Zelten im Winter: 42'000 Flüchtlinge frieren in der Frostfalle
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Zelten im Winter42'000 Flüchtlinge frieren in der Frostfalle

Die Temperaturen sinken und noch immer wohnen in Deutschland zehntausende Flüchtlinge in Zelten. Feste Unterkünfte für alle wird es kaum geben.

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Statt eines goldenen Herbsts gibt es Nebel, Regen und tiefe Temperaturen. Nicht gerade Campingwetter, doch in Deutschland haben rund 42'000 Flüchtlinge keine andere Wahl, als im Zelt zu hausen. In vielen Regionen fehlen feste Unterkunftsplätze. Viele Menschen werden wohl den ganzen Winter in Zelten verbringen müssen.

In Berlin-Spandau etwa schlafen derzeit 700 Flüchtlinge in nicht beheizbaren Grossraumzelten. In Hamburg sind es sogar 3000 Menschen, die in nicht winterfesten Unterkünften untergebracht sind.

«Deutschland ist so kalt», sagt ein 23-Jähriger aus Afghanistan, der seit 37 Tagen in der Zeltstadt in Berlin-Spandau wohnt. Wenn es regnet, bleiben viele Männer den ganzen Tag über im Zelt in ihre Decke eingewickelt, nachts frieren sie.

Menschenwürdig

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hofft, dass die Zelte zumindest winterfest gemacht werden können. Unter anderem müssten sie doppelwandig gemacht werden, um der Last des Schnees standzuhalten.

Die meisten Zelte seien immerhin beheizbar, erklärte ein Sprecher des Regierungspräsidiums in Kassel der «Welt».

Dass es für alle in den kommenden Wochen eine Lösung gibt, ist sehr unwahrscheinlich. «Statt sich um die winterfeste Unterbringung der Menschen zu kümmern, konzentriert sich die Bundesregierung auf die Verschärfung des Asylrechts», kritisiert die Linken-Vorsitzende Katja Kipping in Berlin gegenüber der Nachrichtenagentur DPA.

Kritik kommt auch aus Hamburg: Der dortige Flüchtlingsrat bezweifelt, dass alle Zelte ausreichend beheizt werden können und kritisiert das Konzept der Stadt. «Wir fordern die Belegung leer stehender Wohnungen und aller anderen geeigneten Gebäude mit einem Standard, der auch im Winter menschenwürdig ist», sagte Conni Gunsser vom Flüchtlingsrat Hamburg.

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