Aktualisiert 11.03.2014 17:39

Deal mit Unia450'000 Fr. Nachzahlung für Zara-Bauarbeiter

Die Baustelle beim ehemaligen Bally-Gebäude in Zürich ist wieder in Betrieb, nachdem Unia und Zara sich geeinigt haben. Unter anderem wurde ein Sperrkonto für Nachzahlungen eingerichtet.

von
wed
«Die Fälle am HB Zürich und bei Zara sind keine Einzelfälle, sondern Musterbeispiele über die heutigen Arbeitsbedingungen», sagt Roman Burger, Geschäftsleiter der Zürcher Unia.

«Die Fälle am HB Zürich und bei Zara sind keine Einzelfälle, sondern Musterbeispiele über die heutigen Arbeitsbedingungen», sagt Roman Burger, Geschäftsleiter der Zürcher Unia.

Rund 100 Bauarbeiter, mehrheitlich aus Spanien, arbeiten seit September 2013 an dem künftigen Zara Flagshipstore an der Bahnhofstrasse, teilweise zu Monatslöhnen zwischen 900 und 2000 Euro - der Mindestlohn in der Schweiz liegt bei rund 4800 Franken. Während der letzten zwei Wochen wurde die Baustelle aber von der Gewerkschaft Unia dichtgemacht. «Die Arbeitsbedingungen waren weit weniger edel als die umliegende Einkaufsstrasse», so Christa Suter von der Zürcher Unia heute Dienstag vor den Medien. Eine 60-Stunden-Woche sei keine Aussnahme gewesen bei den Arbeitern.

Schriftliche Einigung mit Zara

In der Nacht auf Dienstag habe man sich schliesslich mit der Zara-Schwesterfirma Goa Invest geeinigt. Diese habe zwar jegliche Verantwortung übernommen, sei jedoch nicht über das Vorgehen der Subunternehmen informiert gewesen. «Es wurde ein Sperrkonto mit 450'000 Franken eingerichtet für die Lohnnachzahlungen - in einzelnen Fällen müssen bis zu 3000 Franken vergütet werden», so Suter. Zudem seien klare Kontrollmassnahmen bis zum Abschluss der Baustelle beschlossen worden und Zara spende 150'000 Franken an ein Hilfswerk.

«Ab heute Dienstag wurden die Arbeiten am ehemaligen Bally-Haus wieder aufgenommen», sagt Suter. Zara habe auch seine Konsequenzen daraus gezogen und werde in Zukunft nicht mehr mit dem verantwortlichen Bauunternehmen aus Spanien zusammenarbeiten.

Lancierung einer Initiative gegen Lohndumping

Auch die Unia Zürich zieht ihre Konsequenzen aus dem Fall und will eine kantonale Initiative gegen Lohndumping lancieren. «Die Fälle am HB Zürich und bei Zara sind keine Einzelfälle, sondern Musterbeispiele über die heutigen Arbeitsbedingungen», so Geschäftsleiter Roman Burger. Praktisch auf jeder Grossbaustelle käme es zu Verstössen und es weite sich auch auf immer mehr Branchen aus. «Alle setzen darauf, dass man nicht erwischt wird», so Burger. Oder sonst müsse man halt eine Busse bezahlen.

«Das Ja zu der Masseneinwanderungsinitiative hat uns leider gezeigt, dass das Vertrauen in die flankierenden Massnahmen nicht allzu gross ist», sagt Burger. Die Versprechen von Bundesrat Johann Schneider-Ammann, «Ordnung in den Stall» zu bringen, seien ebenfalls nicht eingehalten worden. «Offenbar hat er seine Mistgabel noch nicht gefunden», so Burger.

Die Initiative würde dem Kanton unter anderem die Möglichkeit geben, bei Verdacht auf Lohndumping die Einstellung der Arbeit anzuordnen. Der definitive Text zur Initiative werde momentan ausgearbeitet.

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