Aktualisiert 10.10.2016 11:56

Arbeitsmarkt60'000 Jugendliche sind nicht beim RAV gemeldet

Die offizielle Statistik gibt an, dass rund 20'000 Jugendliche arbeitslos seien. Der Ökonom Michael Siegenthaler weiss jedoch, dass es eigentlich viel mehr sind.

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qll
Die offizielle Statistik gibt an, dass 20'640 Jugendliche arbeitslos seien. Der Ökonom Michael Siegenthaler weiss jedoch, dass  je nach Quartal 25'000 bis 60'000 nicht registrierte Jugendliche ebenfalls nach Arbeit suchen.

Die offizielle Statistik gibt an, dass 20'640 Jugendliche arbeitslos seien. Der Ökonom Michael Siegenthaler weiss jedoch, dass je nach Quartal 25'000 bis 60'000 nicht registrierte Jugendliche ebenfalls nach Arbeit suchen.

Keystone/Gaetan Bally

20'640 Jugendliche – so viele sind gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in der Schweiz arbeitslos. In dieser Statistik werden jedoch lediglich die 15- bis 24-Jährigen erfasst, die bei einem regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) registriert sind. Die Zahl der arbeitssuchenden Jugendlichen ist jedoch viel höher, wie die «Sonntagszeitung» schreibt. So kamen auf jeden registrierten Jugendlichen im zweiten Quartal drei nicht-registrierte.

Bei den RAV waren in den letzten Jahren jeweils nur rund 10'000 bis 20'000 arbeitslose Jugendliche registriert. Gemäss Michael Siegenthaler, Ökonom der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, suchen gleichzeitig aber je nach Quartal 25'000 bis 60'000 nicht-registrierte Jugendliche ebenfalls nach Arbeit.

Unterschiedliche Quoten

Der riesige Unterschied sei mit der Erhebungsmethode zu erklären. Anders als die Seco-Statistik erfasst die Erwerbslosenstatistik – auf die sich Siegenthaler stützt – auch Personen, die zwar Arbeit suchen, aber nicht bei einem Arbeitsamt gemeldet sind.

Rund 130'000 Telefoninterviews führt das Bundesamt für Statistik anhand der Kriterien der Internationalen Arbeitsorganisation bei der ständigen Wohnbevölkerung durch. Dadurch kommt sie auf eine Jugendarbeitslosenquote von 6,8 Prozent, das Seco jedoch auf eine von 3,7 Prozent.

Mehr Lehrlinge suchen Festanstellung

Gemäss der Zeitung gibt es einen weiteren gravierenden Unterschied zwischen den beiden Statistiken: Über die Jahre bleibe die Zahl der registrierten arbeitslosen Jugendlichen in etwa stabil. Bei den nicht-registrierten nimmt die Zahl der Jugendlichen, die nach der Lehre eine Stelle suchen, jedoch jedes Jahr zu.

Daraus lasse sich schliessen, dass Unternehmen offenbar vermehrt nicht dazu bereit sind, Ausgelernte im Betrieb weiter zu beschäftigen. Und dies in Zeiten, in denen Berufserfahrung immer wichtiger wird.

Arbeitslosigkeit als gesellschaftlicher Makel

Eine Nicht-Registrierung der Jugendlichen beim RAV habe verschiedene Gründe, wie die «Sonntagszeitung» schreibt. So würden Jugendliche, die direkt nach dem Lehrabschluss arbeitslos sind, nur rund 50 Franken pro Tag erhalten. Für einige seien der Aufwand und die Auflagen des RAV zu mühsam. Andere Jugendliche sähen Arbeitslosigkeit als gesellschaftlichen Makel sehen und würden sich deshalb nicht melden. Dies sei vor allem auf dem Land der Fall.

Zudem gebe es Jugendliche, die gar nicht wissen, dass sie einen Anspruch auf Arbeitslosengeld hätten, und es gebe solche, die hoffen, bald eine Stelle zu finden. Auch die lange Wartezeit von 120 Tagen bei Schulabgängern sorge dafür, dass sie sich erst gar nicht melden.

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