50 Tote bei Seeschlacht in Sri Lanka
Aktualisiert

50 Tote bei Seeschlacht in Sri Lanka

Bei einer Seeschlacht zwischen Regierungssoldaten und Tamilen-Rebellen in Sri Lanka sind am Samstag etwa 50 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Toten sind auch Zivilisten.

Das Verteidigungsministerium in Colombo erklärte, 30 Aufständische der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) und 11 Soldaten seien getötet worden, als die Rebellen mit Booten vor der nordwestlichen Insel Mannar Kriegsschiffe der Armee angegriffen hätten.

Die LTTE teilte mit, 12 Soldaten seien getötet und zwei Rebellen verletzt worden. Regierung und Rebellen widersprachen sich gegenseitig mit Angaben zum Tod der Zivilisten.

Die Tamilen-Website Tamilnet.com erklärte, Soldaten hätten eine Granate in eine Kirche abgefeuert. Eine Frau sei getötet, und 44 Menschen seien verletzt worden. Die Armee habe zudem vier Fischer getötet.

Das Verteidigungsministerium erklärte hingegen, die Rebellen hätten einen Posten der Küstenwache und die Marinebasis in Mannar angegriffen. Dabei sei auch die Kirche getroffen worden, in der die Zivilbevölkerung Schutz gesucht habe.

Nach seinen Angaben starben sechs Zivilisten im Kreuzfeuer. Das Verteidigungsministerium erklärte weiter, acht der elf Tamilenboote versenkt zu haben; die Marine habe drei Schiffe verloren.

Am Sonntag kam es zu weiteren Kämpfen. Die LTTE teilte mit, ihre Anhänger seien im Osten von Kämpfern einer tamilischen Splittergruppe angegriffen worden. Fünf LTTE-Kämpfer seien getötet worden. Bei den Angreifern handle es sich um Kämpfer um Oberst Karuna, der sich von den Befreiungstigern getrennt hat. Die LTTE wirft der Armee vor, Karuna zu unterstützen.

Ein Armeesprecher sagte, bei der Explosion einer ferngezündeten Mine im Nordosten der Insel seien drei Polizisten ums Leben gekommen.

Eskalation nach Attentat auf Bus

Damit sind immer mehr Landesteile Sri Lankas von Kämpfen betroffen. Ursprünglich hatte sich die Gewalt eher auf den Nordosten der Insel erstreckt, wo die meisten Tamilen wohnen.

Der Waffenstillstand zwischen Regierung und Rebellen besteht schon seit Monaten nur noch auf dem Papier. Am Donnerstag waren bei einem Anschlag auf einen Bus 64 Menschen getötet und 80 verletzt worden. Am Wochenende erlagen zwei weitere Buspassagiere ihren Verletzungen.

Die Regierung macht die LTTE für den Anschlag verantwortlich; die Befreiungstiger bestreiten dies. Am Samstag erklärten diese erneut, sie seien für den Tod der Passagiere nicht verantwortlich.

Der Anschlag auf den Bus war der blutigste seit zehn Jahren. Die Armee bombardierte darauf Rebellenstellungen. Die LTTE drohte mit Vergeltung, sollten die Angriffe fortgesetzt werden.

Friedensprozess am Ende

Die Anzeichen mehren sich, dass der brüchige Friedensprozess vollends zusammenbricht. Die LTTE kämpft seit 1972 für die Unabhängigkeit oder wenigstens eine grosse Autonomie für den Nordosten Sri Lankas.

Unter Vermittlung Norwegens einigten sich beide Seiten 2002 auf einen Waffenstillstand. Die Gespräche liegen seit April 2003 auf Eis. Ein Versuch der Norweger im Februar in Genf, die Gesprächen wieder in Gang zu bringen, scheiterte.

Vor dem Waffenstillstand hatte der Bürgerkrieg rund 69 000 Menschen das Leben gekostet. Drei Viertel der 20 Millionen Bewohner Sri Lankas sind Singhalesen. Sie bekennen sich überwiegend zum Buddhismus, während Tamilen vorwiegend Hindus sind. (sda)

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