Aktualisiert 29.03.2016 14:56

Attentat auf Spielplatz

5000 Verhaftungen nach Park-Bombe in Lahore

Nach dem Anschlag auf Christen greifen die pakistanischen Behörden durch. Trotz des Terrorakts demonstrieren in der Hauptstadt Tausende für die Einführung der Sharia.

von
rub

Seit dem Selbstmordanschlag in der pakistanischen Metropole Lahore am Ostersonntag haben die Sicherheitskräfte des Landes mehr als 5000 mutmassliche Extremisten festgenommen. Bis auf 216 Verdächtige seien sie jedoch wieder auf freien Fuss gesetzt worden.

Dies teilte der Staatsminister für die Provinz Punjab, Rana Sanaullah, heute mit. An den Razzien seien Angehörige der Polizei, von Anti-Terror-Einheiten und der Geheimdienste beteiligt gewesen. Künftig würden auch Armee und paramilitärische Einheiten eingesetzt.

Die Militär- und Geheimdienstoperationen hätten sich gegen «Mitglieder verbotener Organisationen» in der Provinz Punjab gerichtet, hiess es aus Militärkreisen. Wie viele der Festgenommenen in den Anschlag verwickelt waren, blieb zunächst unklar.

Keine Verletzten über Nacht gestorben

Die Talibangruppe Jamaat ul-Ahrar hatte sich zur Tat bekannt und teilte mit, man habe sowohl Christen als auch die Regierung treffen wollen. Die Führungsebene von Jamaat ul-Ahrar soll sich in Afghanistan aufhalten.

Die Zahl der Toten bleibe bei 72, sagte ein Polizeibeamter in der Koordinierungsstelle in Lahore. Darunter seien 35 Kinder. Keiner der rund 190 Verletzten, die noch in Behandlung seien, sei über Nacht gestorben. Ein Arzt am Jinnah-Spital teilte aber mit, dort seien «einige» in kritischer Verfassung. Insgesamt waren mehr als 330 Menschen verletzt worden.

Bischof rechnet mit mehr christlichen Opfern

Beim Anschlag wurden nach Ansicht eines Bischofs mehr Christen getötet als von den Behörden angegeben. Nach offiziellen Angaben kamen 15 Christen ums Leben. Bischof Yaqub Paul vermutet, dass es «um die 30» seien. Christen stellen mit geschätzten fünf Millionen Menschen die grösste religiöse Minderheit in Pakistan mit seinen rund 200 Millionen Einwohnern. Sie sind regelmässig Ziel islamistischer Angriffe.

In vielen pakistanischen Städten wurden Sicherheitsmassnahmen für öffentliche Orte verschärft. In der Millionenmetropole Karachi schloss der grösste Vergnügungspark des Landes, der Safari Park, berichtete die «Express Tribune» unter Berufung auf die Verwaltung. In 200 Parks sei dort nun mehr Sicherheitspersonal unterwegs.

Demonstrationen für Einführung der Scharia

Radikale Sunniten haben am Dienstag in Islamabad den dritten Tag in Folge für die Einführung des islamischen Rechts in Pakistan demonstriert und Teile der Hauptstadt lahmgelegt. Zu der Kundgebung der Organisation Sunni Tehreek waren am Sonntag mehr als 10'000 Demonstranten nach Islamabad geströmt. Nach Angaben der Polizei blockierten am Dienstag noch rund 700 Demonstranten zentrale Teile der Hauptstadt.

Die Demonstranten fordern die Einführung der Scharia und protestieren gegen die Hinrichtung eines Polizisten im Februar, der als Leibwächter 2011 einen Gouverneur ermordet hatte, der sich für eine der Blasphemie beschuldigte Christin eingesetzt hatte. Sie fordern zudem die Hinrichtung der Frau, die immer noch im Gefängnis sitzt. Die Proteste wurden von dem Terroranschlag am Ostersonntag in Lahore überschattet. (rub/sda)

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