23.01.2018 21:13

Vermögensverteilung

56'540 Dollar für jeden, würde Reichtum aufgeteilt

280 Billionen Dollar: So viel Vermögen gibt es weltweit. Das meiste davon horten Milliardäre. Wie aber würden wir leben, wenn der Reichtum an alle aufgeteilt würde?

von
Isabel Strassheim
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Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auf, kritisiert der neue Oxfam-Report.

Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auf, kritisiert der neue Oxfam-Report.

Sophia Kembowski
Was aber würde die gleiche Verteilung der weltweiten Vermögen bedeuten? Würde sich der Lebensstandard in der Schweiz senken? Solche Bilder wie vom White Turf in St. Moritz wären Geschichte.

Was aber würde die gleiche Verteilung der weltweiten Vermögen bedeuten? Würde sich der Lebensstandard in der Schweiz senken? Solche Bilder wie vom White Turf in St. Moritz wären Geschichte.

Keystone/Christian Beutler
Auch solche Fotos vom White Turf würde es nicht mehr geben.

Auch solche Fotos vom White Turf würde es nicht mehr geben.

Keystone/Christian Beutler

Das Vermögen von 42 Milliardären macht so viel aus wie das der gesamten ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung. Das Ungleichgewicht zwischen Milliardären und Milliarden armer Menschen nimmt in den meisten Ländern zu, wie eine Oxfam-Studie kritisiert. Die Entwicklungsorganisation fordert vor dem Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos dazu auf, dies zu ändern.

Was aber wäre, wenn die Vermögen weltweit genau gleich verteilt wären? Es geht um 280 Billionen Dollar, die der Global Wealth Report 2017 der Credit Suisse ausweist, auf dem die Oxfam-Studie basiert. Zum Vermögen zählt dabei nicht nur Bargeld, sondern auch Immobilien, Aktien, Derivate und Anleihen zählen dazu. Würden sie zu gleichen Teilen an die ganze Weltbevölkerung verteilt, bekäme laut Credit-Suisse-Report jeder Erwachsene 56'540 Dollar (knapp 55'000 Franken).

80 Prozent der Menschen ginge es besser

«Eine Gleichverteilung würde für gut 80 Prozent der Weltbevölkerung eine Verbesserung bedeuten», sagt Arne Holzhausen zu 20 Minuten. Er ist Mitautor des Global Wealth Report des Versicherungskonzerns Allianz. Vor allem würden die Menschen in Entwicklungsstaaten profitieren. Aber auch in Industriestaaten wie der Schweiz würde das Niveau nicht total sinken: «Ein deutlicher Teil würde zwar ärmer, aber zwischen einem Drittel bis die Hälfte der Bevölkerung würde gewinnen.»

Die absolute Gleichheit der Vermögen ist allerdings gar nicht das Ziel von Oxfam und ihrer Schweizer Partner-Organisation Solidar Suisse.«Uns geht es lediglich um eine Trendumkehr der Polarisierung zwischen Armen und Reichen», sagt Iwan Schauwecker von Solidar Suisse. Dabei geht es nicht nur um die Angleichung der Privatvermögen, sondern auch um genügend Geld für den Staat:«Wenn Milliardäre und Konzerne Steuern nicht mehr umgehen, sind weltweit auch genügend Mittel für öffentliche Schulen und Gesundheit verfügbar.»

Gleiche Vermögen, ungleiche Löhne

Auch der allgemeine Lebensstandard würde sich in der Schweiz

nicht verschlechtern, wenn plötzlich alle gleich viel hätten. Eine Umverteilung der Vermögen würde nicht automatisch eine generelle Angleichung bedeuten: «Die Produktivität und damit auch die Einkommen betrifft das nicht», sagt Arne Holzhausen, der den Global Wealth Report der Allianz betreut. Derzeit verdient man jedoch mit Aktien und anderen Vermögenswerten mehr als mit Arbeit. Die Rendite wächst schneller als das Wirtschaftswachstum. «Auf Dauer geht das nicht», sagt Holzhausen.

Konzerne und Superreiche erhöhten ihre Gewinne, indem sie Löhne drückten und Steuern vermieden, kritisiert Oxfam. «Arbeit belohnen, nicht Reichtum» ist der Titel der Studie zur Vermögensverteilung. Wenn weltweit faire Löhne bezahlt und Arbeitsrechte eingehalten würden, wären allerdings bei uns Handys oder Kleidung teurer. «Doch die Preisunterschiede für Konsumgüter hielten sich in Grenzen – das heutige Fair-Trade-Angebot ist in dieser Hinsicht ein guter Indikator», sagt Schauwecker.

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