20-Minuten-Umfrage: 55 Prozent unterstützen Ski-Lockdown
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20-Minuten-Umfrage55 Prozent unterstützen Ski-Lockdown

Skigebiete schliessen, PCR-Tests an der Grenze, Massentests: Diese Massnahmen stossen bei der Bevölkerung auf Zustimmung, sollte sich die Corona-Lage verschärfen. Das zeigt eine 20-Minuten-Umfrage.

von
Pascal Michel
Daniel Graf

Darum gehts

  • Die 20-Minuten-Umfrage zeigt, welche Massnahmen auf Zustimmung stossen.

  • Dazu gehört etwa der Ski-Lockdown oder PCR-Tests bei der Einreise.

  • Auch Politiker sind skeptisch, wie lange Skigebiete noch offen bleiben können.

  • Der Kanton Graubünden ist zuversichtlich: «Skigebiete sind nicht Treiber der Pandemie».

Mehr als die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer wollen die Skigebiete schliessen, sollte sich die epidemiologische Lage verschlechtern. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von 20 Minuten bei 15 089 Teilnehmenden (siehe Box).

Ebenfalls viel Rückhalt geniesst die Forderung nach PCR-Tests bei der Einreise sowie Massentests, wie sie jüngst St. Moritz, wegen einer Häufung an Infektionen mit der britischen Virusvariante, durchgeführt hat.

Die bisherigen Massnahmen von Bund und Kantonen zur Bekämpfung des Virus haben indes an Zustimmung verloren. So sagten Mitte Januar 16 Prozent, die Massnahmen gingen viel zu weit. 14 Prozent fanden, sie gingen etwas zu weit. Damit ist der Teil der Massnahmen-Kritiker gewachsen. Ende November erklärten noch 17 Prozent der Befragten, die Corona-Regeln gingen viel zu weit oder etwas zu weit.

Derzeit liegen die Bewilligungen für den Skibetrieb bei den Kantonen. Der Kanton Graubünden etwa hat letzte Woche diese bis Ende Februar erteilt. Nach Bildern von langen Warteschlangen kamen Zweifel daran auf, wie sicher der Skibetrieb noch ist. Nationalrat Lorenz Hess (Die Mitte) forderte: «Um wenigstens die spätere Skisaison noch zu retten, sollte sich die Schweiz überlegen, die Skigebiete und die Hotels in den Tourismusorten für mindestens zwei Wochen zu schliessen.»

Die Möglichkeiten dazu prüft der Bundesrat. Ein BAG-Sprecher sagt auf Anfrage: «Die Gesamtheit der Massnahmen sind Teil regelmässiger Evaluationen und werden gegebenenfalls angepasst. Der Bundesrat hat mehrere davon den Kantonen in die Vernehmlassung geschickt.»

Schutzkonzepte verschärfen

Auch Hess’ Parteikollegin Ruth Humbel hatte «ein ungutes Gefühl», als sie die Bilder sah. Die Präsidentin der Gesundheitskommission des Nationalrats war in dieser Saison schon Ski fahren – aber in einem Skigebiet mit gutem Schutzkonzept, wo man sich vorab anmelden musste und es zu keinen Warteschlangen kam.

«Offensichtlich werden die Schutzkonzepte sehr unterschiedlich umgesetzt. Ich erwarte von den Kantonen, dass sie hier nachschärfen und gegebenenfalls Zulassungsbegrenzungen verfügen», sagt Humbel. So könne verhindert werden, dass es an den Liften und in den Gondeln zu Gedränge komme.

«Sollte sich die Lage verschlechtern, müssten Schliessungen von Skigebieten im Bundesrat ein Thema werden; ein Szenario, das ich nicht möchte.» Ebenfalls wichtig seien regelmässige Massentests. Und: «Von Touristen aus dem Ausland ist es sinnvoll, bei der Einreise, insbesondere an Flughäfen, einen PCR-Test zu verlangen.»

SP-Nationalrätin Yvonne Feri ist skeptisch, ob die Skigebiete die aktuelle Saison noch sicher durchführen können. «Die Virusmutationen bereiten mir Sorgen. Sie können sich auch bei 1,5 Meter Abstand verbreiten. Die Skigebiete müssen deshalb die Schutzkonzepte verschärfen.» Feri rechnet damit, dass mit den anstehenden Schulferien der Betrieb in den Skiferien nochmals deutlich zunimmt: «Abstand und Geduld sind deshalb noch dringender notwendig.» Sie erwartet, dass die Kantone bereits jetzt Massentests vorbereiten, damit sie vorbereitet sind, sollte es zu Ausbrüchen kommen.

