Super-League-Szenarien: 50 Mio für Embolo und ein gefeuerter YB-Server
Aktualisiert

Super-League-Szenarien50 Mio für Embolo und ein gefeuerter YB-Server

Heute rollt der Ball wieder in der Super League. Nachfolgend zwei Rückrunden-Szenarien für jeden Club – nicht nur ernst gemeinte.

von
K. Müller/S. Compagno

FC Basel

Breel Embolo entwickelt sich vom grossen Talent zum Wunderstürmer. Er fängt Teamkollege Marc Janko, der mit acht Treffern Vorsprung in die zweite Meisterschaftshälfte gestartet ist, ab und wird Torschützenkönig der Super League. Eine starke EM treibt seinen Marktwert weiter in die Höhe. Aus England vermeldet ein prominenter Trainer, der es gewohnt ist, mit Spielern wie Messi, Iniesta, Müller oder Lewandowski zu arbeiten: «Breel or nothing!» Der FCB erhält von Manchester City 50 Millionen Franken. Für einen 19-Jährigen!

Im Glauben, die Meisterschaft ganz nebenbei zum siebten Mal in Serie gewinnen zu können, konzentriert sich der FCB voll auf die Europa League und den möglichen «Final dihei» – und lässt Verfolger GC immer näherkommen. Als die Grasshoppers den FCB am 30. Spieltag – just vor dem Halbfinal-Hinspiel gegen Napoli – als Leader ablösen, zieht Georg Heitz die Notbremse. Urs Fischer muss gehen. «Sein hässlicher Dialekt war mir ohnehin schon lange ein Dorn im Auge», sagt der Sportdirektor mit einem unbaslerischen Anflug von Unprofessionalität. Alex Frei, Club-Ikone und bisher im Nachwuchs beschäftigt, kommt zum Handkuss. Als Interimscoach scheitert er an Napoli, fängt in der Meisterschaft aber GC noch ab. Immerhin. Glücklich ist in Basel darüber kaum jemand.

Grasshoppers

Philippe Senderos wird zum grössten Langweiler der Liga. Der neue Abwehrchef ist nicht damit einverstanden, dass seine Mannschaft ein Spektakelgarant an beiden Enden des Spielfelds bleibt. Unter seiner Regie reduziert der Rekordmeister die Anzahl Gegentore drastisch, vorne wirbeln Dabbur und Caio wie gewohnt. Der Lohn: Platz 2, knapp hinter Basel.

Senderos verletzt sich im ersten Spiel bei YB – Saisonende. Weil der Routinier gemäss CEO Manuel Huber allein durch seine Präsenz und Aura die ganze Mannschaft inspirieren kann, bleibt man in Niederhasli zuversichtlich. Zu Unrecht. Die Defensive spielt weiterhin auf gehobenem Challenge-League-Niveau, mit Ach und Krach reichts am Ende für die Europa League.

Young Boys

Der Spielplan will es, dass YB in der vorletzten Runde Basel empfängt. Der Serienmeister gewinnt die kapitale Partie 2:0, setzt dabei aber einen nicht qualifizierten Spieler ein. Die Berner lachen sich ins Fäustchen, sehen ihre Chance auf den Umsturz. Sportchef Fredy Bickel verfasst ein Mail, um den Verband auf das Basler Missgeschick hinzuweisen, verschickt es aber zu spät, wodurch der Protest nichtig ist. Doppelt bitter: YB wäre mit einem Forfait-Sieg erstmals nach 30 Jahren Meister geworden. Zweiter ist ja auch gut, finden die Besitzer Andy und Hans-Ueli Rihs. Eine Diskussion um die Personalie Bickel? Völlig überflüssig – dafür wird der Server fristlos entlassen.

YB kommt gar nie in die Nähe des FC Basel und wird zum Schluss von Kantonsrivale Thun von den Europa-League-Plätzen verdrängt. Weil sich der SCB noch dilettantischer anstellt, wird der Fussball-Club vom Berner Volk trotzdem als einigermassen erfolgreich wahrgenommen.

FC Luzern

Alles richtig gemacht, Herr Babbel! Die Zentralschweizer marschieren bis auf Platz 2, weil Neumayr, Frey und Christian Schneuwly – die Wiedervereinigung mit Bruder Marco wirkt Wunder – die Offensive beleben. Babbel erhält einen Vertrag bis 2018. Was aber das untrüglichste Zeichen für erfolgreiches Schaffen ist: Ex-Präsident Walter Stierli und Investor Bernhard Alpstaeg geben in der zweiten Saisonhälfte kein einziges Interview.

Die «Bild» enthüllt: «Gladbach krallt sich Babbel» – zwar erst für die Saison 2016/17, doch der FCL muss sich vom Gedanken, langfristig mit dem Bayern zu arbeiten, verabschieden. In der Zentralschweiz ist man zutiefst enttäuscht. Nicht so in Thailand, wo sich ein Österreicher mit leichtem Sonnenbrand vor anderen Touristen als Prophet aufspielt. «Ich habs immer gesagt!», posaunt der Mann, in dessen Worten eine gehörige Portion Genugtuung mitschwingt.

