Sanierung: 6 Alternativen zur zweiten Gotthardröhre
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Sanierung6 Alternativen zur zweiten Gotthardröhre

Bahnverlad, zweite Passstrasse oder ein ausgebauter Sicherheitsstollen: Kritiker wollen die Gotthard-Vorlage mit Alternativvorschlägen zu Fall bringen.

von
daw

Verkehrsministerin Doris Leuthard ist bei der Gotthard-Abstimmung auf Kurs: Laut der gewichteten 20-Minuten-Umfrage sprechen sich 56 Prozent der Schweizer für eine zweite Röhre am Gotthard aus. Nach dem Bau des zweiten Tunnels soll der bestehende saniert werden. Kritiker der Vorlage haben allerdings eine Reihe von Alternativen ins Spiel gebracht.

Auto- und Bahnverlad

Statt einer zweiten Röhre könnte ein Auto- und Lastwagenverlad eingerichtet werden. Eine Sanierung ohne zweite Röhre ist gemäss dem Bundesamt für Strasse (Astra) «machbar». Sie kostet je nach Dauer der Sommeröffnung des Tunnels zwischen 1,2 und 2 Milliarden Franken – deutlich weniger als die Variante mit einer zweiten Röhre, die mit 2,8 Milliarden Franken zu Buche schlägt. Die Gegner argumentieren, dass Betrieb und Unterhalt der zweiten Röhre in den nächsten 40 Jahren weitere 1 bis 1,6 Milliarden Franken verschlingt. Dagegen sagen die Befürworter, dass die Lösung dauerhaft sei.

Sanierung in der Nacht

Ein Bericht hat gezeigt, dass der bestehende Tunnel mit einigen nächtlichen Sanierungen sicher bis 2035 betrieben werden kann. Laut der NZZ bliebe genug Zeit, um die «naheliegendste und kostengünstigste» Variante einer «etappierten Sanierung der bestehenden Röhre in nächtlichen Zeitfenstern» noch einmal zu prüfen. «Sie wäre eine Herausforderung für Ingenieure und Bauunternehmen, böte diesen aber Gelegenheit, Innovationen zu entwickeln», schrieb die Zeitung. Für Astra-Sprecher Thomas Rohrbach undenkbar: «Die Massnahmen lassen sich nicht im Rahmen von ein paar Sperrnächten erledigen.» Eine Vollsperrung für die umfassende Sanierung sei unumgänglich – unter anderem, weil gewisse Arbeiten Sprengungen erforderten.

Zweite Passstrasse

Diese Variante hat die Bündner Ingenieurslegende Christian Menn entwickelt. Er will eine zweite Passstrasse analog zur San-Bernardino-Strecke, an deren Planung er beteiligt war. In der Menn-Variante ist lediglich ein Scheiteltunnel auf 1650 Metern über Meer nötig, der mit 6,7 Kilometern Länge rund zehn Kilometer kürzer ist als der geplante Tunnel. Laut Berechnungen des Brückenbauers würde der Bau rund 700 Millionen Franken weniger kosten. Beim Bund heisst es, die besten Experten hätten über 200 Varianten geprüft. Ein Scheiteltunnel werde «garantiert teurer als kolportiert», zudem drohten in der Schöllenen Lawinen und Steinschlag.

Sicherheitsstollen ausbauen

Unzufrieden mit der Vorlage ist auch Baumeister Heinz Simonet. Sein Vorschlag: Statt eines gänzlich neuen Tunnels soll der Sicherheitsstollen wie beim Fréjus-Tunnel zwischen Frankreich und Italien zur zweiten Röhre ausgebaut werden. «Das ist schneller und billiger», so der Gotthard-Kenner. Laut Astra-Sprecher Rohrbach hat der Bund aber auch diese Variante geprüft und verworfen.«Gegenüber dem Bau einer neuen zweiten Röhre bringt sie keinen Kostenvorteil und die Arbeiten würden länger dauern.»

Pass länger öffnen

Die Passstrasse könnte bei einer Sanierung ohne zweite Röhre länger offen bleiben. «Eine Verkürzung der Wintersperre von den bisher üblichen rund 210 Tagen auf 150 Tage ist eine Möglichkeit, um den Verkehr besser bewältigen zu können», schreibt das Astra auf seiner Homepage. Dazu seien aber zusätzliche Galerien oder vermehrte Lawinensprengungen erforderlich. Laut Verkehrsministerin Doris Leuthard ist eine ganzjährige Öffnung der Passstrasse allerdings nicht möglich: «Die Gotthard-Passhöhe liegt auf 2100 Meter über Meer. Im Winter liegen bis zu 5 Meter Schnee.» Die Natur lasse sich nicht von der Politik bestimmen.

Versenkbare Mittelleitplanken

Die Befürworter argumentieren, dass die Sicherheit durch eine zweite Röhre verbessert werde, weil nach der Sanierung der Gegenverkehr entfällt. Für die Gegner ein schwaches Argument: Sie setzen auf den Einbau versenkbarer Mittelleitplanken, die tödliche Frontalkollisionen verhindern sollen. Laut EVP-Nationalrätin Maja Ingold kommt das 40-mal billiger als eine zweite Röhre.

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