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Basel-Stadt400 Personen jährlich in Psychiatrie gesteckt

In beiden Basel beschäftigen sich mehrere Stellen mit der Früherkennung von Leuten, von denen eine Gefahr für sich selber oder für Dritte ausgeht.

von
jd
Menschen, von denen eine Gefahr ausgeht, können gegen ihren Willen in eine Klinik gebracht werden.

Menschen, von denen eine Gefahr ausgeht, können gegen ihren Willen in eine Klinik gebracht werden.

Keystone/Georgios Kefalas

Wie hoch ist das Risiko, dass eine Person sich selbst und ihren Mitmenschen etwas antut? Die Frage ist seit dem Amoklauf in München und dem Selbstmordanschlag von Ansbach aktueller denn je. In den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft setzen sich Spezialisten mit dem Themengebiet auseinander. «Das gehört zu einem der wichtigsten Aspekte in der Tätigkeit als Amtsarzt», so Simon Fuchs, stellvertretender Basler Kantonsarzt und Leiter der Sozialmedizin gegenüber der «Basellandschaftlichen Zeitung». Seine Abteilung verfügt bei Fällen von Selbst- oder Fremdgefährdung eine Verlegung in eine passende Institution, etwa eine psychiatrische Klinik.

Diese Massnahme nennt sich fürsorgliche Unterbringung und dauert maximal sechs Wochen. Laut Fuchs haben die aktuellen Fälle keinen Einfluss auf seinen Alltag, wie er gegenüber der «BZ» betont. «Es gehört zur täglichen Arbeit im Bereich der ärztlich angeordneten fürsorglichen Unterbringung, dass auch Personen beurteilt und nötigenfalls gegen ihren Willen in eine Institution eingewiesen werden müssen, von denen eine potenzielle Fremdgefährdung ausgeht. Daher besteht diesbezüglich stets eine sehr hohe Aufmerksamkeit», sagt er.

Bislang 228 Personen untergebracht

In Basel-Stadt werden pro Jahr durchschnittlich 400 fürsorgliche Unterbringungen verfügt. 2016 sind es laut Fuchs 228. Rund vier Fünftel der Fälle werden aufgrund einer Selbstgefährdung untergebracht. «Mir ist kein Fall bekannt, in dem eine fürsorgerische Unterbringung wegen religiöser Radikalisierungs- oder Amokgefahr ausgesprochen wurde», sagt Fuchs.

Auch im Kanton Basel-Landschaft ist keine fürsorgliche Unterbringung mit den genannten Hintergründen bekannt. «Im Kontext von Radikalisierungsverläufen ist die fürsorgliche Unterbringung leider nur in den wenigsten Fällen ein taugliches Mittel», weiss Markus Lüchinger, Leiter der Baselbieter Stabsstelle Bedrohungsmanagement. Bei rund 17 Prozent aller Klinikeintritte handle es sich um fürsorgliche Unterbringungen.

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