Anzahl der Tickets limitieren

Die Skigebiete zu schliessen, hält FDP-Chefin Petra Gössi nicht für angebracht: «Die Herausforderung sind die Anreise und das Anstehen bei den Liften. Da müssen die Schutzkonzepte rigoros umgesetzt werden und wenn nötig sollen die Skigebiete die Anzahl der Tickets limitieren.»

Massentests und PCR-Tests an den Grenzen brauche es hingegen «unbedingt»: «Jetzt, wo uns ausreichend Tests zur Verfügung stehen, setzt das BAG viel zu wenig daran, dass die Menschen sich grossflächig testen lassen. Auch in den Altersheimen müsste unbedingt mehr getestet werden.»

Graubünden: «Skigebiete sind nicht Treiber der Pandemie»

Beim Tourismus-Kanton Graubünden hält man an den geöffneten Skigebieten fest. Die epidemiologische Lage habe sich verbessert, heisst es beim Kanton auf Anfrage. «Sowohl die Fallzahlen wie auch der R-Wert sinken seit Mitte Dezember und das trotz offenen Skigebieten. Skigebiete sind nicht Treiber der Pandemie.»

Ein Sprecher betont, dass Skifahren draussen stattfinde. «Es erscheint uns auch für die Bevölkerung wichtig, dass Outdoor-Aktivitäten, die epidemiologisch nicht das Problem sind und auch mit Schutzkonzepten stattfinden, möglich sind.» Die Regierung beurteile die Entwicklung aber laufend.

Zudem kündigt der Kanton eine Teststrategie an, die auch asymptomatische Personen identifizieren will. «Es ist weit wirksamer, die asymptomatischen Personen zu finden und zu isolieren als nur Personen zu testen und zu finden, die bereits symptomatisch sind. Die wissenschaftliche Auswertung der Flächentests vom Dezember im Kanton Graubünden zeigen, dass mit Flächentests bzw. dieser Teststrategie weitergehende Einschränkungen wie Lockdowns vermieden werden können.»

Die Umfrage

Im Rahmen der Abstimmungsumfrage hat die LeeWas GmbH auch die Einstellung zu verschiedenen Corona-Massnahmen erhoben. Befragt wurden dazu zwischen dem 18. und 19. Januar 2021 15’089 Personen aus der ganzen Schweiz. Die Resultate wurden nach demographischen, geographischen und politischen Variablen gewichtet.

Schweiz ist coronamüde

Dass derzeit mehr Menschen angeben, die Massnahmen gingen zu weit, ist für Ruth Humbel nachvollziehbar. «Besonders jetzt, wo die Zahlen sinken, braucht es noch mehr Anstrengungen, die harten Massnahmen zu erklären.» Sie verweist dabei auch auf die Mutationen, die in Grossbritannien zu einem massiven Anstieg der Fallzahlen und zur Überlastung des Gesundheitswesens geführt haben.

FDP-Präsidentin Petra Gössi glaubt, dass dafür verschiedene Faktoren eine Rolle spielen: «Die Corona-Müdigkeit ist sicher einer davon. Ich denke aber auch, dass viele Menschen die Massnahmen nicht mehr wirklich nachvollziehen können.» Die Verwirrung über die sich ständig ändernden Massnahmen sei gross und der Bundesrat habe wohl unterschätzt, wie stark die vielen Änderungen die Menschen verunsicherten und Kritik schürten.

Gössi fordert, dass der Bundesrat auch aufzeigt, unter welchen Umständen Lockerungen der Massnahmen in Betracht gezogen werden können: «Mit einem Ampel-System, wie wir es schon lange fordern, wüssten die Menschen, welches Ziel wir erreichen müssen, um wieder lockern zu können. Das würde Hoffnung geben und die Menschen motivieren, sich bei der Umsetzung der geltenden Massnahmen Mühe zu geben.»

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Hier findest du Hilfe:

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

Deine Meinung

413 Kommentare
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Vergessen Nelly

26.01.2021, 20:21

Also irgendwie kommen mir Umfragen und Statistik immer anders vor als die Persönliche Meinung der Bevölkerung.

Thommy

26.01.2021, 18:40

Die unverhälnismässigen, verfassungswidrigen Massnahmen sind m. E. Freiheitsberaubung . Die Jugendlichen in Holland, welche gegen diese Art von Freiheitsberaubung protestieren, haben meine volle Syphatie, obwohl ich altersmässig zur Risikogruppe gehöre.

merkur2

26.01.2021, 17:13

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