Aktualisiert 25.05.2010 20:36

Jamaika

60 Tote im Krieg gegen «Dudus»

In dem von Kämpfen zwischen schwer bewaffneten Bandenmitgliedern und Sicherheitskräften erschütterten Karibikstaat Jamaika haben Polizei und Armee immer mehr Mühe, die Lage unter Kontrolle zu halten.

Bei den blutigen Auseinandersetzungen wurden nach Polizeiangaben vom Dienstag bislang 28 Zivilisten und drei Angehörige der Sicherheitskräfte getötet. Rettungskräfte berichteten gar von mindestens 60 Toten. Über 200 Verdächtige wurden laut der Polizei festgenommen, der gesuchte Drogenboss Christopher «Dudus» Coke wurde aber offenbar nicht gefasst.

Polizei und Armee hatten am Montag ein Viertel im Stadtteil Tivoli Gardens der Hauptstadt Kingston gestürmt und Barrikaden durchbrochen, die von Anhängern des Gangsters errichtet worden waren.

Der stellvertretende Polizeichef Glenmore Hinds sprach von einem «Krieg» gegen die Banden. Während des Einsatzes erschütterten Explosionen das Wohngebiet, Rauchwolken standen über den Dächern.

Die Polizei forderte die Einwohner der Hauptstadt auf, in ihren Häusern zu bleiben. Die Polizeieinheiten traten in Kampfmontur auf, über der Stadt kreisten Helikopter.

Ausnahmezustand beschlossen

Inzwischen griffen die Unruhen auch auf die zur Metropolenregion zählende Stadt Spanish Town über, wo eine Polizeiwache beschossen wurde. Auch aus anderen Stadtteilen wurden Schiessereien gemeldet. Auch in der Nähe eines Spitals, in das Verletzte der Auseinandersetzungen gebracht wurden, wurde offenbar gekämpft.

Premierminister Bruce Golding verhängte in der Hauptstadt einen für einen Monat geltenden Ausnahmezustand. Die Polizei forderte die Einwohner der Hauptstadt auf, in ihren Häusern zu bleiben.

Die Fluggesellschaft Air Jamaika sagte mehrere Flüge ab. Die Regierung ordnete die Schliessung der Schulen für diesen Dienstag an und bat Einwohner, Blut zu spenden. Die US-Botschaft stellte bis auf weiteres alle nicht zwingend erforderlichen Dienste ein.

USA wollen Coke

Der Ausbruch der Gewalt hatte sich Ende der vergangenen Woche an der Entscheidung der Regierung entzündet, Coke an die USA auszuliefern. Die USA wollen ihm den Prozess machen und fordern seine Auslieferung.

Das US-Justizministerium bezeichnete Coke als einen der «weltweit gefährlichsten» Drogenbarone. Er soll seit 1990 einen international agierenden Drogenring namens The Shower Posse anführen, der laut US- Ermittlern Marihuana und Crack vor allem in den Grossraum New York liefert.

Im August wurde Coke in den USA formell angeklagt. Im Falle einer Auslieferung und Verurteilung droht ihm eine lebenslange Haftstrafe. Coke hat in Jamaika jedoch zahlreiche Unterstützer.

(sda)

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