Handel mit Hustensaft: «6.85 Franken im Laden und 80 auf der Strasse»
Aktualisiert

Handel mit Hustensaft«6.85 Franken im Laden und 80 auf der Strasse»

Apotheker müssen die Abgabe des oft als Rauschmittel verwendeten Hustensaft Makatussin in Zukunft dokumentieren. Dies treibt wiederum die Schwarzmarkt-Preise in die Höhe. Ein Berner Dealer erzählt.

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rc
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Experten schätzen, dass mittlerweile rund 80% des Makatussin-Konsums missbräuchlich sind.

Experten schätzen, dass mittlerweile rund 80% des Makatussin-Konsums missbräuchlich sind.

Screenshot TVO
Oft wird das Medikament als Purple Drank oder Sizzurp konsumiert. Dieser besteht aus codeinhaltigem Hustensaft, einer Limonade und zerkrümelten Bonbons.

Oft wird das Medikament als Purple Drank oder Sizzurp konsumiert. Dieser besteht aus codeinhaltigem Hustensaft, einer Limonade und zerkrümelten Bonbons.

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Der Rapper Lil Wayne steht zu seiner Abhängigkeit.

Der Rapper Lil Wayne steht zu seiner Abhängigkeit.

Donald Traill

Der codeinhaltige Hustensaft Makatussin ist ab dem 1. Januar 2019 dokumentationspflichtig. Für die Konsumenten ändert sich dadurch nicht viel: Schon heute geben die meisten Apotheken den Hustensaft nicht ohne Rezept heraus, vor allem nicht an Jugendliche. Denn das Medikament wird oftmals als Rauschmittel missbraucht: «Wir gehen davon aus, dass mittlerweile 80 Prozent des Makatussin-Konsums missbräuchlich sind», sagt der Berner Kantonsapotheker Samuel Steiner.

Gerade weil der Hustensaft nun derart schwierig zu bekommen ist, boomt er nun auf dem Berner Schwarzmarkt. Auf den Strassen wird Makatussin teuer gehandelt. «Die Nachfrage und der Profit sind gross», sagt ein junger Mann aus Bern, der den Sirup in kleineren Mengen weiterverkauft, gegenüber 20 Minuten. Er selber beziehe das Makatussin bei einem Apotheker aus einem anderen Kanton, der ihm die Fläschchen gegen Aufpreis ohne Rezept weitergebe.

Das Geschäft in Bern sei lukrativ. Für den berauschenden Hustensaft seien die Leute bereit, bis zu 80 Franken pro Fläschchen zu zahlen: «In der Apotheke kostet ein Fläschchen lediglich 6,85 Franken», so der Dealer.

Entzug genauso schwer, wie der von Heroin

Er erzählt weiter, dass es in Bern mittlerweile auch Leute gibt, die selbstgemachten «Hustensaft» verkaufen würden. «Diese Personen mischen Medikamente wie Xanax, Temesta und Aspirin mit Sirup und verkaufen ihn als Hustensaft.» Doch vor diesen Drogen-Cocktails warnt sogar der Dealer: «Man weiss nicht, was man bekommt. Da kann alles drin sein.» Doch nicht nur der selber hergestellte Hustensaft gefährdet die Gesundheit. Nur schon der Wirkstoff Codein, der in den meisten stärkeren Hustensäften enthalten ist, macht abhängig und hat schon zu mehreren Todesfällen geführt.

Deswegen wird im Internet vor der Droge gewarnt. Auf der Plattform Saferparty.ch steht, dass ein Entzug bei längerer Einnahme genau so lang und schmerzhaft sein kann wie bei Heroin. Kein Wunder, denn auch der Wirkstoff Codein gehört zur Gruppe der Opiate. Laut Experten kann er rasch zu einer Abhängigkeit führen, die Entzugserscheinungen wie Krämpfe und Übelkeit mit sich bringt. Diese sind zudem erheblich stärker als bei anderen Drogen.

Trend im Rapper-Milieu

Der Trend, Hustensaft mit Limonade zu trinken entstand Ende der 1990er-Jahre in den Vereinigten Staaten. Dort wurde der Konsum in der Hip-Hop-Szene immer mehr glorifiziert. Bekannte Rapper wie Lil' Wayne waren zunehmend nur noch mit einem Becher «Sizzurp», wie es im Slang genannt wird, zu sehen. Im Jahr 2009 gab der US-Rapper dann offen zu, dass er von der Partydroge abhängig sei. Vier Jahre später wurde Lil' Wayne von seinem Bodyguard ohnmächtig aufgefunden und ins Krankenhaus eingeliefert. Er lag wegen seines Codein-Konsums danach in kritischem Zustand im Koma, überlebte aber und schwor der Droge ab.

Trotz der Überdosis von 2013 wurde er allerdings rückfällig und konsumiert die Droge bis heute weiter. Während der Trend von Amerika nach Europa und auch nach Bern überschwappt, wurde der Hustensaft-Konsum von amerikanischen Rappern zunehmend verteufelt. Denn mehrere Rapper starben durch den Missbrauch und es wurde zunehmend uncooler die Droge zu konsumieren. Im Gegensatz zu den USA wird der Missbrauch in Europa immer noch glorifiziert. Deutsche Rapper wie Medikamenten Manfred oder Hustensaft Jüngling machen es vor.

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