Aktualisiert 26.07.2011 15:48

Dürre und Krieg

500 000 Kinder in Ostafrika vom Tod bedroht

Zwei Millionen Kinder sind am Horn von Afrika ernsthaft vom Hunger gezeichnet. Die UNO fordert eine sofortige Ausweitung der Hilfemassnahmen für Ostafrika.

Die Folgen der Dürre am Horn von Afrika werden insbesondere für die Kinder immer dramatischer. Eine halbe Million Kinder sind nach Angaben der Vereinten Nationen akut vom Hungertod bedroht. Das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF forderte deshalb am Sonntag eine sofortige Ausweitung der Hilfsleistungen für Ostafrika.

Laut UNICEF brauchen insgesamt zwei Millionen Kinder bereits heute Nahrungshilfe. Wenn nicht schnell eine Verbesserung erreicht würde, werde sich die Situation bis Anfang 2012 weiter verschlimmern, hiess es in einer Mitteilung.

«Es werden weitere vier oder fünf Monate vergehen, bevor es überhaupt eine Ernte geben kann, wir haben eine Riesenaufgabe vor uns», sagte UNICEF-Direktor Anthony Lake am Ende eines viertägigen Besuchs in Kenia. In vielen Gegenden seien die Menschen bereits zu schwach oder zu arm, um überhaupt Hilfe zu suchen.

Farmer betroffen

Fast elf Millionen Menschen sind nach UNO-Angaben von der Hungerkatastrophe bedroht. Die Krise begrenze sich dabei aber nicht auf die Tausenden Flüchtlinge aus Somalia, die täglich Zuflucht in den Nachbarländern suchten.

Betroffen seien auch Millionen von Farmern und Viehhaltern in Kenia und Äthiopien, die dringend Regen bräuchten, um überleben zu können, erklärte UNICEF. Die Dürre gilt als die schlimmste in den vergangenen 60 Jahren.

Es seien verschiedene Faktoren zusammengekommen, die die derzeitige Krise ausgelöst hätten, sagte Lake: «Was wir hier erleben ist fast so etwas wie der perfekte Sturm: Der Konflikt in Somalia, die steigenden Benzin- und Lebensmittelpreise, dazu Dürre und ausbleibender Regen.»

Aufruf für mehr Hilfe

Papst Benedikt XVI. bat am Sonntag beim Angelusgebet in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo um mehr internationales Engagement, um den schon stark geschwächten Menschen schnell Hilfe zu schicken. «Unsere Solidarität und konkrete Hilfe für die betroffene Bevölkerung darf nicht fehlen», mahnte das Kirchenoberhaupt.

Die britische Regierung forderte wohlhabende europäische Staaten zu mehr Hilfe für die notleidende Bevölkerung auf. «Wir haben bisher einige lächerliche Angebote von reichen europäischen Regierungen gesehen», sagte der britische Minister für internationale Entwicklung, Andrew Mitchell, am Wochenende in Nairobi.

Mitchell kündigte eine Spende der britischen Regierung in Höhe von 85 Millionen Dollar an. Er rief andere Länder auf, ihrerseits stärker zu spenden. Es sei schrecklich, dass Babys aus Nahrungsmangel sterben müssten, sagte Mitchell.

Grösstes Flüchtlingslager der Welt

Der Minister besuchte das Flüchtlingslager Dadaab im Osten Kenias, wo täglich hunderte weitere Somalier eintreffen, die vor Hunger und Gewalt in ihrer Heimat fliehen. Mit 380 000 Bewohnern ist Dadaab das grösste Flüchtlingslager der Welt.

Die deutsche Regierung stellte fünf Millionen Euro als Soforthilfe bereit, wie Aussenminister Guido Westerwelle und Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel am Samstag ankündigten. Sie appellierten zugleich an die Deutschen, den betroffenen Menschen durch private Spenden zu helfen. (sda)

UNO-Hilfslieferung in Rebellengebiet in Somalia seit 2009

Erstmals seit zwei Jahren haben die Vereinten Nationen wieder eine dringend benötigte Hilfslieferung in die von der islamistischen Schebab-Miliz kontrollierten Gebiete Somalias gebracht.

Fünf Tonnen Nahrung und Medizin für unterernährte Kinder seien auf dem Luftweg in die Region Badoa im Zentrum des Landes gebracht worden, sagte eine Sprecherin des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF am Sonntag. Die Schebab-Miliz habe die Lieferung genehmigt und alles sei glattgelaufen. Die UNICEF bereite weitere Lieferungen in die von den Rebellen kontrollierten Gebiete vor.

Die Schebab-Miliz, die in Somalia gegen die Regierung kämpft und weite Teile des ostafrikanischen Landes kontrolliert, hatte Anfang Juli angesichts der schweren Hungersnot im Land um internationale Hilfe gebeten und damit eine radikale Wende in ihrer Haltung zu internationalen Hilfsorganisationen vollzogen.

Vor zwei Jahren hatte die Gruppierung allen ausländischen Helfern die Arbeit in den von ihr kontrollierten Regionen im Zentrum und Süden Somalias verboten.

In Somalia, Äthiopien, Kenia, Dschibuti und Uganda sind wegen einer seit zwei Jahren anhaltenden Dürre mehrere Ernten ausgefallen. Steigende Lebensmittelpreise und Unterernährung sind die Folge. Verschärft werden die Probleme durch den Bürgerkrieg in Somalia. (sda)

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