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«Bravo»-Jubiläum60 Jahre Popstars, Pickel und Pubertätsprobleme

Auch eine Jugendzeitschrift wird älter: Das Kult-Heftchen «Bravo» feiert dieser Tage seinen 60. Geburtstag.

von
sda/mor
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Die erste «Bravo» überhaupt: Am 26. August 1956 erschien die neue «Zeitschrift für Film und Fernsehen».

Die erste «Bravo» überhaupt: Am 26. August 1956 erschien die neue «Zeitschrift für Film und Fernsehen».

1960 präsentierte «Bravo» «Die 30 Schlagersängerinnen des Jahres».

1960 präsentierte «Bravo» «Die 30 Schlagersängerinnen des Jahres».

Starschnitt: Winnetou in Lebensgrösse gabs anno 1964.

Starschnitt: Winnetou in Lebensgrösse gabs anno 1964.

Schon so mancher Vertreter der heutigen Rentnergeneration hat sie heimlich unter der Schulbank gelesen, inzwischen suchen die Enkel in dem Heft nach neusten Nachrichten über Stars oder Rat bei Pubertätsproblemen: Deutschlands grösste Jugendzeitschrift «Bravo» feiert am Freitag, dem 26. August ihren 60. Geburtstag.

Ein Heft für junge Filmliebhaber sollte die «Bravo» ursprünglich werden. Und so startet Deutschlands erstes Jugendmagazin am 26. August 1956 als «Zeitschrift für Film und Fernsehen», herausgegeben vom 2005 gestorbenen Journalisten Peter Boenisch. Für 50 Pfennige geht «Bravo» damals mit dem Covergirl Marilyn Monroe über die Ladentheke.

Dann kommen die 60er-Jahre - und die Beatles. Musikstars verdrängen Leinwandhelden vom Titel, das Interesse an immer neuen globalen Popikonen befeuert auch den Absatz der «Bravo». Auf die «Fab Four» folgen Abba, Nena, Michael Jackson, Take That und Britney Spears.

Starschnitt und Dr. Sommer

Zum Renner entwickelt sich der Starschnitt. Fans sammeln Woche für Woche Fototeile und kleben ihre Stars in Lebensgrösse zusammen. 122 Starschnitte entstehen in mehr als 50 Jahren, bevor die Rubrik endet. Der letzte zeigt Bill und Tom Kaulitz von Tokio Hotel.

Doch nicht nur Geschichten über Musik- und TV-Stars schlagen die jungen Leser in den Bann. Als die Auflage Ende der 60er-Jahre einbricht, heben die Bravo-Macher ein neues Thema ins Blatt: Sex. Dr. Sommer heisst die Vertrauensperson, die auf delikate Fragen antwortet und so zum Teenie-Chefaufklärer avanciert. Damals eine absolute Neuheit.

Hinter dem Pseudonym verbirgt sich zunächst der inzwischen verstorbene Jugendtherapeut Martin Goldstein, später gibt es ein ganzes Expertenteam. Gefragt ist der Rat von Dr. Sommer trotz fast allgegenwärtiger Sexualität noch immer. Wöchentlich erreichen das Team laut «Bravo» rund 300 Anfragen.

Doch die Teenager-Bibel erlebt schwierige Zeiten, droht durch geänderte Lese- und Konsumgewohnheiten ins Abseits zu geraten. Liegt die Auflage Anfang der 90er noch bei rund einer Million Exemplaren, sind es 2006 knapp 511'000 und heute etwa 131'500. Kein Wunder: An den Kiosken ist die Konkurrenz inzwischen gross, das Internet tut das Übrige.

Neues Erfolgsrezept

Der Verlag reagiert und baut das Blatt zu etwas um, was er selbst heute als «Europas grösste Jugend-Multichannel-Marke» bezeichnet. Neben die gedruckte Ausgabe tritt die Online-Plattform Bravo.de. Ausser der klassischen «Bravo» erscheinen Spezial-Magazine wie «Bravo Sport» und «Bravo Girl». Seit 2014 setzt das Blatt ausserdem voll auf soziale Medien.

Youtuber und andere Social-Media-Promis wie die Lochi-Zwillinge und Dagi Bee treten als neue Stars an die Seite der alten. «Wir haben früh erkannt, wie wichtig diese nahbaren Idole für unsere Zielgruppe sind», sagt Chefredakteurin Nadine Nordmann.

Das Ergebnis? Die Facebook-Seite der «Bravo» hat mehr als 950'000 Fans, den aktuellen Titel zieren die Lochis, nicht Adele oder Justin Bieber. Eine Sache gilt für die «Bravo» auch nach inzwischen 3079 Ausgaben immer noch: Um eine erfolgreiche Jugendzeitschrift zu bleiben, muss sie sich für jede Lesergeneration neu erfinden.

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