Aktualisiert 25.05.2020 05:27

Fertig mit Vorurteilen

5 Fragen rund um Elektromobilität

Elektroautos und E-Bikes sorgen nach wie vor für hitzige Diskussionen. Hier werden fünf zentrale Aspekte der Elektromobilität unter die Lupe genommen.

von
Stephanie Sigrist

Unverdienter Hype, umweltschädliche Produktion, geringe Reichweite, zu wenige Ladestationen und faule E-Bike-Fahrer: Um Elektrofahrzeuge ranken sich zahlreiche Vorurteile. Unten werden Studienresultate zusammengefasst und fünf Fragen zum Thema Elektromobilität beantwortet.

Ende 2019 waren in der Schweiz 28’716 reine Elektroautos immatrikuliert.

Ende 2019 waren in der Schweiz 28’716 reine Elektroautos immatrikuliert.

LAB

Sind Elektrofahrzeuge ein kurzlebiger Trend?

Kritiker monieren oft, dass sich Elektroautos nicht durchsetzen werden. Die Anzahl Elektrofahrzeuge auf Schweizer Strassen nimmt allerdings kontinuierlich zu. 2019 waren in der Schweiz gemäss Bundesamt für Statistik 28’716 reine Elektroautos immatrikuliert. Im Kanton Zug ist die Ein-Prozent-Marke überschritten, der Anteil Elektroautos unter allen eingelösten Personenfahrzeugen betrug Ende letzten Jahres 1,4 Prozent. Im Kanton Zürich lag die Elektroauto-Quote 2019 bei 0,9 Prozent, und die Ein-Prozent-Marke dürfte dieses Jahr geknackt werden. In Europa hat Norwegen den mit Abstand höchsten Marktanteil bei Elektroautos, da Elektrofahrzeuge im skandinavischen Land durch Vergünstigungen und Quersubventionierungen massiv gefördert werden.

Wie sieht es mit der Umweltbilanz von Elektroautos aus?

Elektroautos verursachen während der Fahrt keine CO2-Emissionen, der Energiebedarf bei der Herstellung ist jedoch höher. In Autos stecken grosse Mengen an grauer Energie. Dabei handelt es sich um die Energie, die für den Bau, den Transport und den Verkauf des Fahrzeugs benötigt wird. Bei Elektroautos inklusive der Batterie ist die Produktion in den meisten Fällen aufwendiger als bei einem Auto mit Verbrennungsmotor. Dem ist unter anderem so, weil Hersteller eher auf leichtes Aluminium setzen. Bei Autos mit Verbrennungsmotor kommt meist Stahl zum Einsatz. Die Produktion von Aluminium belastet die Umwelt mehr als jene von Stahl. Zudem werden Elektrofahrzeuge heute häufig mit Lithium-Ionen-Batterien ausgestattet. Beim Abbau der für die Batterie verwendeten Rohstoffe werden teilweise giftige Stoffe ein- und freigesetzt, was sich negativ auf die Ökobilanz der Batterien auswirkt.

Die Verbrennungsmotoren von Autos sind aber höchst ineffizient, so liegt der mittlere Wirkungsgrad aktuell zwischen 20 und 25 Prozent. Bei Elektromotoren beträgt der Wirkungsgrad dagegen 90 Prozent und mehr. Ein Elektroauto benötigt deswegen deutlich weniger Energie, um die gleiche Distanz wie ein Auto mit Diesel- oder Benzinmotor zurückzulegen. Das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg hat geprüft, ab welchem Kilometerstand das E-Auto insgesamt weniger CO2 verursacht hat als ein Verbrenner. Ein Elektrofahrzeug überholt demnach den Benziner nach gut 60’000 Kilometern, beim Dieselfahrzeug sind es 80’000 Kilometer. Für die von der Denkfabrik Agora Verkehrswende in Auftrag gegebene Studie wurden die Emissionswerte für Deutschland berücksichtigt. In der Schweiz dürften E-Autos deutlich besser abschneiden, denn der Schweizer Strommix ist wesentlich sauberer.

Ist die Reichweite von Elektroautos genügend gross für den Alltag?

