500 Jahre alte Weltkarte gibt Rätsel auf

Aktualisiert

500 Jahre alte Weltkarte gibt Rätsel auf

Jahre bevor die ersten europäischen Entdecker Amerika ansteuerten, zeichnete ein Mönch aus Freiburg bereits eine Weltkarte, die auch Amerika zeigte. Mit erstaunlich korrekten Umrissen. Dies stellt Wissenschaftler vor viele Fragen.

Sie ist 500 Jahre alt, dafür überraschend aktuell und gibt Wissenschaftlern gerade deshalb Rätsel auf: die Weltkarte von Martin Waldseemüller aus dem Jahr 1507. Sie ist das erste kartografische Zeugnis, das die «Neue Welt» als einen Kontinent darstellt. Waldseemüller hat ihn mit Amerika betitelt und sehr exakt gezeichnet. Doch gerade diese Tatsache stellt Forscher vor zahlreiche Rätsel.

Woher kannte er die Umrisse?

Warum benannte der Mönch und Professor für Kosmologie den Kontinent zunächst als «America», änderte diesen Namen aber später wieder? Und warum ist Südamerika derart präzise abgebildet? Mit den Hilfsmitteln der damaligen Zeit eigentlich unmöglich.

Fragezeichen ruft auch die Tatsache hervor, dass er Jahre, bevor europäische Entdecker auf den Pazifik stiessen, einen riesigen Ozean westlich von Amerika einzeichnete. «Das ist das Rätsel, die Frage, die uns hier beschäftigt», sagt John Hebert, Chef der Geografie- und Kartenabteilung der Library of Congress.

Gab es schon frühere Entdecker Amerikas?

Dem Stand der heutigen Geschichtswissenschaft zufolge erreichte der spanische Entdecker Vasco Nunez de Balboa den Pazifik über Land erst 1513. Der portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan umrundete die Südspitze weitere sieben Jahre später.

Dennoch zeichnete Waldseemüller Südamerika auf der Karte von 1507 derart genau, dass es eigentlich kein Zufall sein kann. «Die Breite von Südamerika ist an bestimmten wichtigen Markierungen auf bis zu 100 Kilometer korrekt», sagt Hebert. Auch die Westküste Südamerikas ist verhältnismässig akkurat getroffen.

1901 wiederentdeckt

Im Jahre 1901 wurde die Karte auf Schloss Wolfegg in Oberschwaben wiederentdeckt. Über Jahrzehnte versuchte die Library of Congress in Washington D. C. das gut erhaltene Stück zu erwerben, doch es blieb noch für ein Jahrhundert im Besitz des Hauses zu Waldburg-Wolfegg und Waldsee. Am 27. Juni 2001 wurde sie schliesslich doch für etwa 10 Mio US-Dollar veräussert. Der höchste Preis, der je für ein kartografisches Gut gezahlt wurde.

Neue Erkenntnisse erhofft

Die US-Wissenschaftler hoffen, dass die Ausstellung der bisher selten gezeigten Karte Experten aus aller Welt zu weiteren Nachforschungen über ihre Entstehung animieren wird. Doch selbst wenn nicht alle Rätsel gelöst werden, ist sich Hebert ihrer Bedeutung für die Menschheit sicher: «Sie ist im Grunde der Beginn oder die erste Karte der Neuzeit - alles was danach kommt, basiert auf ihr.»

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