, eine lebenslange Haftstrafe. Dieses Urteil löste bis heute andauernde Demonstrationen mit Hunderttausenden Teilnehmern aus. Sie fordern die Todesstrafe für alle Kriegsverbrecher und ein Verbot der Jamaat-Partei. (sda)

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