FC St. Gallen

Das Beispiel Gianluca Gaudino macht Schule. Die Bayern-Leihgabe schlägt dermassen ein in der Ostschweiz, dass der ergatterte Europa-League-Platz zur Randnotiz verkommt. Sportchef Christian Stübi wird überschwemmt mit Anfragen aus Deutschland und kann sich die Mannschaft für 2016/17 nach seinem Gusto zusammenstellen. Talente wie Sinan Kurt, Joshua Kimmich, Julian Brandt und Mahmoud Dahoud laufen fortan für die Ostschweizer auf und drücken den Altersschnitt der Mannschaft auf 23,4 Jahre. Albert Bunjaku sprechen sie mit «Sie» an.

Nichts dergleichen passiert. Stattdessen widmet sich Trainer Joe Zinnbauer ab Sommer nur noch seinem Finanzberatungsunternehmen.

FC Sion

Die Walliser tun das, was sie am besten können: Sie gewinnen den Cup zum 14. Mal, der alte Grieche Theofanis Gekas wird zum gefeierten Matchwinner. Im Siegesrausch kündigt Präsident Christian Constantin an, die Haupttribüne im Tourbillon in Didier-Tholot-Tribüne umzubenennen. Nicht etwa wegen des Titels, sondern weil Tholot der einzige Trainer seit Laurent Roussey 2002 ist, der in Sitten von Anfang bis Ende Saison coachen durfte – und das schon zum zweiten Mal nach 2009/10. Wobei das wiederum mit dem Cupsieg zusammenhängt.

Sion kegelt den FCZ aus dem Cup, verliert den Final aber gegen Lugano. Die erste Niederlage im 14. Endspiel. Zu viel für Constantin, Trainer Tholot wird mit Schimpf und Schande aus dem Tal gejagt.

FC Thun

Doppelt Grund zur Freude im Berner Oberland: Thun qualifiziert sich für die Europa League und feiert ein Jubiläum – zehn Jahre ohne Sexskandal.

Sportlich endet die Saison irgendwo im Niemandsland der Tabelle. Viel schlimmer: Die zweite Spendenaktion des Vereins «Härzbluet für üse FC Thun» bringt nur 32

7.50 Franken ein. Im Vorjahr waren es noch 250'000 Franken gewesen. Mit diesem Betrag holt Präsident Markus Lüthi Sohn Benjamin von GC zurück. Das Bangen um die Zukunft des Vereins hält an.

FC Lugano

Die Sensation ist perfekt. Lugano wird zum ersten Cup-Final-Bezwinger des FC Sion. Und auch der Fall in die Challenge League kann abgewendet werden. Der Cup-Coup interessiert im Tessin aber nur mässig, weil der lokale Eishockey-Club erstmals seit 2006 eine Playoff-Serie gewonnen hat – und in der Restschweiz überhaupt niemanden. Ausser Didier Tholot.

Lugano erreicht den Cup-Final, wird dort zum Sion-Opfer Nummer 14 und steigt gar in die Challenge League ab. Das interessiert im Tessin aber kaum jemanden, weil der lokale Eishockey-Club erstmals seit 2006 eine Playoff-Serie gewonnen hat – und in der Restschweiz überhaupt niemanden. Ausser Didier Tholot.

FC Zürich

Weil der FCZ auf bahnbrechende Scouting-Instrumente setzt, und nur darum, hat er eine grosse Entdeckung gemacht. Leonardo Sánchez, 29, hat sein ganzes Fussballerleben in Südamerika verbracht und dort keine Spuren hinterlassen. Die Youtube-Videos haben Präsident und Sportchef Ancillo Canepa aber gleichermassen überzeugt wie Trainer Sami Hyypiä. Der Argentinier wird prompt zum grossen Stabilisator der zuvor schlechtesten Defensive der Liga, während der russische Altmeister Alexander Kerschakow seine Torgefahr wiederentdeckt. Hyypiä, der Ausmister, wird zum neuen Liebling der Liga. Wegen seines feurigen Temperaments an der Seitenlinie, seiner Eloquenz und Schlagfertigkeit erhält er den Übernamen «Super-League-Klopp».

Leonardo Sánchez? Totalausfall. Alexander Kerschakow? Totalausfall. FC Zürich? Totalausfall. Die Rückrunde wird zum grossen Desaster – selbst im Vergleich zur Hinrunde, die sich im Nachhinein als grandios herausstellt. Der FCZ steigt ab. Canepa kann Hyypiä trotz lukrativer Angebote aus der Promotion League halten. Der Präsident frohlockt: «Gott sei Dank hat er die Grösse, mit uns in die Challenge League zu gehen. Der Mann ist schliesslich Champions-League-Sieger!»

FC Vaduz

Der FC Vaduz gewinnt den Liechtensteiner Cup. Der Abstieg in die Challenge League trübt die Freude.

Der FC Vaduz steigt in die Challenge League ab. Immerhin gibts als Trost den Sieg im Liechtensteiner Cup.

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