Aktualisiert 01.01.2010 13:23

Aus dem Bewusstsein verschwunden4497 getötete Zivilisten im Irak

Im Irak sind 2009 so wenige Zivilisten getötet worden, wie in keinem anderen Jahr seit dem Einmarsch westlicher Truppen. Trotz diesem halbwegs positiven Trend ist das Gewaltproblem im Irak noch lange nicht gelöst.

Kinder sind oft Opfer von Terroranschlägen im Irak.

Kinder sind oft Opfer von Terroranschlägen im Irak.

Demnach wurden bis zum 16. Dezember 4497 Zivilisten getötet. Das sind weniger als halb so viele wie 2008, als die Zahl 9226 betrug. Allerdings habe der Rückgang der Gewalt offenbar stagniert: In der ersten und der zweiten Jahreshälfte seien die Opferzahlen etwa gleich hoch gewesen. Das geht aus einem am Freitag veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation Iraq Body Count (IBC) hervor.

Irakische und US-Regierungsvertreter sprechen angesichts des Rückgangs der Gewalt seit dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen zwischen den irakischen Religionsgruppen von dramatischen Verbesserungen der Sicherheitslage.

Ende 2006 und Anfang 2007 hatte es in dem Golfstaat laut Zahlen des US-Militärs rund 1700 Anschläge pro Woche gegeben, im Spätsommer 2009 waren es noch 200. Der IBC-Bericht weist aber auch darauf hin, dass 2009 deutlich mehr Menschen (750) als im Jahr zuvor (534) bei grossen Anschlägen starben, bei denen es jeweils mehr als 50 Tote gab.

Insgesamt beziffert IBC die Zahl der seit Kriegsbeginn 2003 im Irak getöteten Zivilisten auf zwischen 94 939 und 103 588. Die Organisation trägt ihre Angaben aus öffentlich zugänglichen Quellen wie überprüften Medienberichten oder Statistiken von Leichenhallen zusammen.

Aufmerksamkeit schwindet

Terrorismus und Instabilität verursachten im Irak immer noch mehr Gewalt als in jedem andere Land der Welt einschliesslich Afghanistan und Pakistan, sagte IBC-Mitbegründer und -Sprecher John Sloboda. Obwohl es den Behörden nicht gelinge, die Gewalt zu stoppen, betrachteten viele westliche Politiker und Kommentatoren den Fall Irak als praktisch gelöst.

Die US-Regierung wendet ihre Aufmerksamkeit zunehmend der sich zuspitzenden Lage in Afghanistan zu. Im Irak will sie ihre Truppenzahl von derzeit 115 000 bis Ende August auf 50 000 senken. Viele Iraker befürchten allerdings eine neue Welle der Gewalt um die Wahlen am 7. März.

(sda)

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