500 Leute kannten Mladics Aufenthaltsort
Aktualisiert

500 Leute kannten Mladics Aufenthaltsort

Ein früherer serbischer Armeeoffizier hat dem serbischen Regierungschef Vojislav Kostunica vorgeworfen, den Aufenthaltsort des gesuchten mutmasslichen Kriegsverbrecher Ratko Mladic bis Mai 2002 gekannt zu haben.

Bis zu diesem Zeitpunkt sei Mladic mit dem Wissen der Behörden in Einrichtungen der Armee versteckt worden, sagte der pensionierte Oberstleutnant Srboljub Nikolic am Dienstag laut dem Radiosender B92 vor einem Belgrader Gericht.

«Mehr als 500 Leute wussten, wo Mladic sich aufhielt.» Neben dem damaligen jugoslawischen Präsidenten Kostunica seien dies auch der Chef des militärischen Sicherheitsdienstes Aco Tomic und Generalstabschef Nebojsa Pavkovic gewesen.

Der 2003 ermordete serbische Regierungschef Zoran Djindjic habe eine Einigung über eine Aufgabe Mladic' zu erreichen versucht, sagte Nikolic weiter.

Prozess vertagt

Der Ex-Militär äusserte sich im Prozess gegen elf Angeklagte, die beschuldigt werden, Mladic über Jahre geschützt und versteckt zu haben. Das Verfahren wurde nach der Verhandlung am Dienstag auf den 25. Dezember vertagt.

Mladic, der seit 1995 auf der Flucht ist, wird vom UNO-Tribunal in Den Haag wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen während des Bosnien-Krieges in den 90er Jahren gesucht.

UNO-Chefanklägerin Carla Del Ponte hatte Belgrad wiederholt fehlende Zusammenarbeit vorgeworfen. Mitarbeiter der Regierung in Belgrad hatten in diesem Jahr eingeräumt, dass Mladic bis Mitte 2002 von der serbischen Armee geschützt wurde und bis Dezember 2005 eine staatliche Rente bezog.

(sda)

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