Pietätlos: 45 Monate Freiheitsstrafe für Sextäter

Aktualisiert

Pietätlos45 Monate Freiheitsstrafe für Sextäter

Ausgerechnet im Hinterhof der Zürcher Kirche St. Felix und Regula hat ein Industrielackierer seine schwangere Ex-Freundin vergewaltigt. Mit der kruden Begründung, sie müsse ihm die Lust an Sex nehmen.

von
Atilla Szenogrady

Der heute 26-jährige Beschuldigte hinterliess vor Gericht einen denkbar schlechten Eindruck. So lümmelte er vor den Schranken wiederholt herum und fiel der Gerichtsvorsitzenden Kathrin Bretschger regelmässig ins Wort. Zudem blickte er immer wieder grinsend zu seiner hochschwangeren Ex-Freundin, die als Geschädigte am Prozess erschienen war.

«Nimm mir die Lust an Sex!»

Der Hauptvorwurf der Anklage ging auf den 28. November 2011 zurück. Damals holte der kolumbianische Angeklagte seine 19-jährige Ex-Freundin an ihrem Arbeitsplatz ab. Als die von ihm geschwängerte Zürcherin jegliches Gespräch verweigerte, riss er ihr plötzlich das Mobiltelefon aus ihrer Hand und entfernte sich in Richtung Hardplatz. Dann begab er sich zur Kirche St. Felix und Regula. Gefolgt von seiner Ex-Partnerin, die ihr entwendetes Handy zurück wollte. Kaum waren sie an der geweihten Stätte, zog er sie in den Hinterhof der Kirche und befahl ihr: «Nimm mir die Lust am Sex!» Was der Latino mit dieser kruden Bemerkung meinte, wurde schnell klar. So fiel er über sie her, brach ihren Widerstand und vergewaltigte die Geschädigte, die von ihm im vierten Monat schwanger war.

Vergewaltigung bestritten

Drei Wochen später wollte der Angeschuldigte die junge Frau in ihrer Wohnung ein zweites Mal gegen deren Willen zum Geschlechtsverkehr zwingen. Doch diesmal ohne Erfolg, da sie sich wehrte und per Telefon die Polizei einschalten konnte. Kurz darauf wurde der mehrfach vorbestrafte Industrie-Lackierer von der Polizei festgenommen und sitzt seither im Gefängnis. Vor Gericht beteuerte er seine Unschuld und führte aus, dass seine Ex-Freundin mit den sexuellen Handlungen einverstanden gewesen sei. Jedenfalls habe sie sich beim Vorfall bei der Kirche nicht zur Wehr gesetzt. Die Verteidigung verlangte deshalb einen Freispruch von den Hauptvorwürfen.

Strafe drastisch erhöht

Die Staatsanwaltschaft forderte dagegen wegen Vergewaltigung, versuchter Vergewaltigung sowie Nötigung und weiteren Nebendelikten eine unbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren. Zu wenig für das Gericht, welches dem Opfer glaubte und aufgrund eines erheblichen Verschuldens die Sanktion drastisch auf 45 Monate, also auf fast vier Jahre Freiheitsentzug erhöhte. Damit droht dem siebenfach vorbestraften Südamerikaner nach der Haftentlassung zusätzlich die Ausschaffung aus der Schweiz.

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