400 Schweizer sitzen im Libanon fest
Aktualisiert

400 Schweizer sitzen im Libanon fest

Die Amerikaner charterten für die Evakuierung ein Kreuzfahrtschiff, die Briten schicken Kriegsschiffe, um Landsleute zu retten. Die Evakuierung der verbliebenen rund 400 Schweizerinnen und Schweizer in Libanon gestaltet sich hingegen weiterhin schwierig.

Am Dienstag schafften nur gerade 15 Schweizer die Ausreise - mit der Fähre oder auf dem Landweg. Neun Ausreisewillige seien in einem Konvoi nach Damaskus gebracht worden, teilte das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Dienstagabend mit. Der Transport war von der Schweizer Botschaft zusammen mit Österreich organisiert worden. Das EDA hat für Mittwoch weitere Evakuierungen auch auf dem Landweg geplant.

Sechs Schweizer erreichten auf einer von Frankreich gecharteten griechischen Fähre die nahegelegene Insel Zypern. Sie sollen noch am Dienstagabend in der Schweiz eintreffen. Ursprünglich hätten am Montagabend 42 Schweizer das Land per Schiff verlassen können. Doch die Fähre verliess den Hafen aus Sicherheitsgründen früher als geplant.

Israel zeigt sich wenig kooperativ, wenn es um die Evakuierung von Ausländern im Libanon geht. «Wir haben die Israelis gefragt, ob nicht eine kurze Waffenruhe möglich sei, damit Ausländer den Libanon verlassen können», sagte Australiens Aussenminister Alexander Downer. Ausserdem habe man um einen Schutzkorridor gebeten, um den Fluchtweg zu sichern. Beides habe Israel mit dem Hinweis abgelehnt, Libanon sei «Kriegsgebiet».

Neuer Anlauf

Die verbleibenden Schweizer wurden von diplomatischem Personal betreut und zum Teil in Hotels, zum Teil in der Schweizer Botschaft untergebracht, wie Jean-Philippe Jeannerat, Sprecher des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), der Nachrichtenagentur SDA sagte.

Sie sollen nun voraussichtlich am Mittwochmorgen auf dem Meeresweg evakuiert werden können. Da weitere Transport-Kapazitäten schwer zu organisieren seien, habe sich das EDA entschieden, selber ein Schiff zu reservieren, das am Freitag im Krisengebiet eintreffen könnte. Zudem soll die Schweizer Botschaft mit fünf Spezialisten verstärkt werden.

Trotzdem müssen viele Schweizerinnen und Schweizer womöglich noch Tage in der kriegsversehrten Stadt auf ihre Ausreise warten. Insgesamt möchten rund 400 Schweizer Libanon zu verlassen. Zum Teil handle es sich dabei um Touristen, zum Teil um Leute, die ständig in dem Land lebten, sagte Jeannerat.

So harrt auch der in der Schweiz wohnhafte Schweizerisch-Libanesische Doppelbürger Adel Hamdan mit seiner Familie weiterhin in Beirut aus. Ihm war versprochen worden, dass er am Mittwoch aus dem Land gebracht werde. Doch jetzt könnte sich die Abreise auf Freitag verzögern.

Hamdan wartet in einem Haus eines Freundes im schiitischen Süden der Stadt auf eine Nachrichte der Botschaft. «Die israelischen Bomben fallen ohne Unterbruch», sagte Hamdan gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Das Ganze sei ein einziger Albtraum.

Amerikaner mieten Kreuzfahrtschiff

Die USA und Grossbritannien haben sich am Dienstag darauf vorbereit, Zehntausende Landsleute aus Libanon in Sicherheit zu bringen. Die USA mieteten unter anderem ein privates Kreuzfahrtschiff mit Platz für etwa 750 Flüchtlinge und schickten es von Zypern aus in den Hafen von Beirut. Auch fünf Kriegsschiffe wurden in libanesische Gewässer entsandt.

Die britische Marine bereitet sich ihrerseits auf die womöglich grösste Evakuierungsaktion seit dem Zweiten Weltkrieg vor. In den nächsten Tagen sollen zunächst 3000 britische Staatsbürger aus Libanon nach Zypern gebracht werden, teilte das Aussenministerium in London mit.

Sechs Kriegsschiffe sind nach Angaben der BBC zur Unterstützung der Evakuierungsaktion in der Region. Es gehe um bis zu 22 000 Menschen, davon rund 12 000 Briten und etwa 10 000 mit doppelter Staatsbürgerschaft.

Internationale Zusammenarbeit

Die Schweiz arbeitet bei der Evakuierung mit anderen betroffenen Staaten zusammen. Die Evakuierungspläne sind naturgemäss stark abhängig von der Intensität der israelischen Luftangriffe.

Sorge bereitet dem EDA weiterhin das Los der rund 50 Schweizerinnen und Schweizer, die sich im Süden Libanons aufhalten. Bis am Mittwochabend will die Schweiz zusammen mit der UNO auch für diese Bürger eine Lösung finden.

Vor Kriegsausbruch lebten 838 Schweizer in Libanon, 713 von ihnen sind Doppelbürger. Mehr als 130 Schweizer wurden bereits am vergangenen Wochenende auf dem Landweg via Syrien in Sicherheit gebracht. (sda)

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