Aktualisiert 30.06.2011 11:50

Zufrieden im Zug50 Minuten – die Schmerzgrenze für Pendler

Laut einer Studie machen Pendler-Wege bis zu 50 Minuten nicht unglücklich. Und: Gratiszeitungen steigern das Wohlbefinden der Pendler.

von
Balz Bruppacher

«Die Mehrzahl der Pendler pendelt freiwillig», sagt Christian Fichter, Forschungsleiter der Zürcher Kalaidos-Fachhochschule für Wirtschaft. Sein Team hat für die Sendung «Einstein» des Schweizer Fernsehens 1600 Personen zu 121 Einflussfaktoren rund um das Pendeln befragt. Die Resultate, die 20 Minuten exklusiv vorliegen, widerlegen Behauptungen früherer Untersuchungen. So sehen sich die meisten Pendler nicht als Opfer, die zu langen Arbeitswegen gezwungen sind und darunter leiden. Auch wenn das Pendeln unangenehme Seiten wie überfüllte Züge hat, sagten lediglich 13 Prozent der Befragten, sie seien überhaupt nicht zufrieden. Für das Glück sind laut dem Wirtschaftspsychologen Fichter andere Faktoren ausschlaggebend. Vor allem der Job, die Wohnsituation, das Sozial- und Familienleben und die Gesund-heit.

Pendler verhalten sich im Strom der Passagiere auch nicht wie willenlose Herdentiere, sondern sie suchen laut der Studie nach Strategien, um das Pendeln angenehmer zu gestalten und Stress zu lindern. So lesen Pendler überdurchschnittlich viel Zeitung. 38 Prozent der Befragten sagten, durch Gratiszeitungen sei das Pendeln wesentlich angenehmer geworden. Entsprechend viele sind enttäuscht, wenn sie für die Fahrt kein 20 Minuten finden.

Die meisten Pendler sehen ihr Pendlerdasein realistisch: «Es ist wie mit dem Zahnarzt: Keiner geht gerne hin, aber die meisten tun es trotzdem – denn der Nutzen überwiegt», sagt Fichter. Die Schmerzgrenze für das Pendeln liegt laut Studie bei 50 Minuten. Bei längeren Fahrten nimmt die Unzufriedenheit rasch zu.

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