Airconsole: 5 Millionen Gamer nutzen Schweizer Spielkonsole
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Airconsole5 Millionen Gamer nutzen Schweizer Spielkonsole

Aus 6 Games wurden 120: Die Schweizer Multiplayer-Plattform Airconsole wächst rasant – und hat aus Spass einen Gametruck gebaut.

von
Jan Graber

Verspielt: Der Airconsole-Game-Truck. (Video: Airconsole)

Das Jahr: 2015. Ein kleines Team um Gründer und Geschäftsführer Andrin von Rechenberg lanciert Airconsole – eine Multiplayer-Plattform, die es Spielern erlaubt, mit ihren Smartphones auf jedem webfähigen Bildschirm gegeneinander anzutreten. Die Idee ist so simpel wie genial: Spieler starten auf dem Bildschirm (egal ob Computer, webfähiger Fernseher oder Tablet) ein Airconsole-Game, verknüpfen mittels eines Codes ihr Smartphone mit dem Spiel und schon können sie gegeneinander zocken – egal, in welchem Netz sich das jeweilige Gerät befindet. Das Smartphone dient als Controller.

Als das sechsköpfige Team die Technologie 2015 lanciert, gehen sie mit nur sechs Games an den Start. Dem Erfolg tut dies keinen Abbruch: Die Game-Bibliothek wächst innerhalb von nur drei Jahren auf über 120 Spiele. «Wir begannen mit einem Aufruf an Entwickler, Games einzuschicken. Die besten Spiele erhielten ein Preisgeld von 10'000 Dollar», sagt von Rechenberg. Hundert Games trafen ein, nur ein Teil jedoch fand Eingang in den Katalog. «Aber wir lernten viele Entwickler kennen», sagt er.

Eine Million investiert

Von da an investierten sie weiter: «Wir begannen, Games für einen Pauschalpreis von 20'000 Dollar in Auftrag zu geben», sagt er. Um den Katalog zu vertiefen, wurde 2017 ein zweiter Wettbewerb lanciert, diesmal mit Preisgeldern von 25'000 Dollar. Da von Rechenberg wusste, wie man Airconsole Start-up-Investoren schmackhaft macht, konnte er genug finanzielle Mittel auftreiben. Insgesamt rund eine Million Franken hätten sie bisher in Spielinhalte investiert, sagt von Rechenberg. Etwa 2500 Entwickler hätten mittlerweile Airconsole ausprobiert. Zwar entwickelt das Team auch eigene Games, aber nur rund drei pro Jahr. Beim grössten Teil der 120 Spiele handelt es sich zudem um Spiele, die nur über die Airconsole laufen.

Nicht alles funktionierte von Beginn weg: «Zu komplexe Spiele und solche, die auf dem Handy einen Gamepad simulieren wollen, scheitern meistens», sagt der CEO. Familien- und Partyspiele, Autorennen, Fussballgames, Golf und Beat'em ups kämen hingegen gut an. Zu den erfolgreichsten Games gehört eine Schweizer Produktion: «Tower of Babel» von DNA Studios – ein Game, das visuell einfach aussieht und sehr viel Spass macht. Das Game hat über eine Million Spieler. «Fancy aussehen muss ein Game nicht, ein einfaches Spielprinzip ist wichtiger», sagt von Rechenberg. Das für ihn überraschendste Game sei «Ridiculous Climbing» gewesen: ein Spiel, das visuell alles andere als ansprechend ist, aber unendlich packt. «Wir bieten gewissermassen das moderne Brettspiel», sagt er.

Das fahrende Marketingtool

Insgesamt hätten mittlerweile über fünf Millionen Gamer über die Airconsole gespielt, verrät von Rechenberg. Geld verdienen wollen sie vorerst mit Abo-Gebühren: Nur mit einem Abo können mehr als zwei Spieler gegeneinander antreten. Zudem winken Extra-Level und weitere exklusive Spiele.

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Die wichtigste Zielgruppe seien die Casual Gamer, die nicht lange üben wollen und den schnellen Spass suchen, sagt von Rechenberg. Dies führte auch zu einer Idee, die er einerseits als Jux, andererseits als Marketingtool versteht: ein Gametruck. Zusammen mit einem Kollegen stattete er einen dreirädrigen Piaggo APE mit einer Hebebühne und grossen Bildschirmen aus. Wenn das Gefährt ratternd an Messen und Events vorfährt und sich die Bildschirme effektvoll gegen den Himmel heben, sind die Hingucker garantiert. Und die Spieler meistens daraufhin ebenso.

Andrin von Rechenberg

Andrin von Rechenberg ist Gründer, Geschäftsführer und Techniker von N-Dream, der Firma, die hinter der Airconsole steht. Von Rechenberg studierte an der ETH, arbeitete fünf Jahre bei Google und gründete danach als erstes Start-up eine Dating-Plattform. Mit dem Erlös des Verkaufs finanziert er seine eigene Arbeit für das zweite Start-up-Projekt Airconsole.

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