Aktualisiert 30.01.2020 12:08

Halbfinal gegen Djokovic5 Gründe für Federers Finaleinzug

Am Australian Open trifft heute Roger Federer auf Novak Djokovic. Dabei ist der Schweizer klarer Aussenseiter, was dennoch für ihn spricht.

von
René Stauffer
Melbourne

Roger Federer wurde im Spiel gegen Tennys Sandgren von der Unparteiischen verwarnt. (Video: Tennis Australia via AP)

«Ich glaube an Wunder», sagt Roger Federer, der als 38-Jähriger heute versuchen wird, Novak Djokovic am Finaleinzug in Melbourne zu hindern (wir berichten live ab 9.30 Uhr). Er ist zwar von der Statistik her klarer Aussenseiter. Aber Tennis ist ein Einzelsport, Mann gegen Mann, da kommt der Tagesform eine grosse Rolle zu, und manchmal spielt auch der Faktor Glück mit. Es gibt aber auch ganz reelle Gründe dafür, dass Federer in diesem 50. Duell mit dem Titelverteidiger den 24. Sieg holen kann - auch wenn es der erste gegen den Serben an einem Grand-Slam-Turnier seit 2012 wäre.

1. Das Publikum: Djokovic hat zwar in Melbourne sehr viele serbische Fans, er bezeichnet das Australian Open als sein Lieblingsturnier und die Rod-Laver-Arena als Lieblingsplatz, aber er wird dennoch rasch feststellen müssen, dass ihm Federer auch hier in der Gunst des Publikums klar überlegen ist – und das nervt ihn mehr, als er inzwischen zugibt.

2. Die Favoritenrolle: Noch nie ging Federer als so klarer Aussenseiter gegen Djokovic in eine Grand-Slam-Partie, war der Serbe so favorisiert und er der unbelastete Herausforderer wie jetzt – eine Situation, die den Druck von Federer nimmt, der an diesem Turnier schon zweimal praktisch ausgeschieden war, gegen John Millman und Tennys Sandgren, aber mirakulös zurückkam, obwohl er gegen den Amerikaner Adduktorenprobleme bekam, die ihn sichtlich behinderten.

3. Die mentale Frische: Djokovic ist zwar besser in die Saison gestartet, er hat aber auch beim ATP-Cup schon grosse Anstrengungen zeigen müssen Anfang Monat und dabei viele mentale Energien verbraucht, ganz im Gegensatz zu Federer, der ohne Matchpraxis anreiste, sich hier aber mit seinen bisher fünf Siegen die nötige Matchhärte, die Automatismen und das Selbstvertrauen holen konnte, dabei aber die Spiellaune, die mentale Frische und den Ehrgeiz behalten konnte.

4. Das Wetter: An diesem heissen Donnerstag soll es in Melbourne bei Spielbeginn um 19.30 Uhr Lokalzeit immer noch 33 Grad warm sein, und die Temperaturen sollten selbst um Mitternacht noch bei 25 Grad liegen – was bedeutet, dass die Spielbedingungen für einen Abend relativ schnell sind und Federers Aufschläge sowie sein Offensivspiel dadurch mehr Durchschlagskraft erhalten werden, was er gegen das defensive Bollwerk des Serben brauchen kann.

5. Wimbledon 2019: Dass Federer das Endspiel in Wimbledon 2019 verlor, obwohl er gegen Djokovic der bessere Spieler war und zu zwei Matchbällen bei eigenem Aufschlag kam, dürfte an ihm mehr nagen, als er zugibt, weshalb er auf Revanche aus ist, jede Chance mit grimmiger Entschlossenheit angehen und bis zuletzt daran glauben wird, weil er ja schon 2017 hier ein Wunder geschrieben hat, als er das Comebackturnier nach sechsmonatiger Pause auf mirakulöse Art gewann und dabei im 5. Satz des Finals gegen Nadal sogar ein 1:3 aufholte.

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