Aktualisiert 14.01.2017 10:29

6000 Kilometer zu Fuss durch die Schweiz

Ivo Moosberger wanderte durchs ganze Land, um Naturkunstwerke zu schaffen. Gegen die Einsamkeit kuschelte er mit seinem Schlafsack, den er Jutta nennt.

von
sei
14.1.2017
So gemütlich sah Ivo Moosbergers Alltag auf seiner zehmonatigen Wanderreise nicht immer aus.

So gemütlich sah Ivo Moosbergers Alltag auf seiner zehmonatigen Wanderreise nicht immer aus.

Ivo Moosberger/Explora.ch
Der Zuger wanderte 6000 Kilometer durch die Schweiz.

Der Zuger wanderte 6000 Kilometer durch die Schweiz.

Ivo Moosberger/Explora.ch
Vier Paar Wanderschuhe latschte er bis auf die Innensohlen durch.

Vier Paar Wanderschuhe latschte er bis auf die Innensohlen durch.

Ivo Moosberger/Explora.ch

Ivo Moosberger, Sie wanderten zehn Monate lang quer durch die Schweiz. Wie kamen Sie auf die Idee zu dieser langen Reise?

Meine letzte grosse Reise führte mich und meine damalige Partnerin mit dem Fahrrad durch Zentralasien. Oft waren die Strassenverhältnisse sehr schlecht. So mussten wir manchmal tagelang das Fahrrad schieben. Damals schwor ich mir, dass ich meine nächste Reise zu Fuss machen würde. Die Wanderung verlief in zwei Etappen. Im Oktober waren viele Wanderwege tief eingeschneit und ich war jeweils froh, wenn mein nasses Zelt im Rucksack nicht zu einem Klumpen zusammengefroren war. So beschloss ich, eine Winterpause einzulegen.

Was hatten Sie immer dabei?

Mein Gepäck war auf das Minimum reduziert. Mit dabei waren Olga mein Leichtzelt, Jutta mein Schlafsack, Hobo mein kleiner Holzkocher und Hermine meine Teekanne. Zudem mit dabei waren Fotokamera, Handy und Solarpanel, das mich mit Strom versorgte. Und natürlich etwas Kleider.

Sie gaben Gegenständen Namen? Klingt so, als wären Sie einsam gewesen.

Man muss sich tatsächlich an das Alleinsein gewöhnen. Die ersten Tage sind hart, denn der Mensch ist sich an einen regen Austausch gewöhnt. Man möchte Höhen und Tiefen mit anderen teilen. Doch etwa nach drei, vier Wochen wird das Alleinsein erträglich, und in der Einsamkeit macht sich eine grosse Zufriedenheit breit.

Wie muss man sich Ihren Alltag auf der Wanderung vorstellen?

Meine Reise bestand aus zwei Komponenten: der sportlichen und der kreativen. Ich war auf der Suche nach schönen Plätzen, wo ich aus Naturmaterialien etwas gestalten konnte. So war ich manchmal tagelang unterwegs, bis ich an einem geeigneten Ort mein Zelt aufschlug und meine Naturschauspiele baute.

Ihr Highlight?

Als mein Steinbogen auf dem Sanetschpass nach unzähligen Versuchen endlich stand. Zudem hat der Bogen drei Nächte mit heftigen Gewittern überstanden, und ich konnte ihn schliesslich in der Morgensonne fotografieren. Oft machten mir Wind und Wetter einen Strich durch die Rechnung und ich fluchte wie ein Rohrspatz.

Wurde es je gefährlich?

Die Natur spricht eine klare Sprache. Doch mit der Zeit weiss man, wie man sich zu verhalten hat. Gewaltige Berggewitter sind respekteinflössend. Auch kleine Unaufmerksamkeiten können schnell zum Verhängnis werden. Als ich in der Abenddämmerung für ein Bad in eine kleine Schlucht hinuntergesprungen war, merkte ich, dass das Zurückklettern nicht so einfach war. Mein Zelt stand nur einige Meter oberhalb von mir, aber es dauerte noch eine ganze Weile, bis ich im Dunkeln in meinen warmen Schlafsack schlüpfen konnte.

Was haben Sie auf der Reise gelernt?

Man braucht nicht um die halbe Welt zu jetten, um etwas zu erleben. Die grosse weite Welt beginnt vor der eigenen Haustür.

Haben Sie einen anderen Blick auf die Schweiz erhalten?

Ja, die Schweizer sind gar nicht so bünzlig, wie man immer denkt. Oft wurde ich zum Kaffee oder zum Schwatz eingeladen. Auch geografisch eröffneten sich neue Welten, da man zu Fuss komplett andere Wege geht als mit dem Auto oder dem Fahrrad.

Wo befindet sich der schönste Fleck des Landes?

Da gibts jede Menge! Doch glaube ich, dass dieser schönste Fleck nicht zwingend ortsgebunden sein muss. Je nach eigener Verfassung, Umfeld, Wetter und Licht, kann das überall sein. Ein eindrücklicher Sonnenaufgang an einem Bergsee, ein Regenbogen nach einem heftigen Gewitter, aber auch nur ein kleiner trockener Platz unter einer Tanne kann etwas Wunderbares sein.

Ivo Moosbeger, 1974 in Zug geboren, war schon in seiner Kindheit fasziniert von der Natur und den jahreszeitlich bedingten Veränderungen. Um diese möglichst intensiv zu erleben, zog er jede freie Minute mit Zelt und Rucksack hinaus in die Natur. Bis am 6. März ist er mit seiner Vortragstournee «Naturschauspiele - 6000 km zu Fuss durch die Schweiz» unterwegs. Daten und Tickets auf Explora.ch

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