Kosovo: 5 Schüsse töten wichtigen serbischen Politiker

Aktualisiert

Kosovo5 Schüsse töten wichtigen serbischen Politiker

Ein Mordanschlag erschüttert den Kosovo: Unbekannte erschossen Oliver Ivanovic aus einem fahrenden Auto. Der Mord droht die Spannungen in der Region zu erhöhen.

Die Kugeln wurden offenbar von einem Auto aus auf ihn abgefeuert: Oliver Ivanovic.

Die Kugeln wurden offenbar von einem Auto aus auf ihn abgefeuert: Oliver Ivanovic.

Keystone

Fünf Kugeln aus einem fahrenden Auto trafen den als moderat geltenden Politiker am Morgen bei seinem Eintreffen vor der Parteizentrale in der nördlichen Stadt Mitrovica.

Das Attentat auf den Politiker fand am gleichen Tag statt, an dem Belgrad und Pristina nach mehr als einem Jahr Stillstand wieder Gespräche über die Normalisierung ihrer Beziehungen aufnahmen. Belgrad setzte die Gespräche als Reaktion auf die Ermordung Ivanovics aus.

Auto ausgebrannt aufgefunden

«Ich bin darüber informiert worden, dass er an Ort und Stelle erschossen wurde und Bemühungen, ihn im Spital von Mitrovica wiederzubeleben, erfolglos geblieben sind», sagte Ivanovics Anwalt, Nebojsa Vlajic.

Das Auto, offenbar ein Opel Astra, in dem der oder die Täter die Flucht ergriffen, wurden später ausgebrannt von der Polizei gefunden, berichten serbische Medien. Staatsanwalt Shyqri Syla sagte, es sei unklar, wer hinter dem Mord stecke. Ermittler seien vor Ort.

Mord droht Spannungen zu erhöhen

Die Stadt Mitrovica hat 85'000 Einwohner. Mit 72'000 Einwohnern stellen die ethnischen Albaner die Mehrheit, der serbischen Minderheit gehören 13'000 Bewohner der Stadt an. Der Mord droht nun die ethnischen Spannungen in der Region erneut zu verschärfen.

Ivanovic war ein früherer serbischer Staatssekretär und hochrangiger Vertreter der serbischen Minderheit im Norden der ehemaligen serbischen Provinz Kosovo. Er galt als moderat und war «einer der wenigen Politiker, die auch Albanisch sprachen und gute Beziehungen zur albanischen Mehrheit im Land unterhielt», so ARD.de. Ausserdem kritisierte er die Politik Belgrads im Kosovo öffentlich.

Brandsatz unter dem Dienstauto

Morddrohungen gehörten zu Ivanovics Leben. Kürzlich wurde sein Auto in Brand gesteckt, vor einigen Jahren war ein Sprengsatz unter seinem Dienstauto angebracht worden.

Nach dem Krieg war Ivanovic ein wichtiger Vermittler in den Gesprächen mit der Nato, der UNO und der EU. Er trat für einen Ausgleich zwischen der serbischen Minderheit und der albanischen Bevölkerungsmehrheit ein.

Bestrafung, «ob Albaner, Serben oder andere Kriminelle»

2015 war Ivanovic von einem Gericht im Kosovo zu einer neunjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Er wurde für schuldig befunden, serbische Paramilitärs im Jahr 1999 zur Tötung von albanischen Kosovaren angestiftet zu haben. Im Februar 2017 kippte ein Berufungsgericht in Pristina das Urteil. Ein neuer Prozess lief bis zum Attentat.

Der für den Kosovo zuständige serbische Regierungsvertreter, Marko Djuric, bezeichnete den Mord als «kriminelle, terroristische Tat gegen das gesamte serbische Volk». Wer auch immer dafür verantwortlich sei, «ob Albaner, Serben oder andere Kriminelle», müsse bestraft und zur Rechenschaft gezogen werden, sagte Djuric in Brüssel, wo er die Delegation für die Gespräche mit den Kosovo-Albanern leitete.

Der serbische Präsident Aleksandar Vucic berief eine Dringlichkeitssitzung des Nationalen Sicherheitsrates ein.

Brüssel ruft alle Seiten zu Zurückhaltung auf

Die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini verurteilte den Mord in Telefonaten mit Vucic und dem Präsidenten des Kosovo, Hashim Thaci. Die Täter müssten gefunden und bestraft werden, forderte Mogherini. Sie rief alle Seiten zu Zurückhaltung auf.

Unter dem Druck der internationalen Gemeinschaft und der Schirmherrschaft der EU versuchen der Kosovo und Serbien seit 20 Jahren, ihre Beziehungen zu normalisieren. Rund 120'000 der 1,8 Millionen Einwohner des Kosovo sind ethnische Serben.

(afp)

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