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SVP-Familienfest50 Personen verhaftet

Mehrere tausend SVP-Anhänger hatten sich für eine Wahlkundgebung auf dem Bundesplatz eingefunden. Die Polizei verwandelte die Stadt Bern in eine Festung. Rund um den Anlass kam es zu rund 50 Anhaltungen.

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am/feb

Mehrere tausende SVP-Mitglieder und Sympathisanten sind am Samstag an die als Familienfest betitelte Wahlkundgebung der Partei auf dem Bundesplatz gepilgert. Die Polizei verwandelte die Stadt Bern in eine Festung. Rund um den Anlass kam es zu rund 50 Anhaltungen.

«Einigen Personen wurden gefährliche Gegenstände abgenommen», sagte der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause der Nachrichtenagentur sda. Bis am Nachmittag schien sich das enorme Sicherheitsdispositiv bewährt zu haben, fügte er an.

Die Stimmung in der Bundesstadt war angespannt. Grund dafür waren schwere Ausschreitungen bei der SVP-Wahlkundgebung vor vier Jahren. Linke Aktivisten verwüsteten damals unter anderem die aufgebaute Infrastruktur auf dem Bundesplatz.

Polizisten auf den Dächern

Am Samstag war denn auch die Polizei in Bern klar sichtbar. Vor allem am Bahnhof und in der Innenstadt standen an jeder Ecke Polizisten. Auch gepanzerte Fahrzeuge waren vielerorts zu sehen.

Die Kantonspolizei Bern teilte am späten Nachmittag mit, dass sie mit «einem Grossaufgebot präsent» sei und durch zahlreiche Kräfte aus anderen Kantonen unterstützt werde. Damit gewährleiste sie die Sicherheit der Veranstaltung und setze den «Auftrag der Stadt Bern um, keine parallelen Kundgebungen zuzulassen».

Der Bundesplatz war denn auch grossräumig mit Absperrgittern abgeriegelt, regelmässig wurden Personenkontrollen durchgeführt. Dabei wurden laut Kantonspolizei rund 50 Personen angehalten und auf die Polizeiwache gebracht. Wer auf den Bundesplatz wollte, musste dem Sicherheitspersonal den Inhalt seiner Taschen zeigen.

Sogar auf den Dächern der Gebäude um den Bundesplatz waren Polizisten positioniert. Mit Ferngläsern beobachteten sie das Geschehen. Das immense Polizeiaufgebot war auf und neben dem Bundesplatz das grosse Gesprächsthema.

Urchiges und Altbekanntes

Auf dem Bundesplatz selbst bekräftigten die SVP-Redner bei heissen Temperaturen und strahlender Sonne die bekannten Wahlthemen der Partei. Präsident Toni Brunner betonte sechs Wochen vor den Nationalrats- und Ständeratswahlen, dass die SVP Anspruch auf einen weiteren Sitz im Bundesrat habe.

Wie Brunner kritisierte auch SVP-Übervater Christoph Blocher jegliche Bestrebungen, sich der EU auf irgendeine Weise anzunähern. Blocher kam beim Publikum besonders gut an. Es reagierte regelmässig mit tobendem Applaus und frenetischen Zurufen auf seine Botschaften. Bundesrat Ueli Maurer rief das Publikum auf, weiterhin kritisch zu sein und den Mut zu haben, auf Missstände in der Schweiz hinzuweisen.

Untermalt wurde die Platzkundgebung mit urchigen Alphorn- und Jodelklängen, Blasmusik, Fahnenschwingern und Trychler-Umzügen. SVP- Nationalrat Oskar Freysinger trug auf der Bühne ein eigenes Lied vor. Beim Publikum beliebt war auch das SVP-Maskottchen, der Geissbock Zottel.

Die SVP-Schweiz-Vizepräsidentin und OK-Präsidentin Nadja Pieren bezeichnete den Anlass als grossen Erfolg. Es seien viel mehr Leute gekommen als erwartet, sagte sie. Pieren schätzte die Teilnehmerzahl auf 8000 bis 10'000 Personen.

Gegenveranstaltung in der Reitschule

Zeitgleich fand in der nur einen Kilometer entfernten Reitschule eine Gegenveranstaltung linker Aktivisten statt unter dem Motto «Ganz FEST gegen Rassismus». Am Nachmittag nahmen ein paar Hundert Personen am Fest mit Musik auf dem Vorplatz teil.

Die Veranstalter hatten auf dem Dach den Schriftzug «Welcome to hell» angebracht. Auf dem Programm standen in der Reitschule bis zum Abend Workshops, Vorträge, Filmvorführungen und Konzerte.

Die Reitschule kritisiere damit auch «die Stimmungsmache und das virtuelle Herbeireden einer Eskalation durch die SVP», teilten die Organisatoren mit. Zudem werfen sie den Behörden vor, «in der Innenstadt temporär den Polizeistaat» einzurichten, wie es in der Mitteilung der Reitschule heisst.

(am/feb/sda)

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