400 ASA in der Roten Fabrik
Aktualisiert

400 ASA in der Roten Fabrik

Auch auf ihrer jüngsten Expedition bleibt die freie Truppe von 400 ASA sich selber und ihren Mitteln treu.

Zuletzt haben sie mit «Hob(b)yhamlet und «B» Aufsehen erregt. In letzterem geht es um die mediale Aufbereitung des tragischen Schicksals von Silvano Beltrametti. Dessen Anwälte haben weitere Aufführungen einstweilen verhindert.

Ebenso unschweizerisch direkt und schonungslos zelebriert 400 ASA in ihrer neusten Expedition das Ende der Geborgenheit in der CH-Rockmusik. Wie bei wirklichen Expeditionen üblich, ist das Erreichen eines bestimmten Zieles nicht gewährleistet.

Angekündigt ist ein sensationeller Live Act. Das ist es auch. 400 ASA tritt so überzeugend als Rockband auf, dass danach unklar bleibt, ob ihr Act nun ein Theaterstück oder doch ein Konzert war.

Eher erzwungen als gesungen kommen die ersten «Söngli» daher, Samuel Schwarz als Sänger Friedli zelebriert darin frech und neu formuliert das alte Leiden an Enge und Biederkeit, woran wie alles andere in dieser «Huereschwyz» auch die Rock Musik im allgemeinen und die «CH-Rockband» im Besonderen zu Grunde geht.

Zitiert, parodiert, provoziert

Schon bald haut aber Drummer Michael Sauter in die Pfannen, dass die Funken sprühen. Die beklagte Enge wird wenigstens auf der Bühne gesprengt. Konventionen werden parodiert, Musik wird zitiert, die Rappergruppe LDeep schickt viele Grüsse. Stellungnahmen werden provoziert.

«Was wosch? New York oder Postouto?» Da blabbert ein mit Bier gefüllter Kühlschrank genüsslich vor sich hin, sobald er geöffnet und erleuchtet wird. Aber schon gleich am Anfang geht ein Bild von Mani Matter in Flammen auf und wird in einem rauchenden Eimer von der Bühne getragen, auf der fortan nichts mehr heilig ist.

Chlöisu Friedli zu Ehren

Obschon sich viele Bezüge und Anspielungen nicht leicht zu erkennen geben, sich auch immer wieder aufheben, scheint doch einer ziemlich konkret durch die erzählte tragische Geschichte mitzuschwimmen: Die Berner Blueslegende Chlöisu Friedli.

Entsprechend ist in CH-Rock viel von der «Psychi» und vom mehr oder weniger freiwilligen Ableben die Rede. Von Nostalgie oder gar von Glorifizierung schweizerischer Musikgeschichte aber keine Spur.

Die bewährten 400-ASA-Mittel zum Zweck

Wie auf den technisch hochgerüsteten etablierten Bühnen, bedient sich 400 ASA auch hemmunglos der Technik. Ohne Elektronik kein Theater. Hier geschieht es jedoch mit viel Witz und viel Ironie. Da werden Abgänge von der Bühne mit der kleinen Handkamera bis in die Garderobe verfolgt und auf vier einfache Papierbahnen gebeamt. Das Papier wird später effektvoll aufgeschlitzt.

Plötzlich beeindrucken überdimensionale Schattenbilder, die sich gleich zu einer vieldeutigen Ruine wandeln. Rauch steigt auf wie nach einem Bombenkrieg aber es wird weitergesungen im kleinen goldenen Kleidchen (Kostüme Rudolf Jost) und gespielt von einer traurigen Band in einem traurigen Land. (sda)

Deine Meinung