21.10.2016 06:52

Tamedia-Abstimmungsumfrage55 Prozent wollen den AKW den Stecker ziehen

Gut jeder Zweite will die Initiative der Grünen annehmen. Doch reicht die Strahlkraft des Anliegens bis zum Abstimmungssonntag?

von
J. Büchi
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Geht es nach einer knappen Mehrheit der Stimmbürger, sollen bis in 13 Jahren alle Schweizer AKW vom Netz. Für das Werk Gösgen (Bild) wäre es 2024 so weit.

Geht es nach einer knappen Mehrheit der Stimmbürger, sollen bis in 13 Jahren alle Schweizer AKW vom Netz. Für das Werk Gösgen (Bild) wäre es 2024 so weit.

Keystone/Peter Klaunzer
Eine erwartungsgemäss hohe Zustimmung erzielt die Initiative im linken Lager. Aber auch bei den CVP- und BDP-Sympathisanten befürwortet derzeit mehr als jeder Zweite das Anliegen, während es im Lager von SVP und FDP klar durchfällt.

Eine erwartungsgemäss hohe Zustimmung erzielt die Initiative im linken Lager. Aber auch bei den CVP- und BDP-Sympathisanten befürwortet derzeit mehr als jeder Zweite das Anliegen, während es im Lager von SVP und FDP klar durchfällt.

Keystone/Walter Bieri
Die Präsidentin der Grünen, Regula Rytz, ist erfreut: «Diese Momentaufnahme zeigt, was wir auch im Gespräch mit den Leuten auf der Strasse spüren: Eine Mehrheit will die AKW nicht einfach unbefristet weiterlaufen lassen.»

Die Präsidentin der Grünen, Regula Rytz, ist erfreut: «Diese Momentaufnahme zeigt, was wir auch im Gespräch mit den Leuten auf der Strasse spüren: Eine Mehrheit will die AKW nicht einfach unbefristet weiterlaufen lassen.»

Keystone/Peter Schneider

Der Kampf um die Atomausstiegsinitiative droht ungemütlich zu werden: Noch dauert es gut fünf Wochen bis zur Abstimmung – und bereits geben sich die beiden Lager Saures. Während die Grünen per Video vor Anschlägen auf AKW warnen, macht der Gewerbeverband Bastien Girod per Fotomontage zum Taliban.

Die erste Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage zeigt nun: Eine Mehrheit der Schweizer kann sich eine AKW-freie Schweiz im Jahr 2029 vorstellen. 55 Prozent der rund 20'000 Teilnehmer wollen derzeit sicher oder eher Ja stimmen, 43 Prozent tendieren zu einem Nein. Zwei Prozent der Befragten machten keine Angaben.

Damit startet die Initiative verhalten – denn in der Regel sinkt die Zustimmung zu Volksinitiativen bis zum Abstimmungstermin noch. Die Präsidentin der Grünen, Regula Rytz, ist dennoch zuversichtlich: «Diese Momentaufnahme zeigt, was wir auch im Gespräch mit den Leuten auf der Strasse spüren: Eine Mehrheit will die AKW nicht einfach unbefristet weiterlaufen lassen.»

Eine hohe Zustimmung erzielt die Initiative erwartungsgemäss im linken Lager: Die Basis der Grünen steht zu 97 Prozent hinter dem Anliegen, bei den SP- und GLP-Wählern sind es 88 beziehungsweise 85 Prozent. Auch bei den CVP- und BDP-Sympathisanten befürwortet mehr als jeder Zweite das Anliegen, während es im Lager von SVP und FDP klar durchfällt.

Federführend bei der Gegenkampagne ist die CVP – die Partei von Energieministerin Doris Leuthard. Dass dennoch eine Mehrheit der CVP-Wähler mit einem Ja liebäugelt, beunruhigt Kampagnenleiterin Laura Curau nicht: Viele Kantonalsektionen fassten ihre Parolen erst in den kommenden Wochen. «Dann werden sich die Leute intensiv mit der Initiative auseinandersetzen und erkennen, dass die Nachteile klar überwiegen.»

Gegner wollen mit Öko-Argument punkten

Wer die Atomausstiegsinitiative ablehnt, macht dies laut Umfrage oft aus Klimagründen. So argumentierten die Gegner am häufigsten damit, dass Kernenergie sauber sei, während bei einem verfrühten Ausstieg dreckiger Kohlestrom importiert werden müsste. Auf diese Karte setzt die CVP auch in ihrer Gegenkampagne: Eine qualmende Steckdose, aus der Kohlestaub rieselt, wird bald Plakatwände und Social-Media-Plattformen zieren. «Wir wollen keinen schmutzigen Strom aus dem Ausland», so Curau.

Dass ausgerechnet ein ökologisches Argument die Initiative zu Fall bringen könnte, glaubt Grünen-Chefin Rytz nicht. «Das ist billige Stimmungsmache von Kreisen, die sich sonst kaum um die Umwelt kümmern und sogar eine Abgabe auf Dreckstrom zu Fall gebracht haben.» Für die Sympathisanten der Initiative ist das Risiko eines atomaren Unfalls der Hauptgrund für ein Ja, wie die Umfrage zeigt. Auch, dass das Problem der Entsorgung von radioaktivem Atommüll noch nicht gelöst ist, nennen viele als wichtigstes Argument. «Es ist wichtig, dass wir nun über die Risiken und die hohen Kosten der Atomenergie sprechen», so Rytz.

Am meisten Rückhalt können die Initianten in der Romandie erwarten: Dort wollen aktuell 63 Prozent sicher oder eher Ja stimmen. In der Deutschschweiz und im Tessin sind es 55 respektive 51 Prozent.

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Die Stilllegung des AKW Mühleberg ist bereits geplant. Es soll 2019 vom Netz genommen werden.

Die Stilllegung des AKW Mühleberg ist bereits geplant. Es soll 2019 vom Netz genommen werden.

Das erste AKW der Schweiz ist Beznau I. Weil es schon länger als 45 Jahre in Betrieb ist, müsste es ein Jahr nach einer Annahme der Atomausstiegsinitiative vom Netz.

Das erste AKW der Schweiz ist Beznau I. Weil es schon länger als 45 Jahre in Betrieb ist, müsste es ein Jahr nach einer Annahme der Atomausstiegsinitiative vom Netz.

Wegen technischer Probleme waren die Reaktoren längere Zeit abgeschaltet.

Wegen technischer Probleme waren die Reaktoren längere Zeit abgeschaltet.

Tamedia-Abstimmungsumfrage

tamedia.ch/umfragen. (jbu)

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