Recht auf Vergessen: 4184 Löschanträge kamen aus der Schweiz
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Recht auf Vergessen4184 Löschanträge kamen aus der Schweiz

Über 4000 Sucheinträge auf mehr als 12'000 Websites wollten Schweizer von Google löschen lassen. Unter den Antragstellern war auch ein Betrüger aus der Schweiz.

von
sts

Der Suchmaschinenkonzern Google erhält täglich eine grosse Menge an Löschanfragen. Laut eines aktuellen Transparenzberichts, gingen in den letzten vier Monaten 146'357 Gesuche bei Google ein. Total wurden so 498'737 URLs geprüft. Aus der Schweiz wurden 4184 Anfragen gestellt und es waren 12'895 URLs betroffen. In 46,2 Prozent aller Fälle löschte Google die Links aus dem eigenen Index. 53,8 Prozent aller Schweizer Löschanträge hat Google abgelehnt.

Seit dem Urteil des europäischen Gerichtshofs zum Recht auf Vergessen im Frühling 2014 ist der Konzern dazu verpflichtet, Links auf Inhalte zu entfernen, wenn sich herausstellt, «dass die Informationen in Anbetracht aller Umstände des Einzelfalls den Zwecken der in Rede stehenden Verarbeitung durch den Suchmaschinenbetreiber nicht entsprechen, dafür nicht oder nicht mehr erheblich sind oder darüber hinausgehen».

Google kritisierte die neue Regelung

Mit der Regelung soll sichergestellt werden, dass digitale Informationen mit einem Personenbezug nicht dauerhaft zur Verfügung stehen. So könnte beispielsweise eine ehemalige Stripperin, die mit Namen bei Google gefunden werden konnte, und nun einer anderen Beschäftigung nachgeht, eine Löschung der Links beantragen. Ein Antrag über ein Webformular mit einer Begründung reicht dafür aus. Google hatte das Urteil in der Vergangenheit mehrmals kritisiert.

Nach eigenen Angaben hat Google weltweit seit vergangenem Frühling knapp 42 Prozent aller Anträge stattgegeben. In 58,2 Prozent der Fälle - also bei 290'256 Links - verweigerte der Konzern die Löschung. Am häufigsten werden Verknüpfungen zu Beiträgen auf Facebook, Profile Engine, Youtube und Badoo entfernt. Um solche Entscheidungen zu treffen, wäge der Konzern die Datenschutzrechte der Einzelperson gegen das öffentliche Interesse an den Informationen ab, heisst es im Transparenzbericht.

Sexualstraftäter fordert Löschung

Als Beispiel für abgelehnte Anträge nennt Google unter anderem einen Fall aus der Schweiz: «Wir wurden von einem Finanzfachmann ersucht, mehr als zehn Links zu Seiten zu entfernen, auf denen über seine Verhaftung und Verurteilung in Bezug auf Finanzdelikte berichtet wird. Wir haben die Seiten nicht aus den Suchergebnissen entfernt.» Ein Italiener befand sich offenbar in einer ähnlichen Situation wie der Schweizer Anstragsteller. «Wir haben mehrere Gesuche von einer Einzelperson erhalten, 20 Links zu kürzlich veröffentlichten Artikeln zu entfernen, in denen über die Festnahme des Antragstellers wegen eines in Ausübung seines Berufs begangenen Finanzdelikts berichtet wird.» Die Seiten sind ebenfalls nicht aus den Suchergebnissen entfernt worden.

Aus England ging das Gesuch eines Sexualstraftäters ein. Er forderte eine Löschung von Links zu Artikeln im Internet, in denen über seine Entlassung aufgrund von während der Arbeitszeit begangenen Sexualdelikten berichtet wird. «Wir haben die Seiten nicht aus den Suchergebnissen entfernt», schreibt Google dazu.

Am meisten Anträge aus Frankreich und Deutschland

Die ersten beiden Plätze der fleissigsten Antragsteller gehen an unsere Nachbarländer. Die Franzosen haben bislang am meisten Anträge eingereicht. Insgesamt gingen aus Frankreich 28'898 Anfragen ein. Deutschland liegt mit 24'979 Anträgen auf dem zweiten Platz während sich Grossbritannien mit 18'304 Anfragen auf dem dritten Rang befindet.

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