Aktualisiert 10.01.2020 14:41

Neue Frequenzen

5G gefährdet Genauigkeit der Wettervorhersagen

Meteorologen sind besorgt: 5G-Anlagen verdrängten Frequenzen, die für Wettersatelliten wichtig sind. Das habe Wirkungen auf die Datenqualität.

von
dk

Die Auswirkungen der neuen Mobilfunktechnologie 5G werden derzeit kontrovers diskutiert. Jetzt schalten sich auch die Meteorologen ein. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) ist alarmiert: «Der Wettlauf um 5G droht andere von den Funkfrequenzen abhängige Technologien zu verdrängen – einschliesslich jener der weltweit kritischen nationalen Unwetter-Frühwarnsysteme», sagt der Meteorologe und Frequenzexperte Eric Allaix von der WMO zu 20 Minuten.

«Die Interferenzen durch den neuen 5G-Mobilfunkstandard kann den Betrieb der bestehenden Erdbeobachtungssatellitensysteme gefährden und die Wettervorhersage deutlich unzuverlässiger machen.»

5G-Ausbau als Problem

Grund für die Besorgnis: Auch 5G will die begrenzt vorhandenen 24-Gigahertz-Frequenzbänder nutzen, die derzeit für Wettersatelliten reserviert sind. Dagegen wehrte sich die WMO, denn jüngst beriet an der Weltkonferenz für die Frequenzverteilung über 160 Länder – unter anderem die Schweiz – darüber, wer auf welchen Wellenlängen funken darf.

Für genaue Wettervorhersagen seien zahlreiche Satelliten mit Sensoren ausgerüstet, die den Wasserdampf und die solare und thermische Strahlungsflüsse zwischen der Atmosphäre und der Erdoberfläche messen würden, erklärt Meteorologe Allaix. Durch den 5G-Ausbau würden diese Messungen nicht mehr genau stattfinden können. «Das wird enorme Auswirkungen auf kurzfristige Wettervorhersagen haben, aber auch auf unsere Fähigkeit, verlässliche Daten zur Analyse des Klimawandels zu sammeln.»

Auch in der Schweiz ein Thema

Auch Meteo Schweiz ist besorgt: «Einige der Wettersatelliten-Messtechnologien benutzen elektromagnetische Wellen, deren Frequenz in der Nähe der 5G-Frequenzen liegen», sagt Sprecherin Nina Aemisegger. «Zu starke 5G-Signale können die Messungen der Satelliten beeinträchtigen und stören.» Der Schutz von wissenschaftlich genutzten Frequenzbändern bleibe für die Schweiz darum ein wichtiges Thema. Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) und das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (Meteo Schweiz) würden dabei eng zusammenarbeiten

Eine Alternative zur satellitengestützten Wetterbeobachtung gebe es nicht: «Die dafür verwendeten Frequenzen hängen von der atomaren Struktur der Wasserdampf-Moleküle ab.» Ziel sei deshalb eine Minimierung der Auswirkungen von 5G auf diese Sensoren. Zwar seien in der Schweiz und in Europa im Vergleich zu den USA tiefere Limiten für die Störpegel durch 5G vorgesehen. Aemisegger: «Die Qualität der globalen numerischen Wetterprognose beeinflusst aber immer auch die Qualität der Wetterprognosen in der Schweiz.»

Um die Störung durch 5G zu minimieren, erwägt der Bund neben Grenzwerten auch technische Massnahmen wie den Einbau von Filtern in 5G-Antennen. Diese Kosten müssten die Hersteller berücksichtigen.

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