17.07.2018 03:45

Raiffeisen-CEO

6 Gründe, warum dieser Bankenboss bald weg ist

Für den CEO der Raiffeisenbank wird es eng: Der Verwaltungsrat befasst sich mit der Personalie Patrik Gisel. Das sind die Gründe, die gegen ihn sprechen.

von
R. Knecht
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Der Verwaltungsrat der Raiffeisenbank befasst sich derzeit offenbar mit der Personalie Gisel.

Der Verwaltungsrat der Raiffeisenbank befasst sich derzeit offenbar mit der Personalie Gisel.

Keystone/Davide Agosta
Hans Geiger, Bankenexperte und emeritierter Professor an der Uni Zürich, sagt zu 20 Minuten: «Ende Jahr ist Gisel wohl nicht mehr bei der Raiffeisen.»

Hans Geiger, Bankenexperte und emeritierter Professor an der Uni Zürich, sagt zu 20 Minuten: «Ende Jahr ist Gisel wohl nicht mehr bei der Raiffeisen.»

Keystone/Peter Klaunzer
Gegen Gisel, der das Amt des CEO seit 2015 innehat, spricht viel.

Gegen Gisel, der das Amt des CEO seit 2015 innehat, spricht viel.

Keystone/Siggi Bucher

Dass Patrik Gisel, CEO der Raiffeisenbank, noch lange beim Unternehmen bleiben darf, wird immer unwahrscheinlicher. Für den Verwaltungsrat (VR) von Raiffeisen ist die Personalie Gisel ein Thema, wie Recherchen der «Schweiz am Wochenende» zeigen. Auch Hans Geiger, Bankenexperte und emeritierter Professor an der Uni Zürich, sagt zu 20 Minuten: «Ende Jahr ist Gisel wohl nicht mehr bei Raiffeisen.» Gegen den Banker, der das Amt des CEO seit 2015 innehat, spricht viel. Eine Übersicht:

• Neuanfang ist unmöglich

Gisel ist seit 2000 bei der Raiffeisenbank und war jahrelang die Nummer zwei von Pierin Vincenz, der damals CEO war und dem nun Vorwürfe wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung gemacht werden. «Gisel war einfach Teil des Systems», so Geiger. Wenn die Bank sich von dieser Vergangenheit distanzieren will, heisst das zwangsläufig auch, dass sie sich von Gisel distanzieren muss.

• Vorwürfe gibts so oder so

Sollte der ehemalige Vize-Chef von Vincenz' Machenschaften etwas gewusst und nichts gesagt haben, wäre das Grund genug, ihm nicht mehr zu vertrauen. Aber selbst wenn er nichts gemerkt hat, entkommt er der Skepsis nicht: Wie kann der VR auf einen CEO setzen, der trotz jahrelanger dubioser Geschäfte seines engsten Mitarbeiters nie misstrauisch wurde? «Gisel hat bewusst weggeschaut, sonst hätte er etwas merken müssen», ist Geiger überzeugt.

"Einer der schwierigsten Schritte im Leben"

Raiffeisen-CEO Patrik Gisel im Interview.

Patrik Gisel gab sich von den Enthüllungen über Pierin Vincenz erschüttert. (Video: dob)

• Es gibt bereits Kandidaten

Laut «Inside Paradeplatz» werden bereits zwei Kandidaten als Gisels potentielle Nachfolger gehandelt: Raiffeisen-Finanzchef Christian Poerschke und Urs Gauch, der momentan das Departement Firmenkunden der Bank leitet. Vielen Beobachtern wäre es allerdings wohler, wenn der Neuanfang mit einem externen Kandidaten stattfände. Ausschlaggebend für die Wahl dürfte der VR-Präsident sein. Diesen Posten hat derzeit interimistisch Pascal Gantenbein inne, der Gisel bisher das Vertrauen aussprach. Im November soll Gantenbeins Posten definitiv besetzt werden, von wem, ist noch offen.

• Gisel hat Feinde bei Raiffeisen

Zwar stärkt der interimistische VR-Präsident Gantenbein Gisel noch den Rücken, doch es gibt Genossenschafter, die sich offen gegen den CEO aussprechen: «Alle Verantwortlichen aus der Ära Vincenz müssen weg, auch der heutige CEO Gisel», zitiert etwa der «Blick» Marc Kaeslin, VR-Präsident der Raiffeisenbank Horw. Zudem scheinen Konzernmitglieder dem CEO schaden zu wollen, indem sie gezielt Informationen an die Presse weitergeben: Bevor der streng geheime Finma-Bericht zu Vincenz in voller Länge an die Medien gelangte, war es zuerst nur eine einzige Seite. Diese belastete ausgerechnet Gisel, der sonst kaum im Bericht vorkommt.

• Klumpenrisiko übersehen

Aus dem Untersuchungsbericht der Finma zur Vincenz-Affäre geht laut Medienberichten hervor, dass die Geschäftsleitung ein sogenanntes Klumpenrisiko nicht erkannt habe. Konkret nahm die Raiffeisen-Gruppe bei der Investment-Firma Leonteq durch verschiedene Kredite und Aktienkäufe ein Risiko von über einer halben Milliarde Franken auf sich. Weder CEO Vincenz noch sein Stellvertreter Gisel wollen das bemerkt haben. Experte Geiger hat Zweifel: «Es kann gar nicht sein, dass eine Bank wie die Raiffeisen ein Klumpenrisiko nicht bemerkt.» Zudem äussern einige Medien den Verdacht, Vincenz und Gisel hätten sich mit ihrem Leonteq-Engagement selbst bereichern wollen.

• Gisels Informatik zickt

In seiner Kapazität als Informatikchef hat Gisel die IT-Plattform der Bank ersetzt – und sie funktioniert bis heute noch nicht richtig. Bei den ersten Banken, die mit dem System zu arbeiten begannen, gab es im März prompt Fehler: Die Hypothekarzinsen wurden falsch berechnet. Zudem soll der 500 Millionen Franken schwere Auftrag an die IT-Firma Avaloq längst viel mehr kosten als ursprünglich geplant – das berichtet zumindest der Finanzblog «Inside Paradeplatz». «Die Informatik war seine Kompetenz», so Geiger. Dass gerade sein langjähriges Projekt solche Probleme verursacht, wirft kein gutes Licht auf Gisel.

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