Deutschland: 500-Kilo-Bombe fordert drei Tote in Göttingen
Aktualisiert

Deutschland500-Kilo-Bombe fordert drei Tote in Göttingen

Tödliche Explosion einer Weltkriegsbombe: Bei der Entschärfung eines Blindgängers sind in Göttingen drei Männer des Räumdienstes getötet worden.

von
Heidi Niemann
AP
Das Gelände, wo der Blindgänger in Göttingen explodiert ist und drei Todesopfer und sechs Verletzte gefordert hat.

Das Gelände, wo der Blindgänger in Göttingen explodiert ist und drei Todesopfer und sechs Verletzte gefordert hat.

65 Jahre nach seinem Ende hat der Zweite Weltkrieg weitere Opfer gefordert. Bei der Explosion der Bombe wurden drei Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes im Alter von 55, 52 und 38 Jahren getötet. Zwei Mitarbeiter des Dienstes im Alter von 49 und 46 Jahren wurden zudem schwer verletzt, vier andere erlitten einen Schock. Die getöteten Männer waren erfahrene Fachleute, die zum Teil schon 700 Entschärfungen vorgenommen hatten.

Die Experten hatten den Angaben zufolge Vorbereitungen für die Entschärfung der Zehn-Zentner-Bombe getroffen. Eine grossangelegte Evakuierung der Bevölkerung lief während der Explosion noch.

Die Schwerverletzten schwebten nach Angaben der Uniklinik Göttingen nicht in Lebensgefahr, die Leichtverletzten wurden vor Ort versorgt. Der Sprengkörper detonierte nach unterschiedlichen Angaben zwischen 21.30 und 21.45 Uhr auf dem Schützenplatz der Universitätsstadt, auf dem derzeit eine Sportarena gebaut wird. Bei den Bauarbeiten war die Bombe in sieben Metern Tiefe entdeckt worden.

7200 Menschen sollten evakuiert werden

Die Bombe sollte nach einer Evakuierung der Anwohner am Abend entschärft werden. Die Evakuierung wollte die Stadt um 19.00 Uhr einleiten. Nach den Plänen der Stadt sollten rund 7200 Menschen in einem Umkreis von 1000 Metern rund um den Fundort evakuiert werden; es war bereits der zweite Fund einer Bombe binnen weniger Tage in dem Stadtgebiet.

Stadtsprecher Detlef Johannson sagte auf DAPD-Anfrage, die Evakuierung sei noch im Gang gewesen, als die Bombe explodierte. Die Kampfmittel-Experten hätten aber erst Vorarbeiten zur Abtrennung des Zünders eingeleitet und noch nicht an der Bombe selbst gearbeitet.

Hunderte von Einsatzkräften der Berufsfeuerwehr, der freiwilligen Feuerwehren, von Polizei und Bundespolizei sowie von Rettungs- und Hilfsdiensten und städtischen Diensten sollten zu der Evakuierung im Einsatz sein.

Der letzte ICE sollte noch vorbeifahren

Die Bombe sollte den Plänen zufolge gegen 22.30 Uhr entschärft werden, nachdem der letzte ICE auf der nahe liegenden Trasse vorbeigefahren wäre. Die Bombe explodierte beim Aufbau der Technik zur Entschärfung, wie Feuerwehrsprecher Frank Gloth sagte. Die Explosionsstelle wurde im Umkreis von 300 Metern weiträumig abgesperrt, auch der Bahnverkehr wurde gesperrt. Unfallseelsorger waren im Einsatz.

Nach Angaben des Stadtsprechers waren Feuerwehr und Technisches Hilfswerk unterwegs, um zu überprüfen, ob die angrenzenden Gebäude Schaden genommen haben. Noch in der Nacht sollte dann entschieden werden, ob die Anwohner in ihre Häuser zurückkehren können. Von sichtbaren Schäden sei aber nichts bekannt. Die gesperrte Bahnstrecke wurde kurz nach 00.30 Uhr wieder freigegeben.

Auf dem Schützenplatz in Göttingen war bereits in der Nacht zum vergangenem Freitag ein 500-Kilo-Bombe (zehn Zentner) entschärft worden. Dabei mussten 5000 Bürger ihre Wohnungen verlassen. Auch der Göttinger Hauptbahnhof wurde für die Entschärfung am vergangenen Donnerstagabend geräumt. Die Entschärfung verlief dann planmässig.

Säurezünder besonders gefährlich

Mit Säurezündern ausgestattete Bomben aus Zweiten Weltkrieg bergen für Räumdienste auch heute noch grosse Gefahren. «Der Sprengstoff verändert sich nicht, und das Zündsystem rostet nicht durch», sagt Volker Scherff vom Bund Deutscher Feuerwerker und Wehrtechniker (BDFWT) dem DAPD. Die Göttinger Bombe sollte mit einem sogenannten Wasserstrahl-Schneidegerät zu entschärft Werden. Dabei durchtrennt ein Wasser-Granulat-Gemisch die Hülle der Bombe zwischen Zündverstärker und Sprengstoff ab.

(AP)

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