Wie viele Kilometer sich im Elektroauto mit einer Akkuladung zurücklegen lassen, ist sehr unterschiedlich. Tesla-Modelle der Serie S beispielsweise haben eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern, doch auch mit günstigeren Modellen von Volvo, Kia oder Hyundai lassen sich mit einer Akkuladung Entfernungen zwischen 350 und 400 Kilometern erreichen. Damit liesse sich die Schweiz an ihrem breitesten Punkt durchqueren, ohne dass bei einer Ladestation gestoppt werden muss. Für den Alltag in der Schweiz ist also auch die Reichweite von günstigeren Elektroautos genügend gross, einzig Ferienfahrten bedürfen einer sorgfältigeren Planung als die Anfahrt mit einem Verbrenner. Dieser Nachteil wird durch ein immer dichteres und leichter zugängliches Stromtankstellennetz laufend verringert.

Bei den an dieser Stelle genannten Entfernungen handelt es sich um Herstellerangaben, die unter Laborbedingungen erreicht wurden. Der Touring-Club Schweiz (TCS) testete die Reichweite von Elektroautos unter realen Bedingungen. Zu diesem Zweck wurde die Beladung der Fahrzeuge einer Ferienfahrt nachempfunden. Zusätzlich zum Fahrer wurden sie mit der Masse eines Beifahrers mit einem Gewicht von 75 Kilogramm, zwei Kindern, die jeweils rund 30 Kilogramm wiegen, und 20 Kilogramm Gepäck beladen. Zudem wurde die Klima- und Heizungsregulierung auf die Komforttemperatur von 22 Grad Celsius eingestellt. Das TCS-Fazit: «Mit heutigen Elektrofahrzeugen können mittlerweile auch unter anspruchsvollen Bedingungen akzeptable Reichweiten erreicht werden. Dies hat jedoch seinen Preis. So sind die getesteten Fahrzeuge in der Anschaffung immer noch teurer als vergleichbare Autos ihrer Klasse, was aber über ihre Lebensdauer durch tiefere Unterhalts- und Betriebskosten kompensiert wird.»

Wie viele Ladestationen gibt es in der Schweiz?

Nicht nur die Reichweite von Elektroautos, sondern auch die Lade-Infrastruktur für E-Fahrzeuge verbessert sich stetig. Gemäss dem Statistikportal Statista gab es 2019 über 6000 Stromtankstellen in der Schweiz – das sind über viermal mehr als noch 2014.

Sind E-Bikes nur für Faule?

Elektrovelos ersetzen vielfach nicht das normale Velo, sondern das Auto oder öffentliche Verkehrsmittel. Dank dem E-Bike steigen laut Pro Velo, dem Dachverband der lokalen und regionalen Verbände für Velofahrer in der Schweiz, neue Benutzergruppen wieder auf das Fahrrad. Dazu gehören unter anderem Senioren, Pendler mit längeren Distanzen und grossen Höhendifferenzen zum Arbeitsort oder Familien mit Veloanhängern.

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40 Kommentare
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Fredi

23.06.2020, 16:40

Werden in die Berechnung auch die Umweltschäden in Südamerika (Lithiumgewinnung) und die verkürzte Lebenserwartung durch die Kinderarbeit (Kobaltgewinnung) in Afrika einbezogen?

SchönRechner

20.06.2020, 14:50

Komisch nur das die letzten Studien verschiedener Länder sagen, das ein e-Auto erst nach 150.000km bis zu 210.000km einen Verbrenner überholt. Und welch wunder: Genau in dieser Spanne läuft die Garantie des Akkus ab. Zufall? Eher nicht. D.h. die Ersatzkosten und Rücklagenbildung für den Akku muss mit eingerechnet werden. Und Geld verdienen erzeugt auch CO2. Rechnet das alles mit ein, kommt man eben auf die 150k km.

Da sind sie wieder,

14.06.2020, 16:36

die Schulkinder und Gretlianhänger die man sonst für nichts anderes brauchen kann, halt einfach nur stämpfelnde Mitläufer mit dem Schnuller im Mund. In Wirklichkeit erreichen sie damit ja genau das Gegenteil von dem was sie sich eigentlich erhoffen, aber das können sie gar nicht wissen bei so wenig Grips. Die Leserschaft hat hiermit wenigstens immer was zum lachen!