Strafgericht BL: 59-Jähriger wegen 85'000 Kinderpornos verurteilt
Publiziert

Strafgericht BL59-Jähriger wegen 85'000 Kinderpornos verurteilt

Ein 59-jähriger Buchhalter sammelte über drei Jahre hinweg kinderpornografisches Material und verbreitete es im Internet. Er wurde schuldig gesprochen.

von
jd
Besitz von 85'000 Kinderpornos: dieser Fall wird im Strafgericht Muttenz behandelt.

Besitz von 85'000 Kinderpornos: dieser Fall wird im Strafgericht Muttenz behandelt.

Anton Müller * legte sich während drei Jahren eine fein säuberlich kategorisierte und mit System abgelegte Sammlung von kinderpornografischen Dateien an. 85'310 illegale Kinderdarstellungen befanden sich auf seinem 2013 sichergestellten Computer sowie drei externen Festplatten. Der Angeklagte hortete 81'000 Bilder und Videos «teils von winzigen Kleinkindern», wie die Richterin betonte. Am Montagmorgen stand der 59-Jährige wegen mehrfachem Erwerb und Herstellung sowie Besitz von verbotener Pornografie vor dem Strafgericht in Muttenz.

«Wie kommt ein Bünzli-Schweizer dazu, drei Jahre lang in diese dunkle Welt abzutauchen?», wollte Richterin Jacqueline Kiss vom Angeklagten wissen. Nach dem Ende einer Beziehung habe er einsam und enttäuscht angefangen, Zeit im Internet zu verbringen, so Müller. Dort sei er auf Abbildungen von Kindern gestossen, die ihn an seine Kindheit erinnert haben, wie er damals mit seinen Eltern FKK-Ferien verbracht habe. Er habe sich schliesslich auf die Suche nach Fotos gemacht und sei immer tiefer in den Strudel von dubiosen Suchdiensten geraten.

«Kinder lassen ihr Leben für Aufnahmen»

«Was mit den abgebildeten Kindern gemacht wird, ist etwas vom Übelsten, was es gibt. Dafür lassen sie ihr Leben und wenn sie es überleben, kämpfen sie bis zuletzt damit», so Kiss. Das sei ihm völlig bewusst, erwiderte der Angeklagte. Er schäme sich für seine Taten und die Kinder täten ihm leid. «Zuerst war ich bloss neugierig und habe meine Verhalten bagatellisiert. Irgendwann später kam die Sucht», so Müller.

Obwohl er damit aufhören wollte, sei es ihm unmöglich gewesen seinem Treiben ein Ende zu setzen, führte er vor dem Dreikammergericht aus. Nebst dem Herunterladen und Speichern des Materials habe er sich auch in Chatrooms aufgehalten und «Unterhaltungen mit absolut widerwärtigem Inhalt geführt», so Kiss.

Sechs Millionen Kopien

Der Verteidiger betonte, dass sein Mandant seit zwei Jahren seine pädophile Neigung im Griff habe sowie kein Bedürfnis mehr verspüre, illegale Pornos zu konsumieren. Er plädierte für eine bedingte Geldstrafe von 450 Tagessätzen.

Die Staatsanwaltschaft hingegen beharrte darauf, dass Müllers Vergehen besonders schwer wiege, da er auf einem Internet-Dateiaustauschdienst pornografische Inhalte geteilt habe. Das Gericht gehe davon aus, dass dadurch sechs Millionen neue Kopien von Müllers Pornosammlung entstanden seien. «Es ist etwas fundamental anderes, ob die Pornografie lediglich für den Eigenkonsum genutzt oder in der ganzen Welt verbreitet werden», führte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer aus und forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten.

Die Richterin schloss sich in der Urteilsverkündung dem Strafmass des Staatsanwalts an. Der Verurteilte muss sich zudem während seiner dreijährigen Probezeit auf eigene Kosten in eine therapeutische Behandlung begeben und trägt die Verfahrenskosten von rund 39'000 Franken. Kiss mahnte den Verurteilten, für immer die Hände von Kinderpornografie zu lassen: «Menschen wie sie sind im Gefängnis in einer schlimmen Situation. Sie werden schrecklich schikaniert und geplagt».

* Name geändert

Deine Meinung