Verdächtige in U-Haft - 6000 falsche Zertifikate – im Kanton St. Gallen fliegt Betrug im grossen Stil auf
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Verdächtige in U-Haft6000 falsche Zertifikate – im Kanton St. Gallen fliegt Betrug im grossen Stil auf

Die Behörden des Kantons St. Gallen konnten den schweizweit grössten Zertifikatsbetrug aufdecken. Eine unbekannte Täterschaft hat rund 6000 Covid-Zertifikate gefälscht. Die Ermittlungen sind noch im Gange, Verdächtige befinden sich bereits in Untersuchungshaft.

von
Pascal Eicher
Leo Butie
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Im Kanton St. Gallen wurde eine grosse Betrugsmasche aufgedeckt.

Im Kanton St. Gallen wurde eine grosse Betrugsmasche aufgedeckt.

20min/Taddeo Cerletti
Offenbar wurden rund 6000 gefälschte Covid-Zertifikate ausgestellt.

Offenbar wurden rund 6000 gefälschte Covid-Zertifikate ausgestellt.

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

Vor wenigen Tagen sind im Kanton St. Gallen Zertifikatsbetrüger aufgeflogen, wie das «St. Galler Tagblatt» berichtet. Die Täter haben sich online echte Zertifikate beschafft und diese dann anschliessend kopiert und gefälscht. Auf diesem Weg wurden rund 6000 gefälschte Covid-Zertifikate ausgestellt. Es ist der schweizweit bislang grösste Betrugsfall.

Die Ermittlungen zum Fall laufen auf Hochtouren. Laut Informationen von CH Media wurden bereits Verdächtige in Untersuchungshaft genommen. Offiziell kommuniziert wurde aber noch nichts. Bruno Damann, Vorsteher des St. Galler Gesundheitsdepartements, möchte sich vorerst nicht zum Vorfall äussern. Er bestätigt jedoch, dass die Staatsanwaltschaft involviert ist. «Das darf nicht passieren. Das wird man untersuchen müssen», sagt Justizdirektor Fredy Fässler. Weitere Details zum Fall gibt er aber nicht bekannt.

Auf Anfrage von 20 Minuten wollte die Staatsanwaltschaft St. Gallen nicht weiter informieren. «Die Staatsanwaltschaft St. Gallen hat Kenntnis von Zertifikatsfälschungen auf dem Kantonsgebiet und hat entsprechende Untersuchungen eingeleitet», heisst es in einer schriftlichen Stellungnahme.

Um die Untersuchungen nicht zu gefährden, werde man keine weiteren Angaben machen, noch konkrete Anfragen bestätigen. «Die Staatsanwaltschaft St. Gallen wird zu gegebener Zeit, wenn die Untersuchungen dies erlauben, aktiv kommunizieren», heisst es weiter.

In der Ostschweiz kein Einzelfall

Recherchen von 20 Minuten hatten gezeigt, dass in der Ostschweiz Personen mit echten Anmeldedaten Zertifikate generierten und für mehrere Hundert Franken pro Stück verkauften. In einem Selbstversuch konnte 20 Minuten für eine fiktive Person ein Impfzertifikat erstellen und in die Covid-Zertifikatsapp laden. Diese Betrugsmasche gebe es bereits seit mehreren Monaten.

In der Vergangenheit sind auch schon andere Zertifikatsbetrüger überführt worden. Kürzlich wurde ein Mitarbeiter des Impfzentrums Buchs verdächtigt, gefälschte Zertifikate auszustellen. Laut dem Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen wurde bisher in zwei Fällen Anzeige wegen Zertifikatsbetrug erstattet. Zwei weitere Fälle seien derzeit in Abklärung.

Aber auch in anderen Kantonen gab es bereits ähnliche Verdachtsfälle. Im Kanton Schaffhausen wurden Ende November sechs Personen verhaftet, die in den Handel mit missbräuchlich ausgestellten Zertifikaten involviert sein sollen. Im Kanton Appenzell Ausserrhoden sind zudem Fälle bekannt, bei denen Personen mit gefälschten Impfpässen aus Deutschland ein Zertifikat ergattern wollten.

Handel über Telegram

Um ein funktionierendes Zertifikat zu erhalten, ist ein entsprechender Zugang nötig, denn die QR-Codes der Zertifikate gelten als fälschungssicher. Diesen Zugang hat das Personal in Testzentren, Arztpraxen oder Impfzentren. Über Chat-Apps wie beispielsweise Telegram wurden häufig Impfnachweise im Austausch gegen Bitcoins angeboten. Diese müssen aber erst von einer Behörde in Zertifikate umgewandelt werden, bevor sie einsetzbar sind.

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