17.06.2019 15:47

Hirnkrankheit

47 Kinder sterben nach dem Verzehr von Litschis

In Indien sind innerhalb weniger Tage mehrere Dutzend Kinder an einer Hirnkrankheit gestorben. Schuld sind auch hier erhältliche Vitamin-C-Bomben.

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Litschis sind lecker und gesund. So denkt man zumindest hierzulande.

Litschis sind lecker und gesund. So denkt man zumindest hierzulande.

iStock/Angi71
Anders sieht das in der Gegend um die nordindische Stadt Muzaffarpur aus.

Anders sieht das in der Gegend um die nordindische Stadt Muzaffarpur aus.

Screenshot Google Maps
Dort sind die Früchte des Litschibaums nämlich schuld am Tod Hunderter eigentlich gesunder Kinder.

Dort sind die Früchte des Litschibaums nämlich schuld am Tod Hunderter eigentlich gesunder Kinder.

AFP/Strdel

Plötzliche Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit und ein akutes Anschwellen des Gehirns: Das sind die Symptome, mit denen viele Kinder im Norden Indiens seit rund 20 Jahren immer wieder zu kämpfen haben.

Auch in diesem Jahr gab es wieder zahlreiche Fälle: Seit Anfang Juni erkrankten mehr als 179 Kinder unter zehn Jahren in der Stadt Muzaffarpur an der sogenannten Enzephalitis. Mindestens 47 davon starben allein in den vergangenen drei Wochen. Das berichtet Stern.de unter Berufung auf CNN.

Toxische Unterzuckerung

Zwar ist die Ursache für das aktuelle, mysteriöse Sterben noch nicht geklärt. Aber Experten vermuten, dass zwischen den früheren und den aktuellen Fällen eine Verbindung besteht: die Litschi-Frucht (Litchi chinensis), die sämtliche Betroffene vor ihrem Erkranken verzehrt haben.

Wie die US-Gesundheitsbehörde CDC 2015 festhielt, sind allerdings nicht die Früchte selbst problematisch, sondern die in der Region vorherrschenden Ernährungsgewohnheiten. So stammen die meisten Opfer aus ärmlichen Verhältnissen, in denen regelmässige Mahlzeiten nicht auf der Tagesordnung stehen.

Die Krux: Werden zu viele Früchte vom Litschibaum gegessen und dann noch auf nüchternen Magen, können sie eine toxische Unterzuckerung auslösen (siehe Box). Besonders schlimm traf es daher vor allem jene Kinder, die kein Abendessen zu sich genommen hatten.

Vorsicht vor Verzehr

Als bekannt wurde, dass der Konsum von Litschis derartige Folgen haben kann, empfahlen Forscher im Fachjournal «The Lancet» den Eltern in der Region, ihren Kindern fortan ein Abendessen zu servieren. Zudem sollten sie darauf achten, dass der Nachwuchs seinen Litschi-Konsum reduziert.

Einen ähnlichen Rat geben Forscher auch den Menschen in Jamaika. Allerdings bezieht sich dieser auf den Verzehr der Akee (Blighia sapida), da dieser zur Erntezeit ebenfalls oft mit Enzephalitis einhergeht.

Wie die Litschi zählt auch die Akee zur Familie der Seifenbaumgewächse. (Bild: iStock)

So kommt es zum tödlichen Blutzuckerabfall

Litschis enthalten wie die Früchte anderer Seifenbaumgewächse auch Toxine, die im menschlichen Körper die Bildung von Traubenzucker (Glucose) verhindern und so einen Abfall des Blutzuckers bewirken. Das kann im schlimmsten Fall tödlich enden. (Bild: Wikimedia Commons/B.navez/CC BY-SA 3.0)

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