18.04.2020 12:14

Corona-Absage droht

5000 Euro für Wiesntisch, den es nie geben wird?

Wegen der Corona-Krise steht das Oktoberfest auf der Kippe. Trotzdem werden auf Online-Portalen Platzreservierungen in den Zelten angeboten – zu teils horrenden Preisen.

von
mhu
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Auch wenn das Oktoberfest auf der Kippe steht, werden auf Online-Portalen Platzreservierungen in Zelten angeboten.

Auch wenn das Oktoberfest auf der Kippe steht, werden auf Online-Portalen Platzreservierungen in Zelten angeboten.

epa/Philipp Guelland
Dies zu teils horrenden Preisen.

Dies zu teils horrenden Preisen.

Angelika Warmuth
Tische für zehn Personen werden teils für 5000 Euro und mehr angeboten.

Tische für zehn Personen werden teils für 5000 Euro und mehr angeboten.

Angelika Warmuth

Auch wenn die Verantwortlichen noch nicht endgültig entschieden haben, ob das grösste Volksfest der Welt wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden muss, sieht es momentan nicht so rosig aus. Wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ankündigt, werde er sich in den nächsten zwei Wochen mit Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) beraten. Doch beide machten den Münchnern schon jetzt nicht viel Hoffnung. «Ich bin sehr, sehr skeptisch und kann mir aus jetziger Sicht kaum vorstellen, dass eine solch grosse Veranstaltung überhaupt möglich ist zu dem Zeitpunkt», sagte der CSU-Chef im Bayerischen Rundfunk. Reiter sagte, er teile die Skepsis.

Die Zeichen mehren sich also, dass die Wiesn ausfällt und es am 19. September nicht zum Anstich kommt. Vor einigen Wochen hatte Reiter noch gesagt, Ende Mai oder Anfang Juni werde entschieden; Festleiter Clemens Baumgärtner wollte für die «nicht umkehrbare Entscheidung» bis zum letztmöglichen Zeitpunkt warten. Doch der Druck wächst. Nun hat Reiter eine Entscheidung noch im April angekündigt.

Plätze werden reserviert, die es vielleicht nie geben wird

Die Wirte haben teils seit Jahresbeginn Anfragen zu Reservierungen angenommen oder Tische für Stammkunden vorreserviert. Zusagen haben sie nicht gegeben. Trotzdem läuft der Handel mit Reservierungen für Plätze – die es vielleicht nie geben wird. Tische für zehn Personen werden teils für 5000 Euro und mehr angeboten. Mancher Anbieter hat inzwischen immerhin den Hinweis eingefügt: «Bei Absage des Oktoberfestes 2020 aufgrund von COVID-19 (Corona-Virus) werden alle bereits getätigten Zahlungen für das Folgejahr angerechnet.»

Seit langem kämpfen die Wirte gegen die Graumarktverkäufe von Reservierungen und die exorbitanten Preise. Von Mondpreisen war in früheren Jahren die Rede, und von Wucher. Auch die Stadt München sieht die Verkäufe nicht gern. Festleiter und Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) rät grundsätzlich, beim Wiesnwirt direkt zu reservieren. Auf dem Graumarkt sei das Risiko zu gross.

Fragwürdige Angebote auf dem Graumarkt

Eine Plattform bot am Donnerstag einen Platz für den geplanten ersten Wiesnabend für 593 Euro an. Eine andere offerierte einen 20er Doppeltisch im selben Zelt am selben Abend für 9999 Euro bis 11 199 Euro. Ein Zehnertisch im Hacker-Festzelt wäre wiederum für 5449 Euro bis 5949 Euro zu haben. Dabei reserviert das Hacker-Zelt derzeit gar nicht. «Aufgrund der aktuellen Coronavirus-Verunsicherung müssen wir mit dem Angebot unserer verfügbaren Plätze noch einige Zeit abwarten», heisst es auf der Homepage. Eine Stellungnahme des Online-Anbieters war nicht zu erhalten.

Das Geschäftsmodell: Kunden geben ihre Reservierungen oder die Option darauf an Händler weiter, die sie an Dritte verkaufen. Die Wirte warnen vor diesem Vorgehen: Wer beim Weiterverkauf erwischt wird, soll auch bei keinem anderen Wirt mehr reservieren können. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen legen zudem fest, dass bei einem Weiterverkauf der Anspruch auf den Tisch verfällt.

Sogar fiktive Tische werden verkauft

Wer eine Reservierung im Internet buche, laufe Gefahr, viel Geld zu zahlen und im Zelt trotzdem keinen Platz zu haben, sagt Wirtesprecher Peter Inselkammer. Zum einen stornierten die Wirte gemäss den AGBs bei Kenntnis jeden Tisch, der weiterverkauft wurde. «Und zum anderen, weil es im Internet häufig Betrüger gibt, die Tische verkaufen, die es gar nicht gibt. Dann steht der Käufer im Wiesnbüro und fragt nach einem fiktiven Tisch, den wir nie reserviert hatten», sagt Inselkammer. «Wir raten jedem ab, diese Angebote zu bezahlen. Diese Anbieter können diese Plätze noch gar nicht garantieren.» (mhu/sda)

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