Steuerstreit: 60 Zeugen im Prozess gegen Ex-UBS-Banker Weil
Aktualisiert

Steuerstreit60 Zeugen im Prozess gegen Ex-UBS-Banker Weil

In Florida beginnt am Dienstag der Prozess gegen den ehemaligen UBS-Top-Banker Raoul Weil. Der Kronzeuge soll Martin Liechti, ein ehemaliger UBS-Manager, sein.

Raoul Weil (links) und sein Anwalt David Mandel im Januar 2014 auf dem Weg ins Gericht.

Raoul Weil (links) und sein Anwalt David Mandel im Januar 2014 auf dem Weg ins Gericht.

Der ehemalige UBS-Banker Raoul Weil muss sich diese Woche vor Gericht in Florida verantworten. Er ist der erste Schweizer Top-Banker, der sich im Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA einem Geschworenengericht stellen muss.

Fast genau ein Jahr nach seiner Festnahme in Italien fängt am Dienstag in Fort Lauderdale der Prozess gegen den einstigen Chef der UBS-Vermögensverwaltung an. Weil wird vorgeworfen, mit der UBS über 20 Milliarden Dollar Vermögen von amerikanischen Steuerzahlern vor den Behörden verborgen zu haben.

In Bologna verhaftet

Als Weil am 19. Oktober 2013 in einem Hotel in Bologna verhaftet wurde, war die Klage gegen ihn wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung schon fast sechs Jahre alt.

Die Grossbank UBS, deren Überseegeschäfte den Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA 2008 auslösten, hatte 780 Millionen Dollar Busse bezahlt und rund 4450 Datensätze von Kunden an die Amerikaner überwiesen. Die Rahmenbedingungen im Fall UBS hatten die Schweiz und die USA in einem Staatsvertrag festgehalten.

Zwar waren in den USA weitere Banken angeklagt, so etwa die Credit Suisse, Julius Bär, die Basler und die Zürcher Kantonalbank. Für die UBS und ihre einstige Führungscrew schien der Sturm aber vorbei.

Weil, nach der Anklage in den USA zunächst suspendiert, verliess die UBS bereits im April 2009, um sich auf seinen Gerichtsfall zu konzentrieren. Er trat später eine Stelle bei der Zuger Beratungsfirma Reuss Private Group an, deren Führung er Anfang 2013 übernahm, bis er zehn Monate später in Italien unerwartet verhaftet wurde und kurz darauf an die USA ausgeliefert wurde.

Beste Strafverteidiger

Weil plädierte auf unschuldig und verlangte einen raschen Prozess vor Geschworenen - ungewöhnlich für einen Mitarbeiter einer Schweizer Bank, da diese in den USA allgemein im Ruf stehen, Gelder reicher Amerikaner vor dem Zugriff des Staates zu horten. Raoul Weil kam bis zum Prozess auf Kaution frei und bereitete in New Jersey mit einem Team hochbezahlter Anwälte seine Verteidigung vor. Sein Hauptanwalt ist Aaron Marcu, der in den USA als einer der besten Strafverteidiger gilt.

Zu tun gab es viel: 4 Millionen Seiten Beweismaterial legten die Kläger vor, rund 60 Zeugen will Staatsanwalt Mark Daly in den nächsten Tagen und Wochen aufrufen. Gefährlicher Kronzeuge soll Martin Liechti sein, der bei der UBS einst Chef des Überseegeschäftes mit Nordamerika war und in dieser Stellung auch Weils Untergebener. Liechti wurde bereits im April 2008 von den US-Behörden in Miami abgefangen und zur Kooperation gezwungen.

Bis zu 5 Jahre Gefängnis

Weils Verteidigung hat es geschafft, wenigstens drei Zeugen, die zu Gunsten von Weil aussagen sollen, per Videoschaltung aus London vor Gericht auftreten zu lassen. Laut Medienberichten befürchteten die Zeugen - selber ehemalige Banker - in den USA bei der Einreise auch festgenommen zu werden.

Sonst scheint das Material zur Verteidigung Weils eher dünn. Marcu beklagte sich bei dem Richter, die Verteidigung versuche, jegliches Material zur Entlastung Weils vor Gericht zu unterdrücken. Der Anwalt hält weiter fest, Weil sei unschuldig. Medienvertretern sagte Marcu: «Er ist das Opfer seiner Untergebenen - jener, die nun für die Anklage gegen ihn aussagen».

Nach Einschätzung von Richter James Cohn wird der Prozess zwei bis vier Wochen dauern. Raoul Weil, 54 Jahre alt und verheiratet, drohen im Höchstfall 5 Jahre Gefängnis. (sda)

Sturz von der Karriere-Leiter

Der 54-jährige Raoul Weil hat eine klassische Bankkarriere durchlaufen. Nach seinem Wirtschaftsstudium an der Universität Basel startete er 1984 beim damaligen Schweizerischen Bankverein (SBV) in Basel.

Schon kurz nach seinem Start übernahm Weil Aufgaben im Vermögensverwaltungsgeschäft - ab 1994 war er für das Private Banking des SBV in den USA verantwortlich, ab 1996 arbeitete er für die ganze Private-Banking-Sparte Nordamerika und die Karibik.

Der grosse Karriereschritt erfolgte dann 2002: Weil wurde Chef des grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft der UBS - die Funktion, die ihm nun den Prozess in Florida beschert hat. Aus Sicht der US-Justiz trägt er als damaliger Chef des internationalen Wealth Managements die Verantwortung für die illegalen Geschäftspraktiken von UBS-Mitarbeitern in den USA.

Weil arbeitete aus Sicht des damaligen UBS-Managements aber offensichtlich erfolgreich: 2005 wurde er in die Konzernleitung der Bank berufen, 2007 wurde Weil Leiter von Global Wealth Management & Business Banking, also des globalen Vermögensverwaltungsgeschäfts und des Privat- und Firmenkundengeschäfts.

Der Bruch kam im November 2008: Raoul Weil wurde in den USA angeklagt und schied einige Monate später aus der Bank aus. Trotzdem konnte er seine Karriere fortsetzen - wenn auch in einer weniger prestigeträchtigen Position: Er wurde Berater bei der Zuger Beratungsfirma Reuss Private Group. Anfang 2013 übernahm er deren Führung - bis er zehn Monate später in Italien verhaftet wurde. (SDA)

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