Die Menge machts - 6 Warnzeichen für Vitamin-D-Mangel – und wie du diesem vorbeugen kannst
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Viel hilft nicht viel6 Warnzeichen für Vitamin-D-Mangel – und wie du diesem vorbeugen kannst

Vitamin D ist für den menschlichen Körper lebenswichtig. Denn das Hormon ist für viele wichtige Funktionen zuständig. Ein Mangel kann deswegen gefährlich werden, genauso wie eine Überdosierung.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Die Hauptquelle für Vitamin D stellt die Sonne dar. Sie trägt 80 bis 90 Prozent zur Vitamin D-Versorgung bei.

Die Hauptquelle für Vitamin D stellt die Sonne dar. Sie trägt 80 bis 90 Prozent zur Vitamin D-Versorgung bei.

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Entsprechend gut versorgt sind die meisten Menschen im Sommer.

Entsprechend gut versorgt sind die meisten Menschen im Sommer.

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Anders sieht das jedoch in Herbst und Winter aus, wenn die Tage dunkler und kürzer sind und die Menschen mehr und längere Kleidung tragen. Dann kann es zu einer Unterversorgung mit Vitamin D kommen. 

Anders sieht das jedoch in Herbst und Winter aus, wenn die Tage dunkler und kürzer sind und die Menschen mehr und längere Kleidung tragen. Dann kann es zu einer Unterversorgung mit Vitamin D kommen.

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Darum gehts

  • Ein guter Vitamin-D-Spiegel ist wichtig für die Gesundheit.

  • Auf eigene Faust sollte man den Stoff allerdings nicht supplementieren.

  • Denn nicht nur der Mangel, auch ein Überschuss an Vitamin D ist gefährlich.

Das Sonnenvitamin D – streng genommen kein Vitamin, sondern ein Hormon – ist ein wahrer Tausendsassa. So ist es für ein gesundes Immunsystem wichtig und spielt auch beim Knochenaufbau und der Zahnbildung eine relevante Rolle. Zudem soll es das Gehirn stärken. Auch vor Krebs soll es schützen, genauso wie vor Osteoporose, Parkinson, Diabetes und Demenz. Ist es nicht in ausreichender Menge im Körper vorhanden, kann es zu gesundheitlichen Problemen kommen. Aber auch, wenn es davon zu viel im Körper hat. Ein Überblick.

Wozu braucht der Körper Vitamin D überhaupt?

Vitamin D fördert die Aufnahme von Calcium und Phosphat im Darm sowie deren Einbau in die Knochen und ist deshalb wichtig für eine gesunde Knochen- und Zahnbildung. Eine Vitamin D-Unterversorgung führt zu Knochenkrankheiten, ein schwerer Vitamin D-Mangel bei Kindern zu Rachitis und bei Erwachsenen zu Osteomalazie (Knochenerweichung).

Vitamin D ist aber auch noch an anderen Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt und hat ausserdem Einfluss auf die Muskelkraft. «Wir gehen auch davon aus, dass es einen Einfluss auf unsere Stimmung, die Gedächtnisleistung und das Infekt-Risiko hat», so Heike Bischoff-Ferrari, Direktorin der Klinik für Geriatrie am Unispital Zürich sowie Chefärztin der Universitären Klinik für Akutgeriatrie im Stadtspital Waid und Triemli. Sie leitet ausserdem die grosse europäische Altersstudie zu Vitamin D, «Do-Health» (siehe Box).

Schutz vor Atemwegsinfekten

In einer im Fachjournal «The Lancet Diabetes and Endocrinology» veröffentlichten Studie über Vitamin-D-Supplementierung, in welche die Daten aus Untersuchungen aus aller Welt eingeflossen sind, kommen die Autorinnen und Autoren zu dem Schluss, dass das Hormon das Risiko von akuten Atemwegsinfekten deutlich senken kann. Dies allerdings nicht, wenn es in Form sogenannter Bolusgaben verabreicht wird, also hohen Dosen innerhalb eines kurzen Zeitraums, um schnell auf das Niveau der Effektivdosis zu kommen. Dann bringt Vitamin D keinen Vorteil.

Anders ist es jedoch, wenn das Hormon täglich in Dosen von 400 bis 1000 IE eingenommen wird. Dann vermindert sich das Risiko von akuten Atemwegsinfekten um 30 Prozent. Die Menge entspricht in etwa «der Dosierung von 600 bis 800 IE pro Tag, die heute bereits vom Bundesamt für Gesundheit als volksgesundheitliche Präventionsmassnahme für die Knochengesundheit bei Erwachsenen empfohlen wird», so Bischoff-Ferrari.

Vitamin D gilt als Sonnenvitamin – warum?

Die UVB-Strahlen der Sonne regen die körpereigene Vitamin-D-Bildung in der Haut an. Wie gut es gebildet werden kann, ist abhängig von Breitengrad, Jahres- und Tageszeit, Witterung, Kleidung, Aufenthaltsdauer im Freien sowie dem Hauttyp. Auch die Verwendung von Sonnenschutzmitteln spielt eine Rolle. Sie können die körpereigene Produktion vermindern. Das bedeutet, dass der Beitrag der körpereigenen Bildung zur Vita­min- D-Versorgung individuell stark schwanken kann. Somit kann der körpereigene Beitrag zur Vitamin D-Versorgung nicht pauschal bestimmt werden.

Im Winter hat es weniger Sonne. Was heisst das für den Vitamin-D-Spiegel?

Vitamin D kann im Körper gespeichert werden. Diese Speicher tragen zur Vitamin D-Versorgung im Winter bei, wenn in unseren Breitengraden verhältnismässig wenig Sonne scheint.

Reicht der Vitamin-D-Vorrat für den Winter?

Jein. Zwar ist die Speicherkapazität – das Vitamin D wird hauptsächlich in Fett- und Muskelgewebe, aber auch in der Leber gespeichert – relativ gross und trägt zur Vitamin D-Versorgung im Winter bei. Es spielt allerdings eine Rolle, wie gut dieser Speicher in der sonnigen Jahreszeit gefüllt wurde. Zudem leert sich der Speicher auch.

Über die Nahrungsaufnahme Vitamin-D-haltiger Lebensmittel lässt sich der Speicher ebenfalls, aber nur minimal füllen. Grosse Mengen sind in Fettfischen wie Lachs, Hering oder Makrele enthalten. Ebenfalls Vitamin D enthalten Hühnereier (vor allem das Eigelb), Leber, Pilze wie Pfifferlinge oder Champignons und mit Vitamin D angereicherte Margarine. Über die Ernährung mit den üblichen Lebensmitteln werden in unseren Breitengraden nur zwei bis vier Mikrogramm Vitamin D pro Tag zugeführt.

Wann besteht Vitamin-D-Mangel?

Gemäss Bundesamt für Gesundheit BAG liegt ein Vitamin-D-Mangel vor, wenn die 25-Hydroxyvitamin-D-Konzentration im Blut weniger als 50 Nanomol pro Liter Blutserum beträgt. Von einem schwerwiegenden Mangel spricht man bei einem Wert von unter 25 nmol/l. In Fachkreisen herrscht jedoch kein Konsens darüber, ab wann ein Vitamin-D-Mangel festzustellen ist.

Was passiert bei Vitamin-D-Mangel?

Das kommt auf das Alter an, in dem dieser auftritt. Bei Säuglingen und Kindern werden die Knochen nicht ausreichend mineralisiert. Das heisst: Sie bleiben weich und können sich verformen. Fachleute nennen die Erkrankung Rachitis. Tritt der Mangel im Erwachsenenalter auf, kann es auch zu einer Störung des Knochenstoffwechsels kommen. Durch die Demi­neralisierung des Knochens können die Knochen weich werden (Osteomalazie). Besonders im höheren Alter kann ein Vitamin D-Mangel zur Entstehung von Osteoporose beitragen. Was erste Anzeichen für einen Vitamin-D-Mangel sein können, erfährst du in der obigen Bildstrecke.

Sollte deshalb im Winter supplementiert werden?

Nur nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt. Denn laut mehreren Studien bringt es bei gesunden, aktiven Menschen nichts, Vitamin D vorbeugend einzunehmen. Zudem ist zu viel Vitamin D auch nicht gut.

Warum ist zu viel Vitamin D schädlich?

Bei einer längerfristig zu hohen Einnahme von Vitamin D kommt es im Körper zu einem erhöhten Kalziumspiegel (Hyperkalzämie), der akut zu Übelkeit, Appetitlosigkeit, Bauchkrämpfen, Erbrechen oder in schweren Fällen zu Nierenschädigung, Herzrhythmusstörungen, Bewusstlosigkeit und Tod führen können. Da Vitamin D im Körper gespeichert werden kann, ist neben einer akuten auch eine schleichende Überdosierung möglich, so die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE.

Gibt es Personen, bei denen Vitamin-D-Mangel wahrscheinlicher ist?

Zu den Risikogruppen gehören Menschen, die sich kaum oder gar nicht im Freien aufhalten (können) oder – etwa aus kulturellen oder religiösen Gründen – nur mit gänzlich bedecktem Körper nach draussen gehen, wie das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung schreibt. Auch Personen mit dunkler Hautfarbe stellen eine Risikogruppe dar, da sie aufgrund des hohen Melaningehalts in der Haut weniger Vitamin D bilden können als Menschen mit heller Haut. Auch Ältere laufen Gefahr, mit Vitamin D unterversorgt zu sein, da die Vitamin-D-Bildung im Alter deutlich abnimmt und ältere Menschen weniger Zeit im Freien verbringen. Ebenso zur Risikogruppe zählen Säuglinge.

Angenommen, die Vitamin-D-Supplementierung wird empfohlen. Zu welcher Tageszeit sollte man Vitamin D einnehmen?

Die Tageszeit spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass Vitamin-D-Präparate zu einer Mahlzeit eingenommen werden, da es ein fettlösliches Vitamin ist und dadurch die Aufnahme verbessert wird.

Hat Vitamin D Einfluss auf den Covid-19-Verlauf?

Im Oktober 2020 publizierte die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) ein Positionspapier, in der ein Zusammenhang zwischen einer Unterversorgung von Vitamin D und anderen Nährstoffen und der vergleichsweise hohen Infektions- und Sterberate bei Coronapatienten in der Schweiz hergestellt wurde. Aber kurz nach der Veröffentlichung war es auch schon wieder von der Website verschwunden. Stattdessen fand man dort eine Berichtigung der SGE vor: Man habe nicht den Eindruck erwecken wollen, dass Vitamin D an die gesamte Bevölkerung zur Bekämpfung des Coronavirus abgegeben werden müsse. Richtig sei, «dass eine ausgewogene Ernährung die beste Basis für ein gut funktionierendes Immunsystem ist.» Die SGE bleibt allerdings dabei, dass Vitamin D für gewisse Bevölkerungsgruppen sinnvoll und notwendig ist. Etwa Menschen in der Risikogruppe sowie Schwangere und Stillende. Die Einnahme von Supplementen sollte jedoch immer mit der Ärztin oder dem Arzt abgesprochen werden.

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