Zweiter Fall innert Tagen: 5G-Antenne in Thun abgefackelt – Mann nach Flucht festgenommen
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Zweiter Fall innert Tagen5G-Antenne in Thun abgefackelt – Mann nach Flucht festgenommen

In der Nacht auf Sonntag wurde in Thun eine Sunrise-Antenne in Brand gesetzt. Ein Mann flüchtete anschliessend auf einem Elektro-Trottinett vor der Polizei. Erpresserschreiben wurde diesmal keines gefunden.

von
Lara Hofer
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Bereits Ende Februar wurde in Uttigen BE eine Swisscom-Antenne in Brand gesetzt. (Bild) Jetzt hat es auch Sunrise getroffen.

Bereits Ende Februar wurde in Uttigen BE eine Swisscom-Antenne in Brand gesetzt. (Bild) Jetzt hat es auch Sunrise getroffen.

20min/Simon Glauser
In der Nacht auf Sonntag wurde in Thun ein Sendemast in Flammen gesetzt. Der Sachschaden beträgt mehrere hunderttausend Franken.

In der Nacht auf Sonntag wurde in Thun ein Sendemast in Flammen gesetzt. Der Sachschaden beträgt mehrere hunderttausend Franken.

20min/Simon Glauser
Die Antenne gehört zwar dem Mobilfunkanbieter Sunrise. Sie wurde jedoch auch von Swisscom und Salt verwendet.

Die Antenne gehört zwar dem Mobilfunkanbieter Sunrise. Sie wurde jedoch auch von Swisscom und Salt verwendet.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Eine unbekannte Täterschaft hat in der Nacht auf Sonntag eine 5G-Antenne angezündet.

  • Sie gehört dem Mobilfunkanbieter Sunrise, wurde jedoch auch von Swisscom und Salt verwendet.

  • Laut Sunrise haben sich solche Vandalenakte in den letzten Jahren verdoppelt.

  • Erst vor wenigen Wochen hatte eine 5G-Antenne in Uttigen BE gebrannt. Vor Ort hatte die Polizei ein Erpresserschreiben gefunden.

Schon wieder brannte eine 5G-Antenne: In der Nacht auf Sonntag wurde in Thun ein Sendemast des Mobilfunkanbieters Sunrise in Flammen gesetzt. Die Kantonspolizei Bern geht von Brandstiftung aus. Der Sachschaden beläuft sich laut Sunrise auf mehrere hunderttausend Franken.

Bereits Ende Februar war eine Antenne in Uttigen BE in Flammen gesetzt worden. Damals hatte die Polizei ein Erpresserschreiben vorgefunden . Die Forderung: Swisscom, Sunrise und Salt sollen Millionenbeträge für Kinder in Afrika spenden, um weitere Brandanschläge zu verhindern. Das Schreiben sei allerdings nicht abschliessend einzuordnen, sagt Kapo-Sprecher Christoph Gnägi. Der Text weise zwar erpresserische Passagen auf, jedoch würden jegliche Fristen und konkrete Angaben fehlen.

Mann flüchtet auf E-Trottinett

Ob und inwiefern der Brandanschlag in Thun mit dem Uttigen-Vorfall zusammenhängt, sei noch unklar. «Ein möglicher Zusammenhang mit dem Brand in Uttigen wird derzeit überprüft», so Gnägi. Bei dem Sendemast in Thun sei jedoch kein weiteres Erpresserschreiben gefunden worden.

Im Rahmen der Suche nach der Täterschaft wurde jedoch ein verdächtiger Mann angehalten. Dieser hielt sich in der Ereignisnacht bei einer anderen Antenne in der Region auf. Als ihn die Polizei kontrollieren wollte, sei der Mann mit einem Elektro-Trottinett geflüchtet, sagt Gnägi. Die Patrouille habe ihn daraufhin verfolgt und im Dickicht des Gwatter Waldes schliesslich mit einem Diensthund anhalten können. Der Mann wurde für weitere Abklärungen auf eine Polizeiwache gebracht. Ob und inwiefern er mit dem Brand des Sendemastes in Verbindung steht, ist laut Gnägi noch unklar.

«Vandalenakte haben sich verdoppelt»

Fest steht indes, dass die Brandstiftungen für die Mobilfunkanbieter schwerwiegende Folgen haben: «Der Sachschaden könnte sich auf mehrere hunderttausend Franken belaufen, auch, weil der Strommast beschädigt wurde», sagt Rolf Ziebold, Mediensprecher bei Sunrise UPC. Ob die Antenne wieder in Stand gebracht werden kann oder komplett ersetzt werden muss, sei noch unklar. «Wir werden den gemeinsamen Antennenstandort mit Swisscom und Salt jedoch so schnell wie möglich wiederherstellen.» Denn eine solche Beschädigung könne für die Kundinnen und Kunden in der Region zu eingeschränkten Verbindungen und langsamerem Internet führen. Dennoch hätten sich solche Beschädigungsvorfälle in den letzten zwei Jahren ungefähr verdoppelt.

Thun wehrt sich gegen neue Antennen

Um sich vor weiteren Attacken zu schützen, überprüft Sunrise UPC laufend die Sicherheitsvorkehrungen. «Wenn nötig, werden wir die Sicherheitsmassnahmen nun zusätzlich verstärken», so Ziebold. Die Antennen seien jedoch bereits jetzt sehr gut gesichert. «Sie sind nicht ohne Gewaltanwendung zugänglich.» Die Swisscom möchte sich nicht zu ihren Sicherheitsmassnahmen äussern.

Doch auch gewaltlos ist ein Protest gegen neue Antennen möglich: In den letzten Jahren sind in Thun immer wieder schriftliche Einsprachen gegen den Bau neuer Sendemäste eingegangen. 353 Personen wehrten sich beispielsweise im Jahr 2019 gegen die Umrüstung einer Sunrise-Antenne an der Seestrasse auf 5G. Gegen eine geplante Anlage an der Schulstrasse gingen sogar über 600 Unterschriften ein.

Debatte um 5G-Antennen

5G ist ein Mobilfunkstandard, der seit 2019 an Verbreitung gewinnt – auch in der Schweiz. Der Vorteil der 5G-Technologie ist das flexiblere und schnellere Netz. Mit der gleichen Anzahl an Rechnern können parallel mehrere Netze betrieben und mehr Daten übertragen werden. Andererseits ist die neue Technologie sehr komplex – und stösst in der Bevölkerung vielerorts auf Ängste und Widerstand. Die Gegnerinnen und Gegener der 5G-Antennen verlangen oftmals längerfristige Erkenntnisse über die gesundheitliche Auswirkungen der 5G-Strahlung auf Mensch und Tier. Laut einer Umfrage von 20 Minuten aus dem Jahr 2019 glauben 58 Prozent aller Befragten, dass die 5G-Strahlung ihrer Gesundheit schadet. 54 Prozent sprachen sich gegen den flächendeckenden Ausbau von 5G-Antennen aus.

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