Bundes-Asylzentrum: 42 Asylbewerber verschwinden aus Nottwil
Aktualisiert

Bundes-Asylzentrum42 Asylbewerber verschwinden aus Nottwil

Kernstück der Asylreform sind die Bundes-Asylzentren. Doch aus den Gross-Unterkünften können sich Asylbewerber leicht entfernen.

von
sth
«Wir vermuten, dass Untergetauchte in der Regel alles unterlassen, womit sie auffallen könnten», sagt Max Plüss, Leiter des Luzerner Migratinsamtes.

«Wir vermuten, dass Untergetauchte in der Regel alles unterlassen, womit sie auffallen könnten», sagt Max Plüss, Leiter des Luzerner Migratinsamtes.

Im Bundes-Asylzentrum in Nottwil (LU), sind seit der Eröffnung jeden Monat über zehn Asylbewerber verschwunden. Jeder neunte Bewohner hat das Zentrum, das seit vier Monaten 150 Personen Unterkunft bietet, auf eigene Faust wieder verlassen.

«Häufig wird vor allem das Wochenende dazu benutzt, sich vom Zentrum zu entfernen.», sagt Jürg Scheidegger, Direktor des ABS Betreuungsservice, welcher auch die Bundesunterkunft in Nottwil führt. Wohin die bisher 42 Männer aus Nord- Ost- und Zentralafrika verschwunden sind, weiss er jedoch nicht.

Untergetauchte werden kaum straffällig

«Oftmals tauchen die Asylsuchenden bei Freunden oder Verwandten unter. Dies wissen wir von wieder Aufgegriffenen. Doch es ist schwierig, sie aufzufinden», sagt Max Plüss vom Luzerner Amt für Migration.

«Wir vermuten, dass Untergetauchte in der Regel alles unterlassen, womit sie auffallen könnten und deshalb auch das Risiko scheuen, Straftaten zu verüben, bei welchen sie erwischt werden könnten.» Laut Plüss geht ein Grossteil der verschwundenen Asylsuchenden ins Ausland.

Gesamtzahl der Zentrumsbewohner nur ein Faktor

Nicht erstaunlich findet der Leiter des Migrations-Büros indes, dass gerade in Nottwil so viele Asylsuchende verschwinden: «Im Bundeszentrum Nottwil werden nur junge Männer untergebracht. Diese tauchen eher unter als Familien mit Kindern». Die unterirdische Unterbringung und die strengen Kontrollen vor Ort würden das Zentrum unattraktiv machen.

Ob das «Ausbüxen» auch etwas damit zu tun haben könnte, dass Bundeszentren eine tendentiell grössere Gesamtzahl Menschen beherbergen, stellt ABS-Direktor Scheidegger jedoch in Frage: «In Nottwil ist die eher höhere Anzahl der nicht abgemeldeten Asylsuchenden auch die Folge einer teilweisen Kumulation von Sonderfaktoren. Diese können beispielsweise Herkunft, Gruppierungen, Lage des Zentrums und natürlich die Gesamtzahl sein».

Sibylle Siegwart vom Bundesamt für Migration erinnert daran, dass Asylsuchende in den Zentren nicht festgehalten werden können. Sie glaubt aber: «Eine Verkürzung der Verfahren dürfte die Problematik des «Abtauchens» entschärfen.

Die Asylreform sieht bis zu 20 Bundeszentren vor. In diesen sollen alle am Verfahren beteiligten Personen und Stellen untergebracht werden. Bisher sind neben fünf Empfangs- und Verfahrenszentren vier Bundes-Unterkünfte in Betrieb, eines davon in Nottwil. Mit den Zentren sollen Asylverfahren markant beschleunigt werden. Verteilt würden künftig nur jene Asylbewerber, bei denen zusätzliche Abklärungen nötig sind. Zur Unterbringung der Asylsuchenden sind in fünf bis sieben Regionen jeweils drei bis vier Zentren mit je rund 400 Plätzen vorgesehen. Insgesamt sollen so 6000 Plätze zur Verfügung gestellt werden. Heute stehen dem Bund in den Empfangszentren in Basel, Vallorbe (VD), Chiasso (TI), Kreuzlingen (TG) und Altstätten (SG) total rund 1400 Plätze zur Verfügung. Mehrere Kantone – darunter Bern, Thurgau und St. Gallen – haben bereits eine Bereitschaft zur Führung von Asyl-Bundeszentren signalisiert. (sth)

Deine Meinung