Geld für Gauner: 500-Euro-Note und unser Tausender in der Kritik
Aktualisiert

Geld für Gauner500-Euro-Note und unser Tausender in der Kritik

Der höchsten Euro-Note droht das Aus. Sie soll vor allem Gaunern dienen. In der Kritik steht auch der Schweizer Tausender. Der Wegfall grosser Noten erschwere den Datenschutz, meint ein Experte.

von
Mira Weingartner

Es ist die Note der Gauner, Betrüger und Drogenschmuggler: der 500-Euro-Schein. Nun überlegt die Europäische Zentralbank (EZB) das lilafarbige Papiergeld abzuschaffen. Dies auch, weil die Note im Verdacht steht, von Terroroganisationen zur Finanzierung ihrer Machenschaften eingesetzt zu werden. Bei der EZB laufen derzeit die technischen Arbeiten, um den Zahlungsfluss der 500-Euro-Note genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die britische Behörde zur Bekämpfung organisierter Kriminalität behauptete einst in einer Studie, 90 Prozent der 500-Euro-Noten seien in den Händen der organisierten Kriminalität. Jetzt untersucht die EZB mit Hilfe der Polizeibehörde Interpol sowie der EU-Kommission selbst, wie stark Noten mit hohem Nennwert bei kriminellen Geschäften eingesetzt werden, schreibt das Handelsblatt.

Datenschutz in Gefahr

Auch in der Schweiz will man den ganz grossen Scheinen an den Kragen: So forderte etwa die Berner SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen, die Tausendernote abzuschaffen. Der hohe Wert der Banknote unterstütze illegale Praktiken, weil er den Transport grosser Summen in bar erleichtere.

«Überall fordert man mehr Datenschutz. Mit der Abschaffung von hohen Geldnoten wirkt man diesem aber klar entgegen», sagt hingegen Finanzprofessor Urs Birchler von der Universität Zürich zu 20 Minuten. Entfallen die grossen Noten, ist man beispielsweise beim Kauf eines Occasion-Autos auf eine Überweisung via Bank angewiesen; mit lauter kleinen Noten wäre dies schnell zu umständlich. Somit werden aber auch sämtliche Kontenbewegungen bei den jeweiligen Banken abgespeichert.

Man müsse wohl eine gewisse Anzahl Krimineller in Kauf nehmen, um diesbezüglich die Freiheit für den Bankkunden beizubehalten – «lieber ein paar Kriminelle, als ein krimineller Staat», so Birchler.

Auch SNB schliesst kriminelle Geschäfte nicht aus

Bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) wird eine Abschaffung des Scheins nicht thematisiert – im Gegenteil: «Die Tausendernote ist in der neuen Notenserie berücksichtig», sagt SNB-Mediensprecher Walter Meier zu 20 Minuten. Der Tausen- Franken-Schein, der erstmals im Juli 1907 in Umlauft gebracht wurde, sei bei Schweizern beliebt, um etwa grosse Bargeldzahlungen zu tätigen. Dass das wertvolle Papier aber auch bei kriminellen Geschäften oder zur Wertaufbewahrung unter dem Kopfkissen zum Einsatz komme, könne nicht ausgeschlossen werden.

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