Aktualisiert 30.05.2018 06:38

Tamedia-Umfrage55 Prozent Ja – Geldspiel-Gegner verlieren an Boden

Nun spricht sich eine Mehrheit für das Geldspielgesetz aus. Auch bei den Jüngeren ist die Stimmung gekippt.

von
D. Waldmeier
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Im Streit um das neue Geldspielgesetz haben die Befürworter die Nase vorn. Das zeigt die Tamedia-Abstimmungsumfrage zwei Wochen vor dem Urnengang.

Im Streit um das neue Geldspielgesetz haben die Befürworter die Nase vorn. Das zeigt die Tamedia-Abstimmungsumfrage zwei Wochen vor dem Urnengang.

Keystone/Walter Bieri
Das mit Abstand stärkste Argument für ein Ja ist aus Sicht der Befürworter der Vorlage, dass mit dem Gesetz sichergestellt werde, dass alle Anbieter Abgaben für gemeinnützige Zwecke bezahlen.

Das mit Abstand stärkste Argument für ein Ja ist aus Sicht der Befürworter der Vorlage, dass mit dem Gesetz sichergestellt werde, dass alle Anbieter Abgaben für gemeinnützige Zwecke bezahlen.

Keystone/Walter Bieri
«Offensichtlich gelingt es uns, auch die Jüngeren zu überzeugen, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist. Sie sehen, dass es eine Regulierung braucht, um Spielsucht sowie Geldwäscherei bei Online-Spielen im Netz zu verhindern», sagt SP-Nationalrätin Martina Munz.

«Offensichtlich gelingt es uns, auch die Jüngeren zu überzeugen, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist. Sie sehen, dass es eine Regulierung braucht, um Spielsucht sowie Geldwäscherei bei Online-Spielen im Netz zu verhindern», sagt SP-Nationalrätin Martina Munz.

Keystone/Gaetan Bally

Im Rennen um das neue Geldspielgesetz haben die Befürworter die besseren Karten: Zwei Wochen vor der Abstimmung sagen laut der Tamedia-Abstimmungsumfrage 55 Prozent Ja zum Gesetz. Das sind 8 Prozentpunkte mehr als bei der letzten Befragung von Mitte Mai. Derweil büsst das Nein-Lager 5 Prozentpunkte ein und kommt noch auf 42 Prozent. 3 Prozent machten keine Angaben zu ihren Stimmabsichten.

Befürworter legen bei den Jungen zu

Das Gesetz sieht vor, dass heimische Casinos auch Online-Geldspiele wie Poker und Roulette anbieten dürfen. Im Gegenzug würden die Spiele ausländischer Anbieter gesperrt. Die Unterstützung für diese Vorlage ist bei der Wählerschaft sämtlicher Bundesratsparteien angewachsen. Trotz der Nein-Parole der Partei sprechen sich mittlerweile 59 Prozent der FDP-Anhänger für die Vorlage aus. Auch bei den CVP- und SP-Wählern befürwortet eine klare Mehrheit das Gesetz (64 beziehungsweise 59 Prozent Ja). Gespalten ist die SVP-Basis.

Am besten kommt das Gesetz nach wie vor bei den Senioren an. Von den über 65-Jährigen stimmen 62 Prozent dem Gesetz zu, 36 Prozent lehnen es ab. Gekippt ist die Stimmung bei den jüngeren Stimmbürgern. Laut der Umfrage sind 51 Prozent der 18- bis 34-Jährigen für das neue Geldspielgesetz. Das sind 14 Prozentpunkte mehr als noch Mitte Mai.

«Das Rennen ist noch nicht gelaufen»

Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen, hat keine Freude am Resultat. «Das Rennen ist aber noch nicht gelaufen. Die Jungen sind immer noch am skeptischsten gegenüber der Internetzensur.» Die Befürworter würden mit ihrer Millionenkampagne Unwahrheiten verbreiten und behaupten, Sportvereine, AHV oder kulturelle Veranstaltungen seien in Gefahr. Das Gegenteil sei der Fall: «Bei einem Nein bleibt alles beim Alten. Dann haben wir die Möglichkeit, ein neues, besseres Gesetz zu machen, das ausländische Anbieter nicht aussperrt.» So gebe es nicht weniger, sondern mehr Einnahmen für gemeinnützige Projekte.

Rückenwind verspüren dagegen die Befürworter: «Offensichtlich gelingt es uns, auch die Jüngeren zu überzeugen, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist. Sie sehen, dass es eine Regulierung braucht, um Spielsucht sowie Geldwäscherei bei Online-Spielen im Netz zu verhindern», sagt SP-Nationalrätin Martina Munz. Den Vorwurf der Lügenkampagne weist sie zurück: «Schon heute fliesst immer mehr Geld zu Online-Anbietern in Malta oder Gibraltar ab. Wir können sie nicht besteuern. Dieses Geld fehlt für die AHV und für Gemeinnütziges wie Festivals oder andere kulturelle Veranstaltungen.»

68 Prozent sind gegen die Vollgeld-Initiative

Ein wuchtiges Nein zeichnet sich bei der Vollgeld-Initiative ab, die wie das Geldspielgesetz am 10. Juni zur Abstimmung kommt. Laut der Tamedia-Umfrage wollen 68 Prozent ein Nein in die Urne legen, während 29 Prozent die Vorlage annehmen. 3 Prozent machten keine Angaben zu ihren Stimmabsichten.

Zur Umfrage

6386 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 24. und 26. Mai online an der dritten Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage zu den eidgenössischen Vorlagen vom 10. Juni teilgenommen. Die Befragungen werden in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,8 Prozentpunkten. Weitere Informationen zu den Tamedia-Umfragen gibts hier.

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