Drohnen-Einsatz: 6000 Jahre altes Haus im Bodensee entdeckt
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Drohnen-Einsatz6000 Jahre altes Haus im Bodensee entdeckt

Wissenschaftler haben in der Bucht vor Konstanz ein fast 6000 Jahre altes Pfahlbauer-Haus gefunden. Bei der Suche standen auch Drohnen im Einsatz.

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dpa/sda/sst
Taucher im Bodensee begutachten das wohl älteste Haus von Konstanz.

Taucher im Bodensee begutachten das wohl älteste Haus von Konstanz.

Zentrale Lage mit Blick auf den Bodensee, das Panorama der Alpen inklusive: So liess es sich offenbar schon vor 6000 Jahren gut aushalten. Denn direkt vor den Jugendstilvillen der heutigen Seestrasse in Konstanz am Bodensee haben Forschungstaucher des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg das älteste bekannte Haus in der Konstanzer Bucht entdeckt. Es stammt aus dem Jahr 3910 vor Christus.

Der rekonstruierte Grundriss mit seinen 24 Quadratmetern hat zwar eher die Grösse einer Studentenbude. Doch für die Archäologen ist der Fund eine kleine Sensation. Seit 2011 gehören 111 Pfahlbausiedlungen im Alpenvorland zum Weltkulturerbe der Unesco.

Das Ende der Pfahlbauer in Zürich (Teil 1)

Wie dieses Erbe von der Jungsteinzeit bis zur Bronzezeit bewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann, damit befasst sich zurzeit auch eine internationale Tagung in Konstanz. Denn mit der Welterbe-Auszeichnung verpflichten sich die Staaten zum Schutz und Erhalt der Fundstellen.

Drohnen grenzen Suchgebiet ein

Für Wissenschaftler ist die Konstanzer Bucht besonders interessant. «Der Ort war schon in der Stein- und Bronzezeit ein Verkehrsknotenpunkt», sagt Helmut Schlichtherle vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg. Bis zu zehn prähistorische Siedlungen vermutet er hier, trotz des aktuellen Funds stehen die Forscher also erst am Anfang.

Viele Geheimnisse der Frühgeschichte kommen erst dank neuster wissenschaftlicher Methoden ans Licht. Unterwasserarchäologen, Biologen, Geologen und sogenannte Dendrochronologen bestimmen anhand von Proben und Bohrungen das Alter der Funde. Neben einem Luftbildarchäologen kamen dieses Frühjahr auch zwei Drohnen zum Einsatz. Die Aufnahmen zeigen den Forschern, wo sie weitersuchen müssen.

Wasser konserviert Siedlungen

«Die Pfahlbauten sind noch eines der grossen archäologischen Abenteuer Europas», sagt Schlichtherle. Ganze Siedlungen und Alltagsgegenstände haben unter Wasser die Jahrtausende überstanden. So zeigt sich nun, dass die Pfahlbauer von damals einen hohen Lebensstandard hatten: Sie bauten raffinierte Häuser, erfanden Pflüge und setzten Dünger ein, liebten Schmuck und aufwendig verzierte Keramik.

Und Spuren von Brandrodung zeigen, dass die Menschen weiterzogen, wenn der Boden nichts mehr hergab. Ihren Müll liessen sie einfach zurück – jetzt ist er ein unbezahlbarer Schatz für die Wissenschaft.

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