Falsche Angaben im CV: 60 Prozent der Schweizer lügen bei der Bewerbung

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Falsche Angaben im CV60 Prozent der Schweizer lügen bei der Bewerbung

Falsche Titel, erfundene Zertifikate: Viele Jobsuchende nehmen es mit der Wahrheit nicht so genau – und frisieren ihre Bewerbungsunterlagen.

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vb
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Eine aktuelle Analyse von rund 3300 Bewerbungsdossiers zeigt: Nur 40 Prozent waren vollständig wahrheitsgetreu.

Eine aktuelle Analyse von rund 3300 Bewerbungsdossiers zeigt: Nur 40 Prozent waren vollständig wahrheitsgetreu.

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So wurde zum Beispiel festgestellt, dass Bewerber Abschlüsse im Lebenslauf angaben, die sie gar nie erworben haben.

So wurde zum Beispiel festgestellt, dass Bewerber Abschlüsse im Lebenslauf angaben, die sie gar nie erworben haben.

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Am Ende der Lehrzeit erhalten Lernende ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis oder ein eidgenössisches Berufsattest.

Am Ende der Lehrzeit erhalten Lernende ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis oder ein eidgenössisches Berufsattest.

Dienststelle Berufs- und Weiterbildung Kt. Luzern

Papier ist geduldig. Das denken sich überraschend viele Jobsuchende, wenn sie ihre Bewerbungsunterlagen zusammenstellen. Eine aktuelle Analyse von rund 3300 Dossiers zeigt: Nur 40 Prozent waren vollständig wahrheitsgetreu. In 7 Prozent enthielten die Unterlagen handfeste Lügen, in 53 Prozent sonstige Ungenauigkeiten wie falsche Angaben zur Berufserfahrung.

Die Erhebung wurde von Aequivalent durchgeführt, einem Unternehmen, das sich auf die Überprüfung von beruflichen Vorgeschichten und offiziellen Dokumenten spezialisiert hat.

Mit Photoshop gefälscht

Viel häufiger als im Vorjahr schummelten Bewerber in Bezug auf erhaltene Diplome und berufliche Qualifikationen: Der Anteil der Dossiers mit falschen Angaben in diesem Bereich stieg von 4 auf 8 Prozent im Jahr 2018. «In den extremsten Fällen fanden wir zum Beispiel Diplome, die mit Photoshop gefälscht wurden», sagt Aequivalent-Chef Michael Platen zu 20 Minuten.

Auch sei es vorgekommen, dass Bewerber Abschlüsse im Lebenslauf angegeben hätten, die sie gar nie erworben hätten. Bei 28 Prozent der erwähnten Ausbildungen kam heraus, dass sie abgebrochen oder auf einem niedrigeren Level abgeschlossen wurden – oder der Bewerber war immer noch an der besagten Ausbildung dran.

Arbeitserfahrung wird beschönigt

Auch bei der Arbeitserfahrung wird häufig gelogen oder übertrieben. Die Ungenauigkeiten betrafen etwa die aktuelle Stellenbezeichnung im Lebenslauf, den Anstellungszeitraum, das Pensum oder die Art des Arbeitsvertrags. «Da wird aus einer Teilzeit- plötzlich eine Vollzeitstelle, oder aus einer Temporär- eine Festanstellung», erklärt Platen.

Im internationalen Vergleich sind Schweizer Bewerber nicht ehrlicher als andere. Deutsche und Österreicher nehmen es mit dem Wahrheitsgehalt des Bewerbungsdossiers genauer, wie die Erhebung zeigt. Bei britischen und US-amerikanischen Arbeitnehmern gab es hingegen mehr Verdachtsmomente oder Unstimmigkeiten.

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