Lawinenopfer: 50 Zentimeter entscheiden über Leben oder Tod
Aktualisiert

Lawinenopfer50 Zentimeter entscheiden über Leben oder Tod

Trotz Freeride-Boom: Die Zahl der Lawinentoten ist in der Schweiz in den vergangenen 30 Jahren zurückgegangen - und das, obwohl die Zahl der Verschütteten pro Jahr nicht abgenommen hat.

Das Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos hat anhand der eigenen Schadenlawinendatenbank die Trends der Lawinen aus den Jahren 1977 bis 2006 untersucht, bei denen Berg- und Schneesportler involviert waren. Gemäss den am Montag in der Zeitschrift «Die Alpen» veröffentlichten Zahlen verschütteten in diesen 30 Jahren 1619 Lawinen 3434 Menschen. 703 Menschen kamen dabei ums Leben.

Laut den Untersuchungen waren in den vergangenen zehn Jahren deutlich mehr Tourengänger, Schneeschuhläufer oder Variantenfahrer im Lawinengelände unterwegs, was auch dazu geführt hat, dass die Meldungen über Lawinen im Zusammenhang mit Wintersport zugenommen haben. Trotzdem hat sich die Zahl der lebensbedrohlich Verschütteten mit 35 bis 40 pro Jahr nicht wesentlich verändert.

Mehr Überlebende dank Lawinensuchgeräten

Verändert hat sich aber die Zahl der Todesfälle, und zwar positiv. Kamen zwischen 1977 und 1991 noch durchschnittlich 27 Menschen jährlich in Lawinen ums Leben, waren es in den folgenden 15 Jahren nur noch 20. Die Überlebensrate ist also gestiegen: Ende der 1970er-Jahre starben noch rund 60 Prozent aller vollständig Verschütteten, heute nur noch rund 40 Prozent.

Laut dem Institut ist sowohl die Rettung durch Begleiter wie die organisierte Rettung erfolgreicher, wobei die Todesrate bei der Kameradenrettung mit 20 Prozent nach wie vor deutlich niedriger ist als bei der organisierten Rettung, mit der 70 Prozent der Opfer nur noch tot geborgen werden. Effektiver geworden ist etwa die Rettung durch Lawinenverschüttetensuchgeräte (LVS). So ist laut SLF die Todesrate bei Rettungen mit LVS deutlich gesunken.

Heute wird fünf Mal schneller gerettet

Entscheidend ist eine schnelle Rettung der Verschütteten: Entsprechend der tieferen Todesrate zeigt die Analyse deshalb auch, dass Lawinenopfer inzwischen weniger lang verschüttet bleiben als früher. Die mittlere Verschüttungszeit lag Ende der 1970er -Jahre noch bei rund 150 Minuten, das heisst die Hälfte der Opfer wurde schneller geborgen, die andere Hälfte langsamer.

Bis Anfang der 1990er sank diese Zeit auf rund 80 Minuten und liegt heute bei etwa 30 Minuten. Der Mittelwert bei den Überlebenden lag in den vergangenen 30 Jahren bei 15 Minuten. Unverändert blieben die durchschnittlichen Verschüttungstiefen: Überlebende liegen im Schnitt 70 Zentimeter unter der Oberfläche, Tote 120 Zentimeter.

Geführte Gruppen weniger gefährdet

Das Institut hält auch fest, dass geführte Gruppen seit über zehn Jahren deutlich weniger in schwerwiegende Lawinenunfälle verwickelt sind. Der allgemeine Rückgang der Todesrate sei die Folge davon, dass die Information über die Lawinensituation, die Ausbildung in der Prävention und die Ausrüstung der Sportler besser geworden seien. Eine gute Ausbildung und Ausrüstung sei weiterhin nötig, weil Lawinen eine sehr schwierig einzuschätzende alpine Gefahr blieben, schreibt das Institut. (dapd